Schweinfurt

Kommentar zum Ankerzentrum: (K)ein Hort der Hoffnungslosigkeit?

Als die Kommunalpolitiker der Region Schweinfurt vor 15 Monaten aus den Medien erfuhren, dass Bayerns Innenminister Joachim Herrmann der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Schweinfurt und der Gemeinschaftsunterkunft in Geldersheim noch ein "Anker"-Zentrum für Migranten mit schlechter "Bleibeperspektive" hinzufügen wollte, war der Widerstand groß. Viele sahen darin einen Hotspot der Hoffnungslosen, in dem es zu Frust, Verzweiflungstaten und Gewaltausbrüchen kommen musste.   

Als mehr Konversionshilfen versprochen wurden und dass dieses Zentrum im Grunde nichts anderes sei als eine Erstaufnahme, nur mit schnellerer Bürokratie für die Bewohner, stimmten Stadt, Landkreis und Gemeinden doch zu. Heute, nach einem Jahr "Anker"-Zentrum, lässt sich sagen, dass die schlimmsten Befürchtungen, hier würden Verzweifelte  zusammengepfercht, nicht eingetroffen sind. Dies, obwohl von ihnen fast alle aus afrikanischen Staaten kommen und eine sehr schlechte Bleibeperspektive haben. 

Das dürfte aber vor allem daran liegen, dass der Migrantenzustrom abgeebbt und die Einrichtung nur zur Hälfte belegt ist. Inhumane Zustände herrschen hier sicher nicht. Andererseits sind die Bewohner zum Nichtstun verdammt, müssen abwarten, was mit ihnen geschieht und können so bis zu 24 Monate in dieser Sammeleinrichtung zubringen müssen. Was das mit ihnen macht, lässt sich ein Jahr nach dem Start noch nicht sagen. Dafür ist ein Jahr zu kurz. Das gilt auch für die Bewertung, ob "Anker"-Zentren wirklich zu schnelleren Entscheidungen über Bleiben oder Abschiebung führen. 

Wenn aber ein "Anker"-Zentrum nichts anderes sein soll als die Erstaufnahme plus zuständige Behörden vor Ort, fragt sich, warum die Staatsregierung diesen sehr sinnvollen Service nicht in der bestehenden Struktur eingerichtet hat, sondern dazu unbedingt "Anker"-Zentren braucht, deren verheerender Ruf ihnen vorausgeeilt ist.  

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