WERNECK

Kiga-Anbau kostet eine halbe Million Euro

Vom Regelkindergarten zur Kita mit Kleinkindgruppe: In Eßleben sollen ab 2013 auch Kleinkinder planschen dürfen. Mit einer knappen Entscheidung im Gemeinderat unterstützt der Markt Werneck den Einbau einer Kleinkindgruppe. Foto: Gerald Gerstner

Ab August 2013, also in gut einem Jahr, haben alle Eltern für ihre unter dreijährigen Kinder einen gesetzlichen Anspruch auf eine frühkindliche Förderung in Tageseinrichtungen oder in Kindertagespflege. Im Markt Werneck leben laut Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl derzeit 179 Kinder unter drei Jahren. Wie eine Bedarfsfeststellung ergeben hat, werden wohl für bis zu 60 Kinder Plätze in Kleinkindgruppen benötigt. Eine solche Gruppe für zwölf Kinder gibt es bislang aber nur im Wernecker Kindergarten. Dort mussten bereits Kinder abgewiesen werden, weil der Bedarf immer mehr zunehme, so Baumgartl.

Wie das Angebot ausgeweitet werden könnte, wurde im März in einer Versammlung mit allen Kindergartenleitungen und den Vorständen der Trägervereine erörtert. Laut Baumgartl signalisierte dabei der Eßlebener Kindergartenträger die Bereitschaft, eine Kleinkindgruppe mit zwölf Plätzen einzurichten. Notwendig wären dafür ein Anbau und die Erweiterung der Außenspielfläche, wofür benachbarter Grund von der Gemeinde erworben werden müsste.

Gesamtkosten: 500 000 Euro, wofür es – je nach Finanzkraft der Gemeinde – 60 bis 80 Prozent Förderung gibt. In Aussicht gestellt hat der Kindergartenträger laut Baumgartl die Übernahme der Hälfte der ungedeckten Kosten.

Um die Eßlebener Kleinkindgruppe auf den Weg zu bringen, standen bereits eine Reihe von Beschlüssen auf der Tagesordnung des Marktgemeinderates: Die Gemeinde stellt den Bedarf für die Kleinkindgruppe fest, Werneck wird Maßnahmenträger, der Kirchenstiftung werden die benötigten 635 Quadratmeter Grund für die Außenspielfläche verkauft, ein Architekt wird mit der weiteren Planung beauftragt. Baumgartl verwies auf den Haushaltsansatz von 100 000 Euro in 2012/13 und betonte, dass auch mit der geplanten Gruppe der Bedarf im Markt längst nicht gedeckt werde.

Zu schnell ging das der Fraktion Freie Wählergemeinschaft (FWG). Birgit Schmitt verwies auf mehrere Landkindergärten mit geringer Auslastung und hat ein „grundsätzliches Problem“ mit dem geplanten Vorhaben. Jürgen Niesner und Peter Pfeuffer sprachen „mittelfristige Leerstände“ an, etwa bei der Zeuzlebener Grundschule. Pfeuffer plädierte zunächst für eine Beratung in den Fraktionen und ein Nachdenken über Alternativen: „Mir fehlt ein bisschen das Konzept“. Und auch Ewald Öftring bremste: „Das geht mir zu schnell.“

Zu Schmitts Einwand stellte Baumgartl fest, dass es derzeit nur einen anerkannten Landkindergarten in der Gemeinde gibt. Geprüft werde aktuell auch die Einrichtung einer Kleinkindgruppe im Zeuzlebener Kindergarten, der ebenfalls bereit wäre zu investieren. Auch dabei seien An- und Umbauten mit geschätzten Kosten von 250 000 Euro erforderlich. Im Zeuzlebener Schulhaus werde zwar 2012/13 kein Unterricht mehr erfolgen, aber die Mittagsbetreuung für alle Grundschüler.

„Uns läuft ein Stück weit die Zeit weg“, sagte Baumgartl. Eßleben wäre nur der erste Schritt, „wir brauchen bestimmt um die 60 Plätze“ im Markt. Müssten Eltern ihre Kinder in Einrichtungen anderer Gemeinden bringen oder Tagespflege beanspruchen, käme das dem Markt teuer. Die Entscheidung zu Eßleben sollte deshalb nicht verschoben werden, zumal eine Kleinkindgruppe dort schon fast mit Kindern aus dem Ort belegt wäre, so die Bürgermeisterin. Außerdem wäre durch den Anbau mit geringem Aufwand eine zweite Kleinkindgruppe möglich, wenn die Regelgruppe in das Obergeschoss verlegt wird.

Stephan Schäflein blieb dabei, dass „zwei Wochen Nachdenken“ nicht so entscheidend„ sein könnten. Allerdings führte die Abstimmung über eine Beratung in den Fraktionen zu einem Stimmenpatt von elf zu elf und war damit abgelehnt. Gegen die Stimmen der FWG-Fraktion wurde anschließend die Eßlebener Kleinkindgruppe weiter auf den Weg gebracht. Der benötigte Gemeindegrund für die Außenspielfläche wird für 10 Euro pro Quadratmeter an die Kirchenstiftung verkauft.

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