OBERLAURINGEN

Kirchenstreit: Kittet Blechschmidt die Bruchstellen?

. . . durch die Kirchengemeinde Oberlauringen geht.
. . . durch die Kirchengemeinde Oberlauringen geht. Foto: Wolfgang Hüßner

Dekan Jürgen Blechschmidt ist optimistisch, die Wogen in der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde in Oberlauringen in absehbarer Zeit wieder zu glätten und die Bruchstellen zu kitten. Er selbst hat dort jetzt nach dem Ausscheiden von Pfarrer Dietmar Schmurlack aus dem Kirchendienst die Vertretung übernommen.

Aber auch der Chef des Dekanatsbezirks Rügheim weiß, dass der „Friedensvertrag von Oberlauringen“ noch nicht unterzeichnet ist, wenn er einräumt: „Wie immer wird der Erfolg am guten Willen der Menschen hängen.“

„Die Arbeit in der Kirchengemeinde läuft. Es ist relativ ruhig und der große Streit erst einmal vorbei“, erklärt der Dekan aus Rügheim zur aktuellen Lage. Sobald sich die Emotionen endgültig einigermaßen beruhigt hätten, werde er versuchen, Kirchenvorstand und Gospelchor zusammenzubringen. Beide Seiten seien „noch nicht ganz versöhnt“, weshalb schon noch Gesprächsbedarf bestehe. Grundsätzlich habe er einen guten Weg gefunden, mit dem Kirchenvorstand zusammenzuarbeiten. Auch zum Gospelchor habe er einen guten Draht, so Blechschmidt.

Bewerber schwer zu finden

Was die Wiederbesetzung der Pfarrstelle anbelangt, so ist geplant, diese im März im Kirchlichen Amtsblatt der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche auszuschreiben. Blechschmidt: „Dann hoffen wir, dass sich jemand darauf bewirbt“. Ein Problem dabei sei, dass es zwar viele Interessenten für Stellen in Ballungsgebieten wie München, Augsburg oder Fürth gebe, um nur einige zu nennen, oder für Gegenden am Alpenrand, der Nordrand Bayerns aber als weniger attraktiv gilt.

Das sei aber ebenso ein generelles Problem, so Blechschmidt, wie die Tatsache, dass evangelische Pfarrer bekanntlich nicht versetzt werden (können), man also darauf warten müsse, dass sich jemand freiwillig auf die offene Pfarrstelle bewirbt.

Der Pfarrer in Oberlauringen hat insgesamt rund 720 evangelische Gemeindeglieder in seiner Sitzgemeinde, sowie in Stadtlauringen und Sulzdorf zu betreuen.

Zur Erinnerung: Die Auseinandersetzungen zwischen Großteilen des Kirchenvorstands der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde auf der einen sowie Pfarrer Dietmar Schmurlack und seinen Gefolgsleuten auf der anderen Seite hatten im vergangenen Jahr, wie mehrfach berichtet, hohe Wellen geschlagen. In der Folge kündigte der damals 57-jährige Pfarrer im Mai 2009 an, die evangelische Kirchengemeinde zu verlassen. Nachdem Schmurlack zunächst krank geschrieben war, ist er im November offiziell in Ruhestand getreten. Seitdem versieht Dekan Blechschmidt die verwaiste Pfarrstelle.

Gräben aufgerissen

Öffentlich geworden waren die Auseinandersetzungen im Januar 2009. Anlass war damals der Weggang des Gospelchores „Voice of Glory“ nach Wetzhausen, für den der Pfarrer eine Lanze gebrochen hat. Hintergrund: Es ging um den Status des Chores, der sich nach seiner verwaltungsmäßigen Ausgliederung aus der Kirchengemeinde im Januar 2008 als Verein eintragen ließ, einen für ihn geforderten Raum-Nutzungsvertrag, der finanzielle Forderungen für Proben und Konzerte in Höhe von rund 1400 Euro im Jahr vorsah, und es ging schließlich um den Spendenerlös aus einem Konzert, das bereits Ende 2006 stattgefunden hatte.

In der Folge entwickelte sich eine scharfe Auseinandersetzung zwischen dem Kirchenvorstand sowie Pfarrer Schmurlack und seinen Befürwortern, in der deutlich wurde, wie schlecht es um das Verhältnis innerhalb der Kirchengemeinde bestellt war. Der Pfarrer vermutete, ausgebootet werden zu sollen. Der Vorstand wiederum prangerte eine Blockadehaltung des Geistlichen innerhalb des Kirchenvorstands an und stellte ihm insgesamt ein schlechtes Zeugnis seiner Arbeit in Oberlauringen aus.

Ein neuer Anfang

Die Gräben gingen schließlich nicht nur durch den Kirchenvorstand, sondern durch die gesamte Kirchengemeinde. Es kam zu einer Unterschriftenaktion und Demonstration zugunsten Schmurlacks. In einer öffentlichen Versammlung wurde leidenschaftlich über das Thema diskutiert. Sogar die Regionalbischöfin für Oberfranken, Dorothea Greiner, schaltete sich ein.

Doch es war offenbar bereits zu viel Kirchen-Porzellan zerschlagen, die unüberbrückbaren Differenzen blieben. Nun nimmt Jürgen Blechschmidt als Dekan, aber auch als derzeitiger Pfarrverweser in Oberlauringen einen neuen Anlauf.

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