SCHWEINFURT

Kurzfilmtage: Grenzer und ein schräger Außerirdischer

Damit hatten die Veranstalter nicht gerechnet: Der Zuschauerrekord der „Kurzfilmtage Schweinfurt“ aus dem vorigen Jahr (1212 Besucher) ist überboten worden. An drei Tagen strömten im 15. Jahr der Kurzfilmtage 1223 kleine und große Kinofans ins KuK (Kneipe und Kino), um die vom Kulturpackt und dem KuK gezeigten 56 Kurzfilme, traditionell mit schwarzem Humor, nicht zu versäumen.

War am Gründonnerstag der Zuspruch noch nicht ganz so groß, übertrafen Karfreitag und -samstag alle Erwartungen. „Ich bin hochzufrieden“, sagte Gerald „Jimmij“ Günther vom Kulturpackt, schon am Freitagmittag, und er war noch zufriedener, als am Samstagabend nach der Preisverleihung und dem „Best of“ der letzten fünf Jahre der letzte Kinobesucher mit glänzenden Augen das KuK verlassen hatte.

Natürlich durften die Zuschauer auch ihre Lieblingsfilme wählen. Das fiel ihnen nicht wirklich leicht, denn innerhalb des Themas „schwarzer Humor und böse Satire“ waren die Filme mal experimentell, mal etwas surrealistisch, mal animiert, mal dokumentarisch, aber oft sehr lebensnah. Aus dem Programm A gewann „Border Patrol“ über Polizisten an der Grenze zu Österreich, im Programm B setzte sich die Satire über den Irak-Krieg, „Grünes Gold“ von Barbara Marheineke, durch. Im Kinderprogramm gewann „Wombo“, ein Film über eine außerirdische Kartoffel. Der Regionalfilm-Förderpreis in Höhe von 250 Euro, gestiftet von der LAG Film Bayern/VHS Filmforum, geht an „Weiter oben“ von Philipp Mößner und Team aus Bamberg vor „Circle of Life“ vom Schweinfurter Marc Kaut.

Gute zwei Stunden lang ist jeder der Blöcke für die Erwachsenen. In der Kneipe notieren die Besucher nach jedem Block als Erstes ihre Lieblingsfilme. „Das Programm ist wieder gigantisch“, befindet Christian Knecht, der mit Rosio Hernandez Stammgast bei den Kurzfilmtagen ist. Sie gönnen sich an zwei Tagen beide Blöcke. Wirklich schwache Filme sind gar nicht erst auf die Leinwand projiziert worden.

Freuen dürfen sich die Zuschauer im nächsten Jahr erneut auf „Border Patrol“. Zwei Polizisten im Grenzgebiet zu Österreich stolpern unvermutet über eine Leiche, einen an einem Baum aufgeknüpften Mann. Weil sie das Fußballspiel Deutschland-Österreich nicht verpassen wollen, verfrachten sie den Leichnam in den Kofferraum und hängen ihn an einem Baum in Österreich wieder auf. Schnitt. Zwei österreichische Polizisten entdecken die Leiche und stellen konsterniert fest: „Da hängt er wieder.“

„Grünes Gold“ erzählt boshaft den wahren Grund des Irak-Krieges. Schuld war nämlich eine Mutation, ein kleiner grüner Wüstengecke, der hinter der globalen Krise steckte. Der animierte Gecko - eine äußerst witzige Figur - ist unter anderem schuld daran, warum die angeblichen Massenvernichtungsmittel nie gefunden wurden. Und „Wombo“ ist ein auf der Erde notgelandeter Außerirdischer. Probleme bereiten ihm sein Aussehen, denn er sieht genauso aus wie eine Kartoffel. Das führt dazu, dass Wombo sich in ständiger Gefahr bewegt.

Manchmal auch blieb den Zuschauern das Lachen im Hals stecken. „Meyer“ erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der sich auf eine Stellenanzeige beworben hat und sich bei seinem neuen Chef daheim vorstellt. Die Wohnung des älteren Mannes ist hoffnungslos verwahrlost, das Einstellungsgespräch lückenhaft. Am Ende kriegt der junge Mann den Job, bedankt sich und umarmt dann seinen Gegenüber mit den Worten „Mach's gut, Papa“. Thema ist Altersdemenz, ein sehr nachdenklich stimmender Film, der einen eigenen Preis verdient hätte.

Für die Kinder laufen neben ihrem Workshop „Trickfilmzeichnen“ elf Filme, zwischen 1:29 und 20 Minuten. „Ziemlich von der Rolle“ etwa, ein preisgekrönter Film des Röntgen-Gymnasiums Würzburg. Da liest sich schon die Beschreibung spannend. „Immer diese Mädchen – schlampig, laut und nur Computerspiele im Kopf. Immer diese Jungs – keine Ahnung vom Fußball, aber ständig Pferdezeitschriften lesen.“ Hier wird jedes, aber auch wirklich jedes Klischee bedient, mit einem perfekten Rollentausch.

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