Stammheim

Krone der Prinzessin fiel in den Main: jetzt gab's Ersatz

In Stammheim gab es ein besonderes Ereignis: Die Weinprinzessin erhielt eine neue Krone. Das alte Herrschaftszeichen war in den Main gefallen. Die Suche blieb erfolglos.
Mit Weihwasser segnete Diakon Uwe Rebitzer die neue Weinkrone des Weinortes Stammheim. Die amtierende Weinprinzessin Annika Moller hielt das handgefertigte Werk von Goldschmiedin Nicole Riegler in Händen. Foto: Dominik Dorsch

Zwischen zwei kleinen Weinblättern sind hell leuchtende Perlen zu einer Traube angeordnet, dazu lässt eine Schicht aus 999er Feingold die neue Stammheimer Weinkrone zauberhaft schimmern. Sie ist Erkennungszeichen für die Regentschaft über Weinberge, Winzer und Weingenießer im malerischen Weinort am Main.

Bei einem "Abend im Zeichen der Krone" präsentierte der örtliche Winzerverein gemeinsam mit Weinprinzessin Annika Moller die neue Krone, welche durch Goldschmiedin Nicole Riegler aus Oberschwappach in Handarbeit individuell angefertigt wurde. Zu einer "einmaligen Veranstaltung", die es so bisher im Weinort noch nicht gegeben habe, begrüßte Michael Scheller, Vorsitzender des Winzervereins die Gäste hierzu im alten Rathaus.

Zur Präsentation der neuen Weinkrone in Stammheim hatte der Winzerverein um Vorstand Michael Scheller (rechts) gemeinsam mit Weinprinzessin Annika Moller eingeladen. Diakon Uwe Rebitzer gestaltete den geistlichen Teil mit einer kurzen Andacht sowie der anschließenden Segnung der Krone. Umrahmt wurde die Veranstaltung von einer Jungweinverkostung. Foto: Dominik Dorsch

Ausdruck von Würde

Silena Werner, ehemalige Stammheimer Weinprinzessin und Fränkische Weinkönigin, berichtete zunächst  eingangs über die Bedeutung von Kronen im Allgemeinen. Sie seien mehr als nur schmucke Kopfzierde, vielmehr "Ausdruck von Macht, Würde und Herrschaft", sagte sie auch mit Blick auf die Monarchien der Welt. Bei den Weinhoheiten sei die Krone das "schönste Markenzeichen" das es gebe, sei aber auch anstrengend zu tragen. "Sie hinterlässt Spuren nicht nur am Kopf sondern auch im Herzen", sagte die ehemalige Repräsentantin des Frankenweins treffend.

Von 2002 an war diese Krone für die Stammheimer Weinprinzessinnen der ständige Begleiter bei offiziellen Empfängen und Veranstaltungen. Nun liegt sie aufgrund "höchst unglücklicher Umstände", wie die Verantwortlichen mitteilten, auf dem Grund des Mains. Foto: Dominik Dorsch

Erfolglose Taucher

Umso größer war der Herzschmerz bei der amtierenden Weinprinzessin Annika Moller über das Verschwinden ihrer Krone. Michaela Endres, Mitglied im Winzervereinsvorstand und ihres Zeichens einmal Weinhoheit in Sommerach, Fränkische Weinkönigin und Deutsche Weinprinzessin, berichtete von höchst unglücklichen Umständen, die dazu geführt hatten, dass das kopfschmückende Edelmetall in den Fluten des Maines gelandet war und jetzt wie ein verlorener Schatz irgendwo auf dessen Grund liegt. Selbst Suchgeräte und Taucher hätten sie nicht mehr auffinden können.

Deshalb musste eine neue her: Für Goldschmiedin Nicole Riegler aus Oberschwappach war es eine Ehre diese neue Weinkrone anfertigen zu dürfen. Nachdem Riegler bei der Präsentation nicht selbst vor Ort sein konnte, berichtete Annika Moller von den Details der Herstellung. Das Grundgestell besteht aus massivem 925er Silber und filigranem Kügelchendraht. In die beiden großen Weinblätter aus Silberblech wurde durch Walztechnik die Struktur echter Blätter geprägt. Am Blattansatz zieren diese zwei champagnerfarbenen Swarovski Zirkonias.

Traube aus Perlen

Den Mittelpunkt der neuen Krone stellt eine Traube dar, welche durch 14 verschieden große Süßwasserzuchtperlen im Farbschlag weiß ausgearbeitet wurde. Bei jeder Perle handelt es sich um ein Naturprodukt. "Jede ist auf ihre Art einzigartig, manche mit kleinen oder größeren Wachstumsspuren, andere perfekt glatt und rund - so wie auch jede Weinbeere einzigartig ist", sagte sie. Eingespannt wird die Komposition aus Traube und Weinblättern durch drei Lemon-Citrine, das sind grüngelbe Quarze, die im Schachbrettschliff geschliffen und ebenfalls in Silber gerahmt wurden.

