Schweinfurt

Kufi-Werkswohnungen: jetzt dezentral und nachhaltig versorgt

In der Kreuzstraße können die Mieter den Strom vom Dach nutzen. Foto: Gerd Landgraf

"Da haben wir richtig viel Hirnschmalz investiert", meinte Thomas Kästner, Geschäftsführer der Schweinfurter Stadtwerke. Herausgekommen ist in Zusammenarbeit mit der Stadt- und Wohnbau GmbH (SWG) eines der deutschlandweit wenigen (unter 200) und zudem ein beeindruckend großes "Mieterstromprojekt" in der Kreuzstraße 16 bis 30.

Realisiert ist zwischen Hauptbahnhof und Schaeffler-Werksgelände ein innovatives Energieprojekt mit Photovoltaikanlage (20 Kilowatt peak) auf dem Dach sowie Stromspeicher (10 Kilowattstunden) und drei Blockheizkraftwerken (BKHW mit 16,5 Kilowatt) in den Kellern. Von den Mietern der 19 Zwei-, 20 Drei- und neun Vier-Zimmer-Wohnungen haben drei Viertel sich bei freier Wahl für einen Abschluss mit den Stadtwerken entschlossen, was der Umwelt in etwa 266 Tonnen Kohlendioxid im Jahr erspart. Sparen werden voraussichtlich auch die Mieter: einen zweistelligen Euro-Betrag im Jahr.  

Thomas Kästner, OB Remelé und Alexander Förster enthüllten die Info-Tafel, die die aktuelle Stromerzeugung sowie den Füllstand des Batteriespeichers anzeigt. Foto: Gerd Landgraf

Unter Mieterstrom ist die dezentrale Erzeugung von Strom zu verstehen, der an die Bewohner eines Gebäudes oder eines Quartiers direkt geliefert wird, womit die Bewohner von Mehrparteienhäusern die Möglichkeit haben, sich an der Energiewende zu beteiligen. Der Öffentlichkeit stellte das Vorzeigeprojekt jetzt Sebastian Remelé, Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender beider Unternehmen, vor.

OB stolz auf innovatives Projekt

Erstellt wurden die Häuser mit den Werkswohnungen in den Jahren 1920 bis 1922. 1993 kaufte dann die Wiederaufbau (heute SWG) die Gebäude. Remelé bescheinigte der Stadt- und Wohnbau am Dienstag ein jahrzehntelanges Engagement für den Klimaschutz, das vor allem durch die fortlaufende energetische Sanierung im Bestand (5000 Wohnungen) dokumentiert sei. Gleichfalls vorbildlich handele die Stadtverwaltung, die beispielsweise mit dem Solarpotenzialkataster jedem Interessierten zeige, ob das eigene Dach für die Nutzung der Sonnenernergienutzung geeignet sei. Den Stadtwerken dankte der OB, weil diese für Neues aufgeschlossen seien "bis an die betriebswirtschaftlichen Grenzen".     

Die Photovoltaikanlage sitzt zentral auf einem der Hausdächer. Foto: Gerd Landgraf

Alexander Förster, Geschäftsführer der SWG, erinnerte an die Umgestaltung der einstigen Werkswohnungen in den Jahren 2004/5. Damals sei ein lebendiges Quartier mit mehr größeren Wohnungen für Familien, mit Spielplätzen und Ruheflächen  entstanden. Thomas Kästner verwies auf "gewaltige Umschwünge" in der Energiepolitik und forderte den Gesetzgeber auf, bürokratische Hürden zu beseitigen. Im Gegenzug würden die Energieunternehmen schneller reagieren und flotter auf neuen Wegen unterwegs sein.  

Bürokratie bremst

Das Projekt in der Kreuzstraße sei mit der Gewinnung von Sonnenenergie auf dem Dach, mit dem Speicher im Keller, mit dem Anschluss an das allgemeine Stromnetz (Abgabe von Überkapazitäten, Einspeisung bei Schlechtwetter) und den Blockheizkraftwerken technisch vergleichsweise einfach zu realisieren gewesen, was jedoch keinesfalls für die überaus komplexen Vertragswerke und die Abrechnung gelte. 

Kästner stufte die Kreuzstraße auch als "Teststand" für die Stadtwerke und die SWG ein. Bei guten Erfahrungen werde man verstärkt auf diese dezentrale, ökologische und nachhaltige Versorgung setzen, die den Stadtwerken zudem ein beachtliches Maß an Unabhängigkeit von den großen Energielieferanten beschere.

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