Euerbach

Kreis Schweinfurt: Mehr Wohnmobile, mehr Stellplätze

Der Boom der Reisemobil-Branche verlangt auch mehr Ver- und Entsorgungsanlagen – die Gemeinden im Landkreis ziehen mit.
Am Sportplatz in Euerbach hat die Gemeinde vor kurzem einen Wohnmobilstellplatz mit Ver- und Entsorgungsanlagen errichtet. Foto: Silvia Eidel

Urlaub im eigenen Wohnmobil wird immer beliebter, die Reisemobil-Branche boomt wie nie. Das spüren auch Gemeinden im Landkreis Schweinfurt, die immer öfter eigene Stellplätze für die rollenden Ferienhäuser schaffen. Und das spürt auch der Hersteller von Ver- und Entsorgungsanlagen solcher Plätze mit Sitz in Schwebheim, "Freizeit Reisch".

Mehr als eine halbe Million Wohnmobile, genau 532 000, sind derzeit in Deutschland unterwegs, dazu noch 674 000 Caravans. Und es werden immer mehr: Zwischen Januar und September wurden 47543 Reisemobile neu zugelassen, eine Steigerung von 15,9 Prozent, wie sie die Statistik des Caravaning Industrie Verbands Deutschland (CIVD) ausweist.

Der Bedarf an Stellplätzen ist groß

Wohnmobilisten sind meist ältere Menschen, weiß Gerhard Müller aus Obbach, Vorsitzender des "Campingclub Schweinfurt und Umgebung" mit seinen knapp 90 Mitgliedern, Wohnmobil- und Wohnwagenfans. Während jüngere Fahrer und Familien gerne längere Zeit an einem Ort sind und daher den Campingplatz bevorzugen, wechseln ältere häufiger den Stellplatz oder machen Kurzurlaub. Der Bedarf an Stellplätzen sei jedenfalls groß.

"Für ein bis drei Tage reicht in der Regel der Strom", sagt Müller, dann müsse man sich eine Stelle suchen, wo es Strom und Frischwasser gebe und wo der Fäkalientank entsorgt werden könne. Wenn man länger bleibe, brauche man eine Dusche, also einen Campingplatz. Im Vergleich zu dortigen Tagesgebühren von 20 Euro aufwärts seien Stellplätze mit drei bis zehn Euro für Wohnmobilisten preiswerter.

Keine festen Ruhezeiten, keine geschlossenen Schlagbäume

"Wir lassen uns schwer festbinden", meint der Niederwerrner Gerhard Reisch, Gründer und stellvertretender Vorsitzender des Vereins "Wohnmobilfreunde Schweinfurt" mit etwa 40 Mitglieds-Fahrzeugen. Deshalb bevorzuge er Stellplätze. Denn feste Ruhezeiten oder geschlossene Schlagbäume, wie es sie in der Regel auf Campingplätzen gibt, das sei nichts für ihn, meint der fitte 80-Jährige.

Reisch ist außerdem auch Entwickler und Hersteller von Strom- und Wassersäulen sowie Entsorgungsanlagen. Daher erfährt er hautnah, dass immer mehr Stellplätze für Wohnmobile angelegt werden. "Gerade wurde ein großer Platz in Radolfzell am Bodensee mit unseren Anlagen eröffnet", erzählt er.

Reisch hat früher Warmwasser-Heizungen für Reisemobile vertrieben. Als vor 20 Jahren die Toiletten in den Reisemobilen verboten werden sollten – weil viele einfach in den Straßengräben entsorgt wurden – fing er an, Entsorgungsstationen zu konstruieren und zu bauen. "Wohnwagen Knaus in Ochsenfurt ist damals mitgezogen und hat die Händler animiert", erinnert er sich. Mittlerweile baut seine Firma in Schwebheim etwa 100 solche Stationen pro Jahr plus Strom- und Wassersäulen.

Euerbach: 100 Liter Frischwasser für einen Euro

In der Region hat er jüngst in Euerbach im Auftrag der Gemeinde den Wohnmobilstellplatz am Rand des Dorfes am Sportplatz ausgerüstet. Die vier Stellplätze bietet die Gemeinde kostenfrei, ebenso die Entsorgung der Fäkalien. Die zwei Versorgungssäulen mit je vier Strom- und Wasseranschlüssen sind gebührenpflichtig mit Münzeinwurf. 100 Liter Frischwasser kosten einen Euro, ein Kilowatt Strom 50 Cent.

"Wir haben immer wieder Anfragen wegen Wohnmobil-Übernachtungen", erklärt Bürgermeister Arthur Arnold, "auch aus der nächsten Umgebung". Das Thema sei einfach präsent, auch im Nachbarort Niederwerrn gebe es am Festplatz längst einen Stellplatz, den die "Wohnmobilfreunde" kostenfrei betreiben.

"Wir unterstützen damit auch die Gastronomie am Sportplatz", meint er zum aufgerüsteten Wohnmobilplatz. Gleichzeitig konnte die Kommune mit der Errichtung der Stellplätze die Fläche am Sportplatz ordnen.

Der Platz steigere die Attraktivität des Ortes, er sei ein kleiner Beitrag zum Tourismus. "Wir machen damit auf positive Weise auf Euerbach aufmerksam, mit unseren kulturellen Angeboten, dem historischen Rundweg oder der Radwegeanbindung", meint er.

Der Tourismus wird angekurbelt

Dass die Gemeinden viel für die Wohnmobilisten tun, bestätigt Gerhard Reisch. Beispielsweise mainaufwärts, in Grafenrheinfeld, Röthlein, Garstadt, Wipfeld oder Volkach gebe es Stellplätze. "In Obereisenheim kostet die Gebühr pro Nacht zehn Euro, drei Euro bekommt man zurück, wenn man beim Winzer einkauft oder isst", hat er erlebt. "Damit wird der Tourismus angekurbelt." Oft bieten auch Gasthöfe selbst solche Stellplätze: etwa in Hambach die "Goldene Flasche", in Bergrheinfeld das "Weiße Roß" oder in Rütschenhausen das "Frankentor".

Mit seinen Wohnmobilfreunden genießt Reisch auch im Ausland die große Freiheit unterwegs. Für den Europäischen Motorhome Club (EMHC) fungiert er zudem als Reiseleiter. "Ich war mal in Finnland, und morgens habe ich draußen was rascheln gehört", erzählt er begeistert. "Als ich die Gardine weggeschoben habe, standen dort Rentiere. Das ist ein Gefühl", schwärmt er, "einfach unbeschreiblich."

Der Verein der Wohnmobilfreunde Schweinfurt betreibt seit einiger Zeit in Niederwerrn am Festplatz einen eigenen Wohnmobilstellplatz mit Ver- und Entsorgung. Foto: Silvia Eidel
Ein Kilowatt Strom gibt es für 50 Cent an der Versorgungssäule am Wohnmobilstellplatz Niederwerrn. Foto: Silvia Eidel

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