RAUHENEBRACH/GEROLZHOFEN

Klage gegen das Großschutzgebiet

Der Verein „Unser Steigerwald“ soll gegen die Ausweisung eines Großschutzgebietes im Ebracher Forst Klage einreichen. Dies teilt der Verein in einer Presseerklärung mit. Einstimmig gaben über 300 anwesende Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung der Vorstandschaft diesen Auftrag. Nicht nur der Verein „Unser Steigerwald“ ist der Rechtsauffassung, dass die 775 Hektar Fläche nicht als „Geschützter Landschaftsbestandteil“ per Verordnung unter Schutz gestellt werden können, wie das der frühere Landrat Günther Denzler zum Ende seiner Amtszeit getan hat (wir berichteten).

Heinrich Thaler, stellvertretender Vorsitzender des Vereins, freute sich, dass der Saal brechend voll war. Der neue Landrat des Landkreises Haßberge, Wilhelm Schneider, bestätigte, dass „ich voll hinter dem Vereinszweck stehe“. Nichts solle gegen den Willen der Bevölkerung entschieden werden, aber als Landrat biete er auch an, den Steigerwald gemeinsam weiter zu entwickeln. „Wir wollen auch ein Zentrum haben“, meldete er die Ansprüche des Landkreises Haßberge im Rahmen der Nachhaltigkeitsregion an.

Auch der neue Bürgermeister Rauhenebrachs, Matthias Bäuerlein, sah in dem Abend ein starkes Zeichen für die Geschlossenheit der Region, zumal sowohl bisherige als auch neue Bürgermeister aus fast allen Kommunen der Umgebung anwesend waren. Er habe als Bürgermeister von Rauhenebrach einen klaren Auftrag, stellte er fest. Die Tatsache, dass ein Viertel der Rauhenebracher Bevölkerung Mitglied im Verein „Unser Steigerwald“ ist, zeige, dass das Motto für Rauhenebrach „Schützen durch Nützen“ lautet.

Oskar Ebert berichtete in seinem Tätigkeitsbericht als 2. Vorsitzender, dass der 2008 gegründete Verein inzwischen 3 425 Mitglieder hat. Dazu kommen 56 Organisationen, Verbände und Kommunen. Vorstandsmitglieder nahmen an zahlreichen Diskussionsrunden teil, standen Presse und Fernsehen Rede und Antwort und veranstalteten vier Informationsveranstaltungen „die alle proppenvoll waren, auch und vor allem in Ebrach“, so Ebert. Als große Gruppe besuchten Vereinsmitglieder den Waldbauerntag in Gaibach.

Intensiv habe die Vorstandschaft am Konzept des Steigerwaldzentrums in Handthal und im Netzwerk Steigerwald mitgearbeitet, so Ebert. Das Zentrum arbeitet bereits inhaltlich, während die Inneneinrichtung noch entsteht. Wie Gerhard Eck ergänzte, ist daran gedacht, im Verbund mit Handthal dem UBIZ Oberschleichach eine neue Rolle zukommen zu lassen.

Dass sich der Zweck des Vereins noch lange nicht erledigt hat, das zeigten die ständigen Aktionen des Bund Naturschutz, der das Ziel Nationalpark nicht aufgeben werde. Das zeige auch der Alleingang Landrat Denzlers, der im Handstreich eine Fläche von 775 Hektar als Landschaftsbestandteil unter Schutz gestellt habe, obwohl der entsprechende Paragraph im Naturschutzgesetz sich auf Einzelbäume, Hecken und eventuell Baumgruppen bezieht. Die Staatsregierung habe rechtliche Bedenken, hat diese auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Fahn deutlich gemacht.

Allerdings, so bestätigten in der Versammlung die Landtagsabgeordneten Steffen Vogel und Otto Hünnerkopf, scheine es auch in München, vor allem im Umweltministerium, Kräfte zu geben, die eher nicht einschreiten wollen. „Wir lassen uns das nicht bieten“, erklärte Staatssekretär Gerhard Eck. Steffen Vogel ergänzte: „Das ist grotten-rechtswidrig. Es ist ein klarer Verstoß gegen geltendes Recht – und das mit Ansage, denn das Landratsamt hat vorher im Ministerium nachgefragt.“ Paragraph 29 des Naturschutzgesetzes sei hier ganz klar missbraucht worden. Er warte gespannt auf die Reaktion der Staatsregierung darauf, wie ein Landrat hier über Staatseigentum verfügt hat.

Wichtig sei daher eine geschlossene Phalanx aller unter- und oberfränkischen Abgeordneten, aber auch der Kreistage. Vorsitzender Eck sieht jetzt auch die Verbände wie Bauernverband und Holzwirtschaft in der Pflicht. „Ich sehe das als Testballon dafür, was wir uns gefallen lassen“, erklärte Steffen Vogel. Die Mitglieder votierten anschließend einstimmig dafür, nicht auf Gegenmaßnahmen der Staatsregierung zu warten, sondern möglichst umgehend Klage einzureichen.

Durch vielfache Gutachten und Forschungsergebnisse sei mittlerweile nachgewiesen, dass der Artenvielfalt mit dem vom Verein favorisierten Trittsteinkonzept mehr gedient sei als mit einem Nationalpark, so Oskar Ebert. Und Otto Hünnerkopf ergänzte, dass die große Käfervielfalt des Steigerwaldes eben nicht in den Naturwaldreservaten, sondern im Wirtschaftswald gefunden wurde.

Bei den Neuwahlen bestätigten die Mitglieder von „Unser Steigerwald“ die drei Vorsitzenden Gerhard Eck, Oskar Ebert und Heinrich Thaler sowie als Schriftführer Bürgermeister Siegfried Ständecke (Stellvertreter ist Werner Ach) in ihren Ämtern. Neuer Kassenführer ist Hans Walter Schmalzbauer, sein Stellvertreter bleibt Albrecht Ruß. Den Beirat bilden Bürgermeister Josef Mend, Klaus Merkel, Hermann Hotz, Bürgermeister Ernst Nickel, Bürgermeister Thomas Sechser, Bürgermeister Matthias Bäuerlein, Bürgermeister Thorsten Wozniak und der Abgeordnete Steffen Vogel.

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