Grettstadt

Klage beim Bezirksjugendtag der Sportjugend: Fitte Rentner und träge Kinder

Bezirksjugendtag der Bayerischen Sportjugend Unterfranken: Der demographische Wandel und die Sportvereine, und warum es schwerer wird, Verantwortliche für Vereine zu finden.
Flott und mit Schwung und damit ganz im Sinne der Bayerischen Sportjugend präsentierte sich die Tanzsportabteilung des gastgebenden TSV-Grettstadt. Zwei Gruppen der 92 Mädchen und junge Frauen umfassenden Tanzsportabteilung wirbelten über die Bühne. Foto: Helmut Glauch

Die Bayerische Sportjugend (BSJ) im Bayerischen Landessportverband (BLSV) ist der mit Abstand größte Jugendverband in Bayern. Das bedeutet: Mehr als 66 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Bayern nutzen die breite Angebotspalette der Sportvereine. So Volker Renz, Vorsitzender der Bayerischen Sportjugend im aktuellen Report des BSJ. Auch er war am Samstag in Grettstadt. Dorthin, genauer gesagt ins Domizil des TSV,  waren die Delegierten des BSJ zum Bezirksjugendtag für den Sportbezirk Unterfranken geladen.  

Vertreter aus der Politik wie MdL Paul Knoblach (Bündnis90/Die Grünen) und MdB Anja Weisgerber (CSU) waren zu Gast, BLSV-Kreisvorsitzender  Kurt Vogel vertrat aus sportlicher Sicht, Landrat Florian Töpper aus kommunalpolitischer Sicht den Landkreis. Grußworte, auch von Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel und dem Grettstädter Bürgermeister Ewald Vögler, bereicherten den Vormittag. 

Videobotschaft von Felix Neureuther

Eine Videobotschaft von Ex-Ski-Star Felix Neureuther skizzierte gleich zum Auftakt, was dem BSJ besonders wichtig ist – Kinder und Jugendliche in Bewegung bringen. Was so einfach klingt, wurde mehrfach thematisiert, mausert sich zum echten Problem. Die "Baby Boomer" gehen demnächst in Rente und werden als die "fittesten  Senioren, die wir jemals hatten" eine Betätigung in den Sportvereinen suchen, so BLSV-Präsident Jörg Ammon. Demgegenüber stünden die "unfittesten Kinder und Jugendlichen". Das Problem "träge Kinder mit Bewegungsmangel" wird größer, "die mit Abstand größte Bürgerbewegung", der BLSV und damit auch die bayerische Sportjugend, machen viele Angebote, damit dies anders wird.     

Ein Hindernis dabei ist allerdings, dass sich zwar ungebrochen viele Menschen ehrenamtlich in Vereinen engagieren, aber die Bereitschaft, größere Verantwortung, zum Beispiel in der Vorstandschaft eines Vereins zu übernehmen, sinkt. Neue Modelle in Zeiten wachsender Verantwortlichkeit für Vereinslenker sind gefragt. Nicht einfacher werde die Arbeit der Bayerischen Sportvereine sicher auch durch die geplante Kohlendioxid-Bepreisung. Eltern fahren ihre Kinder zum Training, auch die Nutzung sportlicher Angebote am Wochenende – wenn kein Bus fährt –wird teurer, wenn Mobilität an sich teurer wird.

Gold mit Kranz für 25 Jahre Mitarbeit in der Bezirksjugendleitung Unterfranken des BSJ: Wolfgang Schmitt aus Lohr (Zweiter von links) engagiert sich in der Lehr- und Bildungsarbeit; Edwin Metzler (Ramsthal) ist ebenfalls 25 Jahre dabei, seit 2018 als Bezirksschatzmeiter. Links die alte und neue Vorsitzende Ute Braun, rechts ihre ebenfalls wiedergewählte Stellvertreterin Manuela Schneider. Foto: Helmut Glauch

Der demographische Wandel könne auch als Chance gesehen werden, so Günther Jackl, Bezirksvorsitzender des BLSV Unterfranken. Ältere Menschen gehen aktiv in Vereine, um in Bewegung zu bleiben, denen müsse man Angebote machen. Auch Jackl ging auf die schwindende Bereitschaft, Führungsaufgaben zu übernehmen, ein. Die klassische Vorstandschaft sei immer schwerer zu finden,  Führungsteams, bestehend aus Ressort- und Spartenleiter, sind ein Ansatz, sich in der Verantwortung für einen Verein breiter aufzustellen.

