SCHWEINFURT

Kunstverein zeigt seine Schätze

Zu beinahe jedem Stück gibt es eine Geschichte. Und Joachim Haas weiß diese Geschichte. Weil er sie selbst erlebt hat. Als langjähriger Vorsitzender des Schweinfurter Kunstvereins hat er Kontakte aufgebaut, unzählige Atelierbesuche gemacht, Editionen angeleiert, Schenkungen in Empfang genommen, Ankäufe organisiert, Sponsoren betreut. Er hat die Marotten der Künstler kennengelernt und die ihrer Frauen oder Kinder. Aber auch ihre großzügigen Seiten.

Etliche der Kunstwerke, die so in 28 Jahren zusammengekommen sind, kann man heute in der ständigen Ausstellung der Kunsthalle sehen – erworben mit Unterstützung des Kunstvereins, als Schenkung oder als Dauerleihgabe an die Museen und Galerien der Stadt. Der Stuhlkreis von Inge Mahn zum Beispiel, Arbeiten von Rolf Cavael, Günther Uecker, Karl-Fred Dahmen, Peter Wörfel, Franz Kochseder, Heiko Herrmann und vielen anderen.

Vieles andere aber ist im Depot gelandet. Und dieses Depot öffnet der Kunstverein nun erstmals. Vom 7. Februar bis 8. März zeigt er unter dem Titel „Schätze des Kunstvereins“ 118 Bilder, Skulpturen und Installationen aus eigener Sammlung seit 1986. Vernissage ist am Samstag, 7. Februar, 11 Uhr, in den leerstehenden Geschäftsräumen der Zehntstraße 20.

Die Sichtung der zum Teil lange eingelagerten Bestände muss ein Gefühl wie Weihnachten gewesen sein. Ralf Hofmann, seit vergangenem Jahr Vorsitzender des Kunstvereins, berichtet jedenfalls sehr anschaulich von den leuchtenden Augen des Joachim Haas, der die Ausstellung gemeinsam mit seiner Frau Gabriele kuratiert hat. Haas tigert an diesem Mittwochabend unermüdlich auf und ab, weist den Elektriker ein und hat ansonsten sichtlich Freude an den Schätzen, die nach und nach ihren Platz an den Wänden des ehemaligen Porzellan-Geschäfts unter dem Central-Hotel zu finden.

Die Idee, in einen Leerstand zu gehen, hatte Ralf Hofmann, Joachim Haas brauchte gerade mal einen Tag, um das geeignete Objekt zu finden: „Da gehen wir hin.“ Die Eigentümer Corinna Eberwein und Nicolas Friedel haben die Räume zu einem Drittel des üblichen Preises vermietet, und praktischerweise hat der Vormieter eine Lamellendecke mit hellen Leuchten hinterlassen – ideal für die Ausstellung.

Auf zwei geräumigen Etagen – im Erdgeschoss und im Keller – werden Arbeiten, hauptsächlich Druckgrafik, gezeigt unter anderem von Heinz Altschäffel, Thomas Baumgärtel, Bob Biendl, Margarete Bolza-Greis, Marion Braun, Margarita Calvary, Rolf Cavael, Elke Daemmrich, Karl-Fred Dahmen, Fathwinter, Gerhard Fietz, Rupprecht Geiger, Gisela Glucker, Otto Greis, Ernst J. Herleth, Heiko Herrmann, Peter Kampehl, Norbert Kleinlein, Gustl Kirchner, Franz Kochseder, Marian Kolenda, Heinz Kreutz, Inge Mahn, Maria Maier, Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff, Herbert Mehler, Johann Nußbächer, Helmut Pfeuffer, Rainer Pöhlitz, Veit Relin, Emil Schumacher, Heinrich Söller, Günther Uecker oder Satie Zech.

Gleich am Eingang leuchten die magentafarbenen Kreise von Rupprecht Geiger, dann geht der Blick zur Gegenwand mit großen Formaten von Brigitte Matschinsky-Denninghoff, Eckhard Froeschlin und Gustav Wölkl. Zu Brigitte Matschinsky-Denninghoffs Arbeit gibt es eine der vielen Geschichten: „Das war ein 24 Meter langes Band auf einer Ausstellung in Berlin. Man konnte Abschnitte kaufen. Wir haben 1,14 Meter genommen, das konnten wir uns gerade noch leisten“, erzählt Haas. In der Mitte des hellen Raums ein Tisch und zwei Stühle – auch sie ein Kunstwerk, und zwar von Thomas Niggl. Der hatte 1992 seine Ausstellung mit einer Kunstaktion verbunden und dazu aufgefordert, Möbel mitzubringen. Haas: „Ich bemal sie euch, hat er gesagt.“

So ist die Ausstellung ein Gang durch Geschichten und Geschichte des vergangenen Vierteljahrhunderts des Kunstvereins. Schweinfurter Künstler neben Gästen aus ganz Deutschland, Geheimtipps neben großen Namen, farbstarke Arbeiten neben filigranen Miniaturen.

Joachim Haas' Lieblingsstücke sind eher klein: eine Radierung von Emil Schumacher, der 1999 in Schweinfurt die letzte Ausstellung vor seinem Tod hatte. Daneben Schumachers gerahmter Aufnahmeantrag für den Kunstverein. Haas: „Schon seine Unterschrift war ein Bild.“ Und ein kleines Original von Gerhard Fietz im Schaufenster, das damals Vorlage für Ausstellungsplakat, Buchzeichen und Aufkleber war. Haas nimmt den Rahmen fast zärtlich in die Arme. Ein Gefühl wie Weihnachten eben.

Die Vernissage ist am Samstag, 7. Februar, 11 Uhr, Öffnungszeiten: Mo. bis Fr., 16 bis 19 Uhr, Sa. 11 bis 17 Uhr und So. 14 bis 17 Uhr.

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