Erkennbar modern, aber auch zeitlos und elegant wurde die neue Stammheimer Weinkrone gestaltet. Süßwasserzuchtperlen in Traubenform angeordnet sind der Blickfang des vergoldeten Unikats. Seit 1977 ist diese nun die dritte Krone des malerischen Weinortes am Main und wird künftig den Kopf der amtierenden örtlichen Weinprinzessin zieren. Foto: Dominik Dorsch

Nach Beendigung der Feinarbeiten überzog die Goldschmiedin das Kunstwerk mit einer Schicht aus nahezu reinem Gold. "Der Anspruch war es, eine Krone anzufertigen, die als solches erkennbar modern, dabei aber auch zeitlos und elegant, naturalistisch und dennoch filigran und schmückend wirken soll", wurde Goldschmiedin Riegler zitiert. Alle Anwesenden und im Speziellen die Verantwortlichen des Weinbauvereins, die das Werkstück in Auftrag gegeben hatten, waren sich einig, dass ihre Vorstellungen hervorragend umgesetzt wurden.

Mit Weihwasser

Diakon Uwe Rebitzer knüpfte in seiner kurzen Ansprache an den schmerzlichen Verlust der Krone an und bemerkte passend, dass in der Kirche üblicherweise sakrale Gegenstände nach Ende der Gebrauchszeit entweder im Erdreich vergraben, im Feuer verbrannt oder im Wasser versenkt würden. Das Zeichen der Krone habe auch etwas Heiliges in sich. Sie verbinde Himmel und Erde, betonte er. Nach Gebet und Lesung folgte der Segen der Krone mit Weihwasser. Diese solle alle Weinprinzessinnen, die sie einmal tragen werden, auf allen Wegen beschützen und immer gesund und wohlbehalten heimkommen, sprach der Diakon abschließend.

Im weiteren Verlauf des Abend war natürlich in geselliger Runde noch genügend Gelegenheit, Anekdoten und prägende Ereignisse rund um den Kopfschmuck aus Edelmetall zu erzählen, sowie auf die Anfänge zurückzublicken: 1977 war Christl Klüpfel die erste Weinprinzessin im Ort, somit brauchte es auch eine erste Krone, damals als so genannte Einheitskrone bezeichnet. Denn zahlreiche Hoheiten von Main und Steigerwald trugen das gleiche Exemplar. Im Mai 2002 gab es dann unter der damaligen Weinprinzessin Stefanie Wieland ein Unikat, welches extra angefertigt wurde, authentischer daherkam als das Vorgängerexemplar und den Ort Stammheim besser widerspiegelte. Neun junge Frauen haben diese in über 18 Jahren mit Stolz getragen - ehe es im Main gelandet war.

Von 1977 bis 2002 war diese Krone die Weinprinzessinnenkrone des Weinortes Stammheim. In der Übergangszeit nach dem Verlust des Nachfolgemodells trug Annika Moller diese als Ersatz. Foto: Dominik Dorsch

"Erhabenes Gefühl"

Die noch amtierende Weinprinzessin Annika Moller, die in wenigen Wochen ihr Amt an ihre Nachfolgerin abgeben wird, betonte, mit der Krone gewachsen zu sein und es zu keiner Zeit bereut zu haben, dieses Amt inne gehabt zu haben. Ihre Vorgängerin wiederum, Silena Werner, erinnerte sich an ihr erstes Weinfest als Weinprinzessin, als kurz vor dem Empfang im Hof ihres Elternanwesens das Wappen an der Krone abgebrochen war. Mit Sekundenkleber konnte die Krone durch Familienmitglieder in Windeseile wieder repariert werden, was ihre Tränen schnell wieder trocknen ließ und so das Weinfest wie geplant mit Originalkrone stattfinden konnte. Mit Krone sei man auf einmal Teil des Weinfestes, viel mehr als nur Gast, beschrieb sie ein "erhabenes Gefühl". "Ich hoffe, dass diese Tradition noch lange weitergeführt wird", sagte sie abschließend.

Michaela Endres wusste schnell eine Antwort auf die Frage, was das Schönste gewesen sei, was ihr die Krone gebracht hatte, nämlich das Kennenlernen ihres Ehemannes Matthias.

Die offizielle Vorstellung der Krone wurde von einer Jungweinverkostung umrahmt, bei der fast alle Rebsorten, die in den örtlichen Weinlagen angebaut werden, im Ausschank waren. So konnten sich die Anwesenden durch knapp 20 junge Weine, teilweise sogar gerade frisch vom Fass, nach Belieben durchprobieren.

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