Sennfeld

Kein Neubau in der Gartenanlage

Mit viel Abstand zwischen den Tischen tagten die Gemeinderäte Sennfeld wegen der Corona-Pandemie erstmals in der Frankenhalle.
Mit viel Abstand zwischen den Tischen tagten die Gemeinderäte Sennfeld wegen der Corona-Pandemie erstmals in der Frankenhalle. Foto: Silvia Eidel

Von der Sitzordnung her erinnerte die Gemeinderatssitzung in Sennfeld an eine Prüfung: Weil die Räte in der Frankenhalle an einzelnen Tischen fast vier Meter voneinander entfernt saßen.

Ungewöhnlich lange, nämlich über eine Stunde, beschäftigten sie sich mit einer Bauvoranfrage: Ein Einfamilienhaus als Ersatzbau im Bereich von Gartenanlagen und im Wasserschutzgebiet. Erkennbar war in der Diskussion das Bemühen, dem Bauherrn entgegen zu kommen. Eine Mehrheit folgte dann dem Vorschlag der Gemeindeverwaltung, das Bauvorhaben abzulehnen.

Die Argumentation der Verwaltung, die Bürgermeister Oliver Schulze vortrug, war ausführlich: Das Grundstück liegt im Geltungsbereich des 1998 aufgestellten Bebauungsplanes "Private Gartenanlage Sondergebiet", der kein dauerhaftes Wohnen und nur Gartenhäuser zulässt. Allerdings gilt Bestandschutz für das vorhandene, marode, 1935 legal gebaute und noch bewohnte Haus auf dem Grundstück, ohne Wasser- und Abwasseranschluss, dafür mit eigener Brunnenversorgung und Klärgrube.

Klärgrube ist undicht

Diese ist nach Angaben des Antragstellers jedoch undicht, was in dieser weiteren Schutzzone des Sennfelder Wasserschutzgebiets fatal ist, wie Verwaltungsleiter Thomas Wagenhäuser sagte. Einige Räte hatten argumentiert, ein Neubau – der größer als das bisherige Haus und an anderer Stelle geplant ist – würde auch eine Verbesserung der Abwassersituation bringen. Dafür müsse der Grundstücksbesitzer aber auch ohne Neubau sorgen, betonte Wagenhäuser: "Die Dichtigkeit der Kläranlage muss geprüft werden. Wenn da was passiert, ist der Teufel los!"

Während Bürgermeister Schulze und Thomas Mahr von der Bauverwaltung gebetsmühlenartig erklärten, dass aus ihrer Sicht mit einem Ersatzbau die Grundzüge des Bebauungsplanes gestört und bei einer Befreiung davon, also einer Genehmigung, ein "Bezugsfall" für andere potentielle Häuslebauer geschaffen würde, plädierten Christian Birkmeyer und Holger Merz für eine Erlaubnis. Denn sie könnten damit keinen Nachteil für die Öffentlichkeit erkennen.

Weil das Grundstück im Wassergewinnungsbereich der Gemeinde liegt, sei der Schutz des Trinkwassers und damit der Allgemeinheit wichtiger als die Belange des einzelnen, argumentierte der Bürgermeister und seine Verwaltung.

Trinkwasser schützen

Peter Knieß beantragte eine Vertagung des Themas, um eventuell neue Erkenntnisse zu gewinnen und weil "es keinem leicht fällt, zu entscheiden, da man Auswirkungen für die Gemeinde und für die Familie bedenken muss". Was bei Bürgermeister Schulze die Antwort hervorrief: "Ich weiß, dass ich für die Gemeinde entscheide". Woraufhin sich Knieß empörte, er müsse sich nicht den Schuh anziehen lassen, nicht für die Gemeinde zu stimmen.

Eine Vertagung des Themas wurde mehrheitlich abgelehnt, ebenso wie die ganze Bauvoranfrage gegen die Stimmen von Peter Knieß, Michael Klüpfel, Holger Merz sowie Klaus und Christian Birkmeyer abgelehnt wurde.

Einverstanden zeigte sich das Gremium dagegen mit dem Bauantrag für die Errichtung von fünf E-Ladestationen für Pkw in der Max-Planck-Straße 8. Der nötigen Befreiung vom Bebauungsplan Sennfeld West 1 – dass der private Grünstreifen mit den Ladesäulen bestückt werden darf – stimmten alle Gemeinderäte zu.

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