Ein weiteres Problem, das kontrovers diskutiert wird, sind Veranstaltungen und Wettbewerbe der Sportjugend, bei denen auch Alkohol für die Erwachsenen ausgeschenkt wird. "Ein Schiedsrichter in der Halbzeit mit einem Bier in der einen Hand und einer Zigarette in der anderen Hand, geht gar nicht", so der BLSV-Bezirksvorsitzende. Andererseits müsse man auch sehen, dass Veranstaltungen immer einen für die Vereine nicht unwesentlichen gastronomischen Aspekt haben. Letztlich sei es die Entscheidung eines jeden Vereins, nicht nur im Sportbereich, ob auf einer eher dem Nachwuchs gewidmeten Veranstaltung Alkohol ausgeschenkt wird. Das mit dem Vorbildcharakter funktioniere nur bedingt, denn wenn sich ein Erwachsener dort alkoholbedingt daneben benehme, sei wahrscheinlich, dass er dies zu Hause auch tue.    

Was tun, um Kindern den Spaß am Sport zu vermitteln

Auch Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel hat die Klage aus den Schulen vernommen, dass Kinder immer unsportlicher werden. Die digitalen Medien, ohne Zweifel notwendig, seien hier aber auch ein großer Gegner, wenn es darum gehe, Kinder mit Spaß zum Sport zu bringen. Dabei sei der Sport in jungen Jahren doch so wichtig, trage unter anderem dazu bei, dass Kinder lernen, auch mit Niederlagen umzugehen.   

Wichtigste Aufgabe, der von den Aktiven des TSV Grettstadt bestens organisierten Veranstaltung, war allerdings die "Abarbeitung" der Formalien eines Bezirksjugendtages. Vertreter aus den zehn unterfränkischen Sportkreisen (rund 60 Stimmberechtigte) hatten unter anderem eine neue Bezirksjugendleitung zu wählen. Sie setzten auf die bewährten Kräfte. Vorsitzende Ute Braun und ihre Stellvertreterin Manuela Schneider wurden einstimmig wiedergewählt.  

Zuvor hatten die Mitglieder der Bezirksjugendleitung ihre Arbeitsbereiche vorgestellt oder die Zahlen des Haushalts transparent gemacht. Ausbildung zum Beispiel für Übungsleiter, Bildungsarbeit, Prävention gegen sexuell motivierte Übergriffe, Lehrtätigkeit, Sport im Strafvollzug, aber zum Beispiel auch die Begegnung mit jungen Sportlern in Japan finden sich im umfangreichen "Berichtsheft", das den Teilnehmern mit auf den Weg gegeben wurde. Die sportliche Jugendarbeit hat viele Gesichter, fängt schon im Elementarbereich, also bei den ganz Kleinen, an. 

Starke Tanzsportabteilung des TSV Grettstadt

Wie junge Leute sportlich in Bewegung bleiben, demonstrierte der TSV Grettstadt in einer "sportlichen Pause" eindrucksvoll. Die Tanzsportabteilung des TSV bereicherte die Veranstaltung mit zwei Showtänzen. Die jüngeren "United Fire Dancers" und die etwas älteren "Dance Pyromaniacs" wirbelten über die Bühne. Insgesamt besteht die Tanzsportabteilung aus 92 Mädchen, so Monika Fleischer. 

Das komplette Kontrastprogramm dazu war ein Impulsreferat von Yoga-Lehrerin Marion Kauppert. Nach dem Motto "Erfolg durch Achtsamkeit und Bewusstseinstraining" gab sie den Teilnehmern nicht nur Tipps zur Entschleunigung des stressigen Alltags mit auf den Weg, sondern lud auch ein zur gemeinsames Meditation und schenkte damit Zeit zum Durchatmen.  

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