Grafenrheinfeld

Kernkraftwerk: Rückbau startet 2021 in die heiße Phase

Wie komplex der Rückbau eines Kernkraftwerkes ist, zeigt sich in Grafenrheinfeld. Preussen Elektra baut dort das KKG zurück, das 2015 vom Netz ging. Eine erste Zwischenbilanz.
Schutzanzüge und Schutzmasken müssen die Arbeiter bei den Rückbauarbeiten im Kernkraftwerk Grafenrheinfeld tragen. Alle Arbeiten werden von Strahlenschutzbeauftragten begleitet. Foto: Anand Anders

500 Tonnen Material sind bislang demontiert, über 31 000 Tonnen müssen noch abgebaut werden. Der Rückbau des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld (KKG) steckt noch in der Vorbereitungsphase. Richtig los geht es erst nach Weihnachten, wenn das Kernkraftwerk brennstofffrei ist. "2021 gehen wir an den Reaktor ran", informierte Kraftwerksleiter Bernd Kaiser bei einem Pressetermin am Donnerstag über den aktuellen Rückbaufortschritt. 

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Kernkraftwerk Rückbau

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Seit April 2018 wird das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG) von innen heraus zerlegt. Eine hochkomplexe Angelegenheit. Der Rückbau wird doppelt so lange dauern wie der Bau der Anlage – 15 Jahre. "Wir kommen planmäßig voran", ist Kraftwerksleiter Kaiser mit dem Zeitplan voll zufrieden. 20 500 Komponenten müssen abmontiert, zersägt, zerschnitten und verpackt werden. Ein Viertel davon lagert schon in Mulden und Containern. Es sind Rohrleitungen, Stahlstreben, Verschraubungen, Armaturen, Lagergestelle und alle Systeme, die seit der Stilllegung des KKG nicht mehr benötigt werden.

Blick in den Kontrollbereich des Kernkraftwerks: Die Rückbauarbeiten sind voll im Gange. Foto: Anand Anders

Von den ehemals 305 Mitarbeitern im Kraftwerk sind jetzt noch 188 da. Es gab keine Entlassungen, sagt Kaiser. Der Personalabbau erfolgte allein aufgrund Verrentungen. Aktuell könnte man sogar mehr Personal brauchen. "Wir suchen händeringend Mitarbeiter." Gebraucht werden Ingenieure, Elektriker und vor allem Strahlenschützer. Denn jeder Arbeitsschritt im Reaktorgebäude muss strahlentechnisch überprüft werden. Für die eigentlichen Demontagearbeiten hat der ehemalige Betreiber Preussen Elektra Fachfirmen engagiert. Viele externe Mitarbeiter sind bereits zugange, ihre Zahl wird sich mit zunehmender Intensivierung des Rückbaus weiter erhöhen. In der heißen Phase werden bis zu 600 Personen beschäftigt sein.

Jedes abmontierte Teil muss auf Kontamination hin überprüft und bei Freigabe erst noch einmal gereinigt werden. Die Oberfläche wird abgewischt oder abgesprüht. "98 Prozent der Masse können wiederverwertet werden", sagt Kaiser. Stahl zum Beispiel, der eingeschmolzen werden kann. Die restlichen zwei Prozent schwach- und mittelradioaktiv belasteten Materialien werden in Containern verpackt und in der neu gebauten Bereitstellungshalle (BeHA) gelagert, bis sie zur Endlagerung ab 2027 in den Schacht Konrad gebracht werden können.

2020 sollen 474 Tonnen demontiert werden

Schwerpunkt 2020 ist der Abbau der Systeme, die sich im Reaktorgebäude und im Ringraum des Reaktorgebäudes befinden. Das sind unter anderem die 14 Meter hohen Druckspeicher, die größten Objekte im Gebäude. Stück für Stück müssen sie auseinander gesägt werden, um sie auf Muldengröße zu bringen. Denn zum Abtransport steht als einziger Ausgang aus dem Reaktorgebäude die Schleuse zur Verfügung. Und die ist nur einen Meter breit. 474 Tonnen sollen 2020 demontiert werden.

