Bergrheinfeld

Landrat Florian Töpper: "Wir machen keine Läden dicht"

Lebensmittelkontrolle: Alle Räume, alle Maschinen, alle Waren begutachten Amtstierarzt Thomas Wiethe (links) und sein Mitarbeiter Matthias Düchs (rechts). Wie so eine Kontrolle abläuft, demonstrierten sie in der Metzgerei von Thomas Warmuth (Mitte) in Werneck. Foto: Anand Anders

Die Bergrheinfelder brauchen sich keine Sorgen um den Fortbestand ihrer Metzgerei machen. "Wir machen keine Läden dicht, weil sie alt sind." In aller Deutlichkeit dementiert Landrat Florian Töpper die öffentliche Behauptung von Metzgermeister Bernhard Rückert, die Lebensmittelkontrolle des Landratsamtes habe ihm nahegelegt, er solle seinen Betrieb zum Jahresende "auslaufen" lