Schweinfurt

Kein OB-Kandidat für Schweinfurt: Überraschung bei den Freien Wählern

Die Freien Wähler Schweinfurt haben erste Namen für die Stadtratswahl am 15. März bekannt gegeben. Wer die Fraktion wechselt, wer nicht mehr dabei ist und wer dazu kommt.
Die Freien Wähler Schweinfurt nominieren keinen Kandidaten für die Oberbürgermeister-Wahl, warten aber mit einigen prominenten Namen auf ihrer Stadtratsliste auf. Die Aufstellungsversammlung ist Ende November. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Um 10.57 Uhr kam die E-Mail am 27. September, geschickt vom Freie-Wähler-Fraktionsvorsitzenden Stefan Labus. Es war eine faustdicke Überraschung: Es wird keinen OB-Kandidaten der Freien Wähler bei der Kommunalwahl 2020 geben, und auf der FW-Stadtratsliste finden sich neben den beiden Stadträten Dagmar Bebersdorf und Stefan Labus überraschend der derzeit für die Wählergemeinschaft proschweinfurt im Stadtrat sitzende Adi Schön sowie der Diakonie-Vorsitzende Jochen Keßler-Rosa und der Rektor der Frieden-Mittelschule und Vizepräsident des Bayerischen Lehrerinnen und Lehrer-Verbandes, Tomi Neckov.

Stefan Labus ist sich natürlich der kommnalpolitischen Folgen seiner Pressemitteilung bewusst, gut gelaunt meldet er sich am Telefon. Vor allem die Entscheidung, doch keinen Kandidaten für die OB-Wahl aufzustellen, verändert die politische Statik. Im Moment gibt es drei Kandidaten: Amtsinhaber Sebastian Remelé (CSU), Marietta Eder (SPD) und Holger Laschka (Bündnis 90/Die Grünen). Ob die Linken oder die AfD auch bei der OB-Wahl antreten, ist offen. Die Wählergemeinschaft proschweinfurt hat das schon ausgeschlossen.

Labus will explizit keine Empfehlung für einen der drei Kandidaten aussprechen, seine Pressemitteilung lässt aber durchblicken, wen man bevorzugt. "Nach vorausgegangenen, jahrzehntelangen Grabenkämpfen wollen wir die künftige Zusammenarbeit im Stadtrat deutlich verbessern. Unser Ziel dabei ist, sich mit Fraktionsstärke für eine freie, offene und bunte, menschliche Stadt einzusetzen", schreibt Labus.

Gemeint sind damit vor allem die Diskussionen zum Thema Baumschutzverordnung sowie Stadtwald statt Landesgartenschau zwischen Ulrike Schneider und dem OB bzw. der CSU-Fraktion, die im Moment mit Labus und Bebersdorf als Stadträtin für die Schweinfurter Liste/Freie Wähler arbeitet. Labus erklärt, aus seiner Sicht müsse "die Kommunalpolitik wieder von Sachfragen und nicht von Parteipolitik geprägt werden".

Pflegt gute Kontakte zur Rathausspitze: Freie-Wähler-Fraktionsvorsitzender Stefan Labus (rechts) beim Neujahrsempfang im Rathaus mit Monika Remelé und Oberbürgermeister Sebastian Remelé. Foto: Josef Lamber

Dass sich Labus und Schneider auseinander gelebt haben, ist kein Geheimnis. Schneider wird sicher nicht bei den Freien Wähler als Stadträtin kandidieren, wie sie auf Nachfrage noch einmal betonte. Eine Entscheidung, in welcher Form sie sich ab 2020 kommunalpolitisch engagieren will, hat die Umweltpolitikerin nach eigener Aussage noch nicht getroffen. 

Labus will mit seiner Liste, die Ende November offiziell aufgestellt werden soll, "profilierte Persönlichkeiten für eine unabhängige, an Sachthemen orientierte Politik der bürgerlichen Mitte" präsentieren. Man beweise seit Jahrzehnten "politische Kompetenz im Schweinfurter Stadtrat", betont er und fügt hinzu, "dass wir mit einer starken Stadtratsliste die Kommunalpolitik Schweinfurts weiterhin prägen werden".

Wechsel von Adi Schön von proschweinfurt zu den Freien Wählern

Die Freie-Wähler-Liste ist zumindest auf den ersten Listenplätzen mit prominenten Namen besetzt. Sicher eine Überraschung ist der Wechsel von Adi Schön von der Wählergemeinschaft proschweinfurt zurück zu den Freien Wählern, für die er 2013 als Landtagskandidat ins Rennen ging. Er scheide sicher nicht im Groll von proschweinfurt und werde gemeinsam mit seiner Kollegin Christiane Michal-Zaiser die noch sieben Monate dauernde Wahlperiode professionell zu Ende bringen.

Grundsätzlich, so Schön, "habe ich jetzt die Möglichkeit gesehen, mit schlagkräftigen Mitstreitern die Dinge politisch zu erreichen, die mir wichtig sind". Bei proschweinfurt nahm man die Entscheidung Schöns zur Kenntnis, so Vorsitzender Jürgen Zaiser. Ende Oktober werde man eine eigene Liste aufstellen, bei der man Schön angeboten hatte, nach Listenführerin Christiane Michal-Zaiser auf Platz zwei zu kandidieren. "Für uns ist das jetzt so in Ordnung, wir werden sicher erfrischende und nette Menschen auf der Liste präsentieren, die in der Lage sind, das Stimmendefizit durch Adi Schöns Weggang auszugleichen", so Zaiser.

Gut vernetzt: Stadtrat Adi Schön (rechts) wechselt von proschweinfurt zu den Freien Wählern für die Stadtratsliste 2020. Auf dem Bild neben ihm SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Hofmann. Foto: Josef Lamber

Schöns Stadtrats-Kollegin Christiane Michal-Zaiser war zwar erstaunt über die Entscheidung, versicherte aber, man werde weiterhin gut zusammenarbeiten. Grundsätzlich sei es für proschweinfurt sogar positiv zu werten, "wir sind die einzige parteilose Wählergemeinschaft, für uns steht nur Schweinfurt im Vordergrund". Bei den Freien Wähler hingegen spielten auch landespolitische Aspekte eine Rolle, seit sie mit der CSU zusammen die Landesregierung in München bilden. 

Hinweis: Am Montag, 7. Oktober, veranstalten die Freien Wähler um 19 Uhr im Brauhaus am Markt ein Bürgergespräch unter dem Motto „Damit Schweinfurt mein Schweinfurt bleibt – reden Sie mit uns!“

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