Schweinfurt

Kreis Schweinfurt: Hühner mit Luftgewehr gegen Adler verteidigt

Ein abgerichteter Adler hat für Aufruhr unter Perlhühnern gesorgt. Da griff der Hühnerhalter in seiner Not zu einer Waffe - und das hatte ein gerichtliches Nachspiel.
Ein Adler (Symbolbild) versetzte einen Stall voller Perlhühner in Angst und Schrecken - und deren Besitzer schoss mit einem Luftgewehr auf den "Riesenvogel". Die Sache landete vor dem Amtsgericht. Foto: Wolfgang Thieme/dpa

Am ersten Sonntag im Dezember letzten Jahres, gegen 15 Uhr, machen die Perlhühner in ihrem Gehege  in einem Dorf im südlichen Landkreis Schweinfurt plötzlich Rabatz. Das ist ungewöhnlich, normalerweise sind sie ruhig. Der Hühnerhalter (52) läuft über die Straße, um nachzusehen - und erkennt sofort den Grund für die Unruhe: Ein "Riesenvogel" sitzt auf auf dem Vogelschutznetz, das in zwei Meter Höhe über den Hühnerstall gespannt ist, und sorgt für Panik unter dem Federvieh.   

"Was mach' ich jetzt?"

Der 52-jährige Hausmeister versucht, den Riesenvogel durch Rufen und Bewegungen zu vergrämen, doch den beeindruckt das überhaupt nicht. "Was mach' ich jetzt?", fragt der Hühnerhalter, läuft zurück ins Haus und holt sein 20 Jahre altes Luftgewehr heraus. Er schießt zunächst ohne Munition. Das macht nur ein "Patsch"-Geräusch, das der bedrohlich auf dem Netz über den Perlhühnern sitzende große Vogel aber ebenfalls ignoriert.

Da lädt der Mann die Druckluftwaffe und schießt mit einem Bleikügelchen in Richtung des "Riesenvogels". Der bleibt aber immer noch sitzen. Schließlich kommt ein Jäger aus der Nachbarschaft um die Ecke, fragt den Hühnerhalter, ob er seinen Vogel gesehen hat und lockt das Tier schließlich mit einem Stück Fleisch vom Hühnerstall und dem Gelände des Hausmeisters weg.

Der "Riesenvogel" ist ein Adler

Der 52-Jährige gibt auf die Frage des Jägers sofort zu, dass er einmal auf den Vogel geschossen hat. Dessen Besitzer kündigt an, er werde ihn anzeigen, und so geschieht es auch. Der Hausmeister erhebt Einspruch gegen einen Strafbefehl und muss sich deshalb in Schweinfurt vor dem Amtsrichter verantworten. Ihm wird "quälerische Tiermisshandlung" und unerlaubtes Führen einer Schusswaffe vorgeworfen. Letzteres nur, weil er mit dem Luftgewehr über eine öffentliche Straße gelaufen ist.

Erst von dem Besitzer des "Riesenvogels" erfährt der Schütze, dass es sich bei dem Tier um einen Adler handelt. Laut Anklage ist der Greifvogel, der sich so für die Perlhühner des Hausmeisters interessiert hatte, zur Beizjagd abgerichtet. Der Falkner war mit seinem Adler beim Tierarzt, der aus diesem tatsächlich eine Luftgewehrkugel herausoperierte. Der abgerichtete Greifvogel hat die OP gut überstanden, und der Angeklagte die Arztrechnung über 370 Euro längst beglichen.      

600 Euro fürs Tierheim

Wie aber ist die Tat rechtlich zu bewerten? Tatsächlich als Tierquälerei? Der Angeklagte habe seine Hühner vor einem großen Greifvogel schützen wollen, sagt der Richter. Es könnte demnach ein "rechtfertigender Notstand" vorliegen, der es dem Mann erlaubt, durch den Luftgewehreinsatz ein anderes Rechtsgut - seine in ängstlicher Aufruhr befindlichen Perlhühner - zu schützen. Dann wäre der Luftgewehrschuss straffrei. Den Verstoß gegen das Waffenrecht bekomme man aber nicht weg.

Richter und Staatsanwältin sehen die Möglichkeit, das Strafverfahren einzustellen, zumal der Hausmeister ja nicht aus Jux und Tollerei auf den Adler angelegt hatte, sondern weil dieser einfach nicht von seinen Hühnern ablassen wollte. Der Angeklagte ist mit der entschädigungslosen Einziehung seines Luftgewehrs und einer Geldauflage von 600 Euro einverstanden. Die bekommt der Tierschutzverein in Schwebheim, und der Adler ist ja längst wieder wohlauf.

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