HEIDENFELD

„Lady Baby“ hieß das Codewort

Am 2. Juni vor 70 Jahren hat Reinhold Menz aus Heidenfeld in Stammheim als erstes Nachkriegskind das Licht der Welt erblickt. Die Umstände seiner Geburt waren unmittelbar nach dem Kriegsende im Mai 1945 etwas ungewöhnlich:

Die amerikanischen Streitkräfte hatten nach der Einnahme der Dörfer rings um Schweinfurt eine Ausgangssperre für alle Bürger festgelegt, die vom Sonnenuntergang bis zum nächsten Morgen einzuhalten war. Als am frühen Abend des 2. Juni 1945, ein Samstag, bei Brigitte Menz die Wehen einsetzten, musste schnell die Hebamme Stammheims verständigt werden. Ein Telefon gab es nicht. Ehemann Wilhelm war in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Kurzum wurde Nachbarin Justina Wieland mit einer weißen Armbinde versehen, um die Hebamme Sophie Hart zu holen.

Als Codewort für die Amerikaner, die kaum Deutsch verstanden, wurden die zwei Worte „Lady Baby“ aufgetragen. Die GIs ließen Justina Wieland passieren. Schon nach wenigen Minuten war die „Harts Sophie“, ebenfalls mit weißer Armbinde, vor Ort und noch vor Mitternacht, gegen 23.30 Uhr, kam Reinhold Menz als erstes Nachkriegskind in Stammheim unter amerikanischer Bewachung zur Welt.

Wilhelm Menz, sein Vater und Herrenschneidermeister in Stammheim, konnte seinen Sohn erst im August 1945 in den Armen halten, als er aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte. Im Jahr 1959 baute er für seine Familie ein Haus in das nördlich gelegene Heidenfeld.

Den Geburtstag verbringt Reinhold Menz mit seiner Frau Margarete, die er 1972 geheiratet hat, seinen vier Kindern, ihren Familien und fünf Enkelkindern in Heidenfeld.

Am Heidenfelder Vereinsleben hat Menz jahrzehntelang intensiv Anteil genommen und sich eingebracht, wo er gebraucht wurde. So war er als Betreuer und amtlicher Schiedsrichter beim TSV Heidenfeld engagiert, als Pfarrgemeinderat, als Schriftführer der Freiwilligen Feuerwehr und bis heute im Besuchsdienst der Pfarrei Heidenfeld. Im Jahr 2013 hob er als Gründungsmitglied den Historischen Verein Heidenfeld mit aus der Taufe.

Fast 50 Jahre war Menz bei der SKF GmbH in Schweinfurt beschäftigt. Als Werkzeughärter eine feste Institution, war er Chef und Kollege von Frankens Stimmungskanone Michl Müller, mit dem er bis heute guten Kontakt hält.

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