BERGRHEINFELD

Konverter-Standort und Südlink bewegen die Gemüter

Ihren Unmut zur geplanten Stromtrasse und der Konverterhalle zeigten Mitglieder der Bergrheinfelder Bürgerinitiative gegen Südlink und Folgeprojekte vor der Gemeinderatssitzung im Zehnthof.
Ihren Unmut zur geplanten Stromtrasse und der Konverterhalle zeigten Mitglieder der Bergrheinfelder Bürgerinitiative gegen Südlink und Folgeprojekte vor der Gemeinderatssitzung im Zehnthof. Foto: Horst Fröhling

Informationen über die geplante Gleichstromtrasse Südlink von Wilster (bei Hamburg) nach Grafenrheinfeld oder besser zum neuen Umspannwerk „Bergrheinfeld-West“ und mögliche Standorte für eine Konverterhalle waren Themen in der Gemeinderatssitzung.

Gekommen waren neben den Referenten Thomas Wagner (Tennet-Referent für Bürgerbeteiligung), Alexandra Schmidt, (Tennet-Mitarbeiterin für Genehmigungsmanagement beim Netzausbau) und Marc Born (Büro Froelich & Sporbeck für Umweltplanung) auch rund 30 Mitglieder der Bergrheinfelder Bürgerinitiative gegen Südlink und Folgeprojekte.

„Wir beginnen wieder bei null“, sagte Wagner über die Pläne für die Hochspannungs-Gleichstromtrasse von Wilster zum künftigen Netzverknüpfungspunkt Bergrheinfeld-West. Der Gesetzgeber habe diesen Bedarf bestätigt, mit der Änderung, dass die Erdverkabelung zu 100 Prozent Vorrang habe. Im Herbst lägen die Planungskorridore vor. Am Anfangs- und Endpunkt müsse der Wechselstrom in Gleichstrom umgewandelt werden. Dafür seien zwei Konverterhallen notwendig.

Darüber seien Voruntersuchungen gemacht worden, über deren Ergebnisse mit potenziellen Standorten der Gemeinderat jetzt informiert wurde. Für diese Konverterhalle, so Alexandra Schmidt, werde ein Gelände mit sieben Hektar Größe gesucht, idealerweise mit den Abmessungen von 230 auf 300 Meter.

Eine Konverterhalle sei maximal 20 Meter hoch und hätte die Ausmaße von etwa 100 auf 50 Meter.

Nach der Umwandlung werde der Wechselstrom in das vorhandene 380-KV-Höchstspannungsnetz eingespeist. Das geschehe beim sogenannten Netzverknüpfungspunkt im neuen Umspannwerk Bergrheinfeld-West, denn hier sei keine Unterquerung des Mains erforderlich.

Wichtigstes Kriterium bei der Standortsuche für den Konverter sei, dass er möglichst nahe an den vorhandenen Netzverknüpfungspunkten liegt, erklärte Marc Born. Für die Voruntersuchungen seien deshalb zunächst Kreise mit einem Zehn-Kilometer-Radius um die Netzverknüpfungspunkte gezogen worden. Innerhalb der beiden größtenteils deckungsgleichen Flächen seien in mehreren Planungsschritten nach Ausschluss-, Rückstellungs- und Vorsorgekriterien dann mögliche Standorte für die Konverterhalle eingegrenzt worden.

Grund im „Felsenhof“ gekauft

Geprüft worden sei dazu ein umfangreicher „Steckbrief“, sogenannte Abwägungskriterien. Dazu gehören der Abstand zu bewohnten Bereichen (250 bis 500 Meter), die Verfügbarkeit, die Entfernung zum Netzverknüpfungspunkt, zu Schutzgebieten und Natura-2000-Gebieten oder artenschutzrechtlichen Belange. Übrig geblieben seien 40 mögliche Standortflächen, die größtenteils südwestlich des Mains liegen.

Gefunden worden seien im Gemeindebereich von Bergrheinfeld zwei mögliche Standorte, erläuterte Born. Eine Fläche liege zwischen der A70 und der B 26 (Flurnamen „Eschenau“). Hier hätten die Eigentümer in einem Vorgespräch bereits kategorisch abgelehnt. Die zweite liege im Bereich des „Felsenhofes“. Diesen Aussiedlerhof hat Tennet bereits erworben und ist dort im Besitz von 26 Hektar Grund. Dieser Bereich sei auch als spätere Tauschfläche bei einer Standortsuche möglich, ergänzte Schmidt.

„Sind diese Abwägungskriterien wirklich gleich gewichtet?“ fragte zweiter Bürgermeister Dieter Wagner. Alle möglichen Standorte würden gleichwertig berücksichtigt und geprüft, auch der Felsenhof. Dieser werde so geprüft, als ob er nicht direkt neben dem künftigen Netzverknüpfungspunkt liegen würde.

Im Gesetz stehe, der künftige Netzverknüpfungspunkt solle entlastet werden und ob dies jetzt mit dem möglichen Standort Felsenhof erledigt sei, wollte der zweite Bürgermeister noch wissen. Dies werde ernst genommen, antwortete Tennet-Vertreter Thomas Wagner. Alternativen würden aufgezeigt. Es liege dann am Gesetzgeber, entsprechende Varianten zu berücksichtigen.

Zweifel an der Glaubwürdigkeit

Keinen Hehl machte Gemeinderat Klaus Eusemann daraus, dass er sich von Tennet getäuscht fühlt und er aufgrund der bisherigen Erfahrungen an der Glaubwürdigkeit von Tennet zweifle. Erst sei es nur um den Bau des neuen Umspannwerkes gegangen, dann sei die Zufahrtsstraße verbreitert worden und jetzt komme die Konverterhalle wieder ins Gespräch. Außerdem habe der Gemeinderat einstimmig den Südlink abgelehnt.

„Uns ist es egal, wohin wir den Konverter bauen“, so Thomas Wagner. Nähe spare Freileitungen. Auf Nachfrage erklärte er, dass Tennet mit keinem Eigentümer der anderen sechs Flächen im Gespräch sei.

Bis es zu einem möglichen Bau kommt, gebe es noch die gesetzlichen Vorgaben, erklärte Bürgermeister Peter Neubert. Als nächsten Termin, bei dem die Bürger ihre Einwendungen, nannte Neubert den 22.Juni.

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