Schweinfurt

Klimawandel: Im Stadtwald ist die Fichte der Hauptverlierer

So sieht er aus, der Borkenkäfer, der landesweit über die Fichtenbestände hereingebrochen ist und sich seit 2018 massenhaft vermehrt hat. Im Schweinfurter Stadtwald müssen heuer 4000 Festmeter Schadholz gefällt werden. Foto: Matthias Hiekel

Auch am Stadtwald geht der Klimawandel nicht spurlos vorüber. Im Vergleich zu anderen Forstbetrieben in Unterfranken sind die Schäden aber noch "relativ überschaubar", was im Wesentlichen am hohen Laubholzanteil, insbesondere dem hohen Anteil an Eiche liegt. Hauptleidtragende Baumart ist die Fichte. Dieses Resümee zog der Leiter des städtischen Forstamtes, Florian Haensel, vor dem Bau- und Umweltausschuss.

Im Schnelldurchlauf präsentierte er den Waldbericht 2019, mit Istzustand, Prognose und Perspektiven. Blickt man auf Letzteres zuerst, kann man dem fortschreitenden Klimawandel nur mit zwei Maßnahmen begegnen: den Wald mehren und den bestehenden Wald stabiler aufstellen. Verbesserungen im Hinblick auf die Klimatoleranz finden laut Haensel bereits in der laufenden Bewirtschaftung Berücksichtigung. Was neue Aufforstungsprojekte jedoch angeht, sei erst einmal die Politik gefordert. Denn hier seien Interessenskonflikte zwischen Eigentümern, Landwirten, Gewerbetreibenden und Naturschutz zu lösen.

Forstamtsleiter Florian Haensel: "Wir knabbern an unseren Reserven."

Zum Istzustand: Schweinfurt besitzt 1230 Hektar Wald und zusätzlich 526 Hektar von der Hospitalstiftung. Das Laubholz dominiert, vor allem in den alten und jungen Beständen. Nadelholz findet sich im Wesentlichen in den mittleren Altersklassen (20 bis 50 Jahre) und sichert den regelmäßigen Ertrag. Doch aufgrund von Klimawandel, schwindenden Reserven und schlechten Holzpreisen werde das immer schwieriger, so Haensel.

Das Nadelholz ist aktuell ein großes Sorgenkind wegen der Massenvermehrung des Borkenkäfers. Wurden in den letzten Jahren jährlich insgesamt rund 1500 Festmeter Fichte eingeschlagen, so sind es in diesem Jahr 6000 Festmeter, 4000 Festmeter davon ausschließlich Schadholz. Der dafür zu erlösende Preis decke gerade noch die Aufarbeitungskosten, so Haensel. Zum Vergleich: Bislang erlöste die Stadt beim Fichtenholz 90 Euro pro Festmeter, jetzt sind es 35 Euro. Da sei man froh, dass die Kunden das Käferholz zeitnah aus den Wald fahren. Müsste man das selbst tun, wäre die Bilanz noch schlechter. Nicht nur die negativen Auswirkungen auf die Einnahmen aufgrund des Schadholzüberangebots machen dem Forstmann Sorgen, sondern vor allem der kalamitätsbedingte Mehreinschlag im Nadelholz: "Hier knabbern wir an unserem Sparschwein."

"Seltene Baumarten" verkraften die Klimabedingungen besser

Das Laubholz ist in einem besseren Zustand, muss aber gut beobachtet werden. Eiche und Buche sind geschwächt und der Esche droht ob einer Pilzkrankheit der schleichende Totalausfall. Die "Seltenen Baumarten" Hainbuche, Feldahorn, Speierling und Elsbeere dagegen kommen mit den klimatischen Bedingungen vergleichsweise gut zurecht. Der Forstbetrieb will deshalb künftig im Stadtwald weiterhin auf einen hohen gemischten Laubholzanteil setzen und dabei besonders die "Seltenen Baumarten" berücksichtigen.

Haensels Prognose für die Zukunft: Bedingt durch den Klimawandel erhöhen sich die Ausgaben für den Waldschutz, während sich gleichzeitig die Einnahmen wegen des Schadholzüberangebots und des schlechten Holzmarktes verringern. Perspektivisch setzt der Fachmann auf Aufforstungsprojekte, um den Wald zu mehren. Mögliche Flächen auf städtischer Gemarkung und in städtischem Eigentum gibt es an der Victory Schießlanlage und in Oberndorf. 

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