Wichtigstes Gewerk 2020 ist laut Kaiser die "große Castor-Kampagne", die im Februar startet. Die letzten 179 Brennelemente aus dem Regelbetrieb, die noch im Nasslager abkühlen, werden dann in Castoren verpackt und bis Jahresende ins Atommüll-Zwischenlager auf dem Gelände gebracht. Bis Weihnachten ist das Reaktorgebäude dann brennstofffrei. "Das ist für uns ein wichtiger Meilenstein", so Kaiser. Danach wird es hoch hergehen, denn dann geht es an den Rückbau des Reaktordruckbehälters und der Betonabschirmung. Ab 2022 soll die Rückbaumasse auf 2500 bis 2700 Tonnen pro Jahr gesteigert werden.

Laut Plan ist bis 2033 der nukleare Rückbau abgeschlossen. Zwei Jahre sind dann noch einmal für den Abriss des Gebäudes eingeplant. Was zurück bleibt, sind 54 Castoren mit hochradioaktivem Atommüll im Brennelemente-Zwischenlager und etliche Konrad-Container mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall in der Bereitstellungshalle. Die Verantwortung dafür hat die Bundesregierung. 

Rückblick

  1. So läuft der Abbau des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld
  2. Kernkraftwerk: Rückbau startet 2021 in die heiße Phase
  3. Monumente der Atomenergie
  4. KKW Grafenrheinfeld: Kritik an Abgabewerten der radioaktiven Belastung von Abwässern
  5. Rückbau im AKW Grafenrheinfeld: Die letzten Brennelemente
  6. Zwischenlager in Grafenrheinfeld: Betreiber will offen sein
  7. Brandschutz im AKW Grafenrheinfeld: Ehrenamtliche gefordert
  8. AKW: Kritik am Abbau der Werksfeuerwehr
  9. KKG Grafenrheinfeld: Zwischenlager ist jetzt in Bundeshand
  10. Aus für AKW-Andachten
  11. Knoblach will Werksfeuerwehr erhalten
  12. Jahresrückblick: Rückbau des AKW hat begonnen
  13. Schleierhaftes Plädoyer für die Atomkraft
  14. Mauerbau am Zwischenlager in Grafenrheinfeld
  15. Preussen-Elektra wirbt um Vertrauen
  16. Klage soll AKW-Rückbau sicherer machen
  17. Bund Naturschutz klagt gegen AKW-Abriss
  18. Energiesparen im AKW Grafenrheinfeld
  19. KKG-Rückbau: Die Kühltürme fallen erst nach 2033
  20. Rückbau im KKG: Was dieses Jahr konkret geplant ist
  21. BN klagt gegen Rückbau-Genehmigung für das KKG
  22. AKW-Rückbau: Kritiker warnen vor Niedrigstrahlung
  23. AKW-Rückbau: Kritiker sorgen sich um strahlenden Bauschutt
  24. Im AKW beginnt der Rückbau
  25. Unbehagen nach Abrissplänen für AKW–Türme
  26. Der Fall der Kühltürme weckt wenig Emotionen
  27. Werden Kühltürme schon 2019 gesprengt?
  28. Informieren statt Ignorieren
  29. Atomrisiko: Zwischenlager laut BUND vor Terrorangriffen nicht geschützt
  30. Rückblick 2017: AKW - Transparenz beim Rückbau
  31. Infotag zum Rückbau des KKW Grafenrheinfeld
  32. Atomkraftgegner: „Erlebnistag im Kindergarten“
  33. Erfahrungen der „Atomstadt“ Philippsburg mit dem Ausstieg
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  35. Grafenrheinfeld sagt nein zu „Beha“
  36. Opfern der Atomnutzung gedacht
  37. Scheuring nimmt Abschied vom Atomkraftwerk
  38. Scheuring nimmt Abschied vom Atomkraftwerk
  39. Atomkraftwerk: 2035 alles weg?
  40. Atomkraftwerk: Reinhold Scheuring gibt Leitung ab
  41. Atomkraftwerk Grafenrheinfeld nach Alarm geräumt
  42. Firma KL: Für und Wider des Atomausstiegs
  43. BA-BI will Klage unterstützen
  44. Atomkraftwerk: 330.000 Tonnen Material werden bewegt
  45. Atomkraftwerk-Rückbau: Betreiber sucht Gespräch
  46. Jahresrückblick: Massiver Streit um AKW-Rückbau
  47. Atommüll ist eine Generationenfrage
  48. Atommüll mitten in der Wüste von New Mexico
  49. Atommüll mitten in der Wüste von New Mexico
  50. Atomares Zwischenlager für 100 Jahre?

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