GRAFENRHEINFELD

Klage soll AKW-Rückbau sicherer machen

In der Rückbauphase befindet sich das stillgelegte Atomkraftwerk Grafenrheinfeld. Atomkraftgegner halten den eingeschlagenen Weg nicht für sicher genug und klagen gegen die Genehmigung. Rechts im Bild das atomare Zwischenlager Bella, Foto: Anand Anders

„Seid ihr verrückt?“ Das hört die Anti-Atomkraft-Aktivistin Babs Günther immer wieder, seit bekannt ist, dass der Bund Naturschutz (BUND) gegen die Rückbaugenehmigung des AKW Grafenrheinfeld klagt. „Wir wollen Verbesserungen erreichen“, sagt sie zu den Motiven.

Bei einer Veranstaltung in der Disharmonie haben die Kritiker ihr Vorgehen nun öffentlich und ausführlich erklärt. Wie BUND-Kreisvorsitzender Edo Günther (Gochsheim) erläuterte, gehe es darum, beim vor einigen Wochen angelaufenen Abriss mehr Sicherheit, Transparenz und gleichzeitig eine Minimierung der Strahlenexposition zu erreichen. Denn mit den Grundlagen, nach denen die Behörden die Rückbaugenehmigung erteilt haben, sind die Atomkraftgegner keinesfalls zufrieden.

Keine Arbeiten im Herz der Anlage

Eine zentrale Forderung ist der Grundsatz, dass es keine Abbauarbeiten geben dürfe, solange noch Brennelemente im Nasslager des Sicherheitsbereichs gekühlt werden. Der letzte Castor-Behälter mit verbrauchtem Brennstoff soll nach Angaben des Betreibers 2022 ins benachbarte Zwischenlager Bella gebracht werden. Aber bereits jetzt, so Rechtsanwalt Ulrich Wollenteit (Hamburg), werde im Herzstück der Anlage am Rückbau gearbeitet. Für ihn ein „schwerwiegendes Sicherheitsrisiko“.

Den Knackpunkt der Klage sieht der Jurist in einer fehlenden Sicherheitsüberprüfung gegen Auswirkungen von außen – etwa durch einen Flugzeugabsturz oder einem terroristischen Angriff. Die Genehmigung für den Rückbau verweise „in einem Satz“ auf die Prüfungen, die für die Baugenehmigung des AKW in den 1970-er Jahren durchgeführt worden seien. Wollenteit argumentiert so: Durch den Rückbau werde die Anlage ständig verändert und geschwächt. Deswegen brauche es stetige Sicherheitsüberprüfungen. Es sei völlig unverständlich, dass dieser Aspekt bei der Genehmigung nicht berücksichtigt worden sei.

Jurist kritisiert „Salamitaktik“

Wollenteit bezeichnet das Vorgehen von AKW-Betreiber Preussen-Elektra als „Salamitaktik“, das Verfahren in Einzelprojekte aufzuspalten. So sei die Baugenehmigung der Bereitstellungshalle (BeHa) für schwach- und mittelradioaktive Stoffe, die beim Abriss anfallen, nicht Teil der Rückbaugenehmigung. Dagegen müsse man das Projekt stets in seiner Gesamtheit bewerten, sagte der Jurist. Deswegen klagt der BUND auch gegen die BeHa-Baugenehmigung.

Dass die Betriebsgenehmigung mit ihren dortigen Emissionswerten für radioaktive Stoffe trotz Stilllegung und Rückbau weiter gültig ist, kritisiert Wollenteit ebenso wie das Freigabekonzept für verstrahlte Bauteile, die in handliche Stücke zerkleinert, gesäubert und freigemessen werden sollen. Das sind nur einige der Kritikpunkte, die der BUND in einem dreiseitigen Thesenpapier zusammengefasst hat.

Weist Klage gegen Isar 1 den Weg?

Wollenteit vertritt den BUND auch bei der Klage gegen den Rückbau des AKW Isar 1 bei Ohu (Lkr. Landshut). Im Oktober könnte es zur ersten mündlichen Verhandlung im Eilverfahren kommen. Möglicherweise ist der Ausgang auch ein Fingerzeig für Grafenrheinfeld. Doch wie Edo Günther verdeutlichte, geht es den hiesigen Atomkraftgegnern nicht nur um einen möglichen juristischen Erfolg. Sondern die Klage sei Teil der weiterhin erforderlichen „politischen Lobby-Arbeit“, um bei den Forderungen zum Rückbau weiterzukommen.

In Grafenrheinfeld werde auch nach dem für 2033 geplanten Abbauende keine „grüne Wiese“ übrig bleiben, wie es das bayerische Umweltministerium verlauten ließ. Das Zwischenlager für hochradioaktive Brennelemente (Bella), das eine Betriebsgenehmigung bis 2046 besitzt, werde dann ebenso vorhanden sein wie wahrscheinlich auch die Lagerhalle für schwach- und mittelradioaktive Stoffe (BeHa). Für letztere ist der Schacht Konrad bei Salzgitter als Endlager vorgesehen. Wie Ursula Schönberger berichtete, laufen die Planungen seit Jahrzehnten. Der Probebetrieb werde nicht vor 2027 erwartet.

Fehlendes Vertrauen

Der Redebeitrag von Schwebheims Altbürgermeister Hans Fischer (SPD) erklärt eines der Grundprobleme der Auseinandersetzung: fehlendes Vertrauen in Preussen-Elektra und die Behörden. Das Verfahren zeige, so Fischer, dass „die staatlichen Gremien gegen uns arbeiten“. Gerade in der Rückbauphase müsse für die Genehmigungsbehörden das Wohl der Bürger an erster Stelle stehen.

Rückblick

  1. KKG Grafenrheinfeld: Zwischenlager ist jetzt in Bundeshand
  2. Aus für AKW-Andachten
  3. Knoblach will Werksfeuerwehr erhalten
  4. Jahresrückblick: Rückbau des AKW hat begonnen
  5. Schleierhaftes Plädoyer für die Atomkraft
  6. Mauerbau am Zwischenlager in Grafenrheinfeld
  7. Preussen-Elektra wirbt um Vertrauen
  8. Klage soll AKW-Rückbau sicherer machen
  9. Bund Naturschutz klagt gegen AKW-Abriss
  10. Energiesparen im AKW Grafenrheinfeld
  11. KKG-Rückbau: Die Kühltürme fallen erst nach 2033
  12. Rückbau im KKG: Was dieses Jahr konkret geplant ist
  13. BN klagt gegen Rückbau-Genehmigung für das KKG
  14. AKW-Rückbau: Kritiker warnen vor Niedrigstrahlung
  15. AKW-Rückbau: Kritiker sorgen sich um strahlenden Bauschutt
  16. Im AKW beginnt der Rückbau
  17. Unbehagen nach Abrissplänen für AKW–Türme
  18. Der Fall der Kühltürme weckt wenig Emotionen
  19. Werden Kühltürme schon 2019 gesprengt?
  20. Informieren statt Ignorieren
  21. Atomrisiko: Zwischenlager laut BUND vor Terrorangriffen nicht geschützt
  22. Rückblick 2017: AKW - Transparenz beim Rückbau
  23. Infotag zum Rückbau des KKW Grafenrheinfeld
  24. Atomkraftgegner: „Erlebnistag im Kindergarten“
  25. Erfahrungen der „Atomstadt“ Philippsburg mit dem Ausstieg
  26. Wie man ein AKW abbaut
  27. Grafenrheinfeld sagt nein zu „Beha“
  28. Opfern der Atomnutzung gedacht
  29. Scheuring nimmt Abschied vom Atomkraftwerk
  30. Scheuring nimmt Abschied vom Atomkraftwerk
  31. Atomkraftwerk: 2035 alles weg?
  32. Atomkraftwerk: Reinhold Scheuring gibt Leitung ab
  33. Atomkraftwerk Grafenrheinfeld nach Alarm geräumt
  34. Firma KL: Für und Wider des Atomausstiegs
  35. BA-BI will Klage unterstützen
  36. Atomkraftwerk: 330.000 Tonnen Material werden bewegt
  37. Atomkraftwerk-Rückbau: Betreiber sucht Gespräch
  38. Jahresrückblick: Massiver Streit um AKW-Rückbau
  39. Atommüll ist eine Generationenfrage
  40. Atommüll mitten in der Wüste von New Mexico
  41. Atommüll mitten in der Wüste von New Mexico
  42. Atomares Zwischenlager für 100 Jahre?
  43. BA-BI sucht neuen Vorsitzenden
  44. Umweltaktivist nennt Zwischenlager eine „Lagerhalle“
  45. Atommüll-Tagung über Lager-Möglichkeiten
  46. Ministerium saß auf der falschen Seite
  47. KKG-Rückbau: Sennfelder enttäuscht von Erörterungstermin
  48. SWAB übt heftige Kritik an AKW-Erörterung
  49. Akw-Rückbau: BA-BI will klagen
  50. Vorwurf: AKW-Erörterung eine Augenwischerei

Schlagworte

  • Grafenrheinfeld
  • Josef Schäfer
  • Atomkraftgegner
  • Atomkraftwerk Grafenrheinfeld
  • Babs Günther
  • Brennelemente
  • Edo Günther
  • Hans Fischer
  • Juristen
  • SPD
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!