SCHWEINFURT

Kranker Tobias: Therapie gibt Hoffnung

Ein Bild aus gesunden Tagen: Tobias Weigand.
Ein Bild aus gesunden Tagen: Tobias Weigand. Foto: FOTO Weigand

(li/kwi) Seit Anfang Mai ist der kleine Tobias zu Hause. Dank der Chemotherapie konnte seine schwere Krankheit Hämophagozytische Lymphohistiozytose, kurz HLH, zwar zum Stillstand gebracht werden, sie hat aber erhebliche Schäden in seinem Gehirn hinterlassen. Das schreibt Jürgen Lindemann vom Freundeskreis, der die Familie Weigand seit Monaten unterstützt.

Viele Nachfragen zeigen, dass die Menschen der Region noch immer Anteil am Schicksal von Tobias nehmen, der inzwischen vier Jahre alt geworden ist. Deswegen hat Jürgen Lindemann in Absprache mit den Eltern eine ausführliche Pressemitteilung verfasst. Tobias wurde nach Eindämmung der HLH von der Uniklinik Erlangen in das Behandlungszentrum Vogtareuth in der Nähe von Rosenheim verlegt. Die Klinik hat sich auf die neurologische Kinderrehabilitation spezialisiert. Rund sieben Wochen lang wurden die Medikamente eingestellt, bekam Tobias Krankengymnastik.

In Absprache mit den Ärzten entschloss man sich Anfang Mai, Tobias nach siebenmonatigem Klinikaufenthalt nach Hause zu entlassen. Diese Entscheidung konnte, so Jürgen Lindemann, mit gutem Gewissen getroffen werden. Jürgen Weigand ist Arzt, Ruth Tellert-Weigand Krankenschwester. Die beiden werden von Freunden und Therapeuten unterstützt: neben der Sozialstation und der Kinderärztin zwei Physiotherapeutinnen, ein Osteopath, eine Heilpraktikerin und eine Shiatsupraktikerin.

Tobias muss rund um die Uhr medizinisch betreut werden. Seine Blutwerte werden kontinuierlich überwacht, denn eine erneute Viruserkrankung kann die HLH wieder auslösen. Daneben führen Eltern und Freunde die neurologische Rehabilitation weiter. Mit der so genannten Doman-Therapie sollen gesunde Gehirnareale durch Sinnesreize animiert werden, die Aufgaben der geschädigten Regionen zu übernehmen. Die Therapie ist harte Arbeit, bis zu acht Stunden täglich muss mit Tobias geübt werden.

Erfahrungen in den USA zeigen, dass sich die Mühe lohnen kann und weiterhin Grund zur Hoffnung besteht. Die Doman-Therapie wird dort seit vielen Jahren betroffenen Familien gelehrt, die sie dann bei hirngeschädigten Angehörigen anwenden, beispielsweise nach Hirnhautentzündung, Unfällen, Zwischenfällen bei der Geburt, bei Down-Syndrom, Autismus, Krampfleiden.

Allerdings reichen diese Erfahrungen nicht für eine Anerkennung durch die Krankenkassen in Deutschland aus. Mitte Juni wird die Familie nach Philadelphia reisen und dort eine speziell auf Tobias zugeschnittene Therapie erlernen. Mit dabei auch eine Krankenschwester der Caritas Sozialstation, die sich während der Elternschulung um Tobias kümmern wird. Ein weiteres Ziel ist, den gesundheitlichen Zustand von Tobias soweit zu verbessern, dass eine Stammzellentransplantation möglich wird. Diese Therapie ist nach den derzeitigen Erkenntnissen die einzige Möglichleit, die HLH dauerhaft zu bekämpfen, schreibt Jürgen Lindemann. Kürzlich konnte Tobias auf einem Reiterhof bei Obbach seine erste Reittherapiestunde nehmen. Auch wenn er sich nicht selbst auf dem Pferd halten könne, habe diese erste Stunde doch deutlich gezeigt, dass auch diese tiergestützte Ergotherapie seiner Genesung helfen könne.

Außerdem gibt es noch eine gute Neuigkeit aus der Stammzellspenderdatenbank. Wie die DKMS den Organisatoren der Typisierung vom Januar in Schweinfurt mitteilte, brachte die Aktion inzwischen eine erste Stammzellspenderin hervor. Dank der Spende der 28-jährigen Maria Müller aus Gochsheim könne eine 48-jährige Leukämiepatientin aus den USA auf Heilung hoffen. Maria Müller hat die Spende, die einer Dialyse ähnelt, nach eigenen Angaben sehr gut vertragen und den Schritt, sich typisieren zu lassen und dann einer ihr vollkommen unbekannten Frau zu helfen, nicht bereut.

Online-Tipp

Weitere Infos: www.tobias-weigand.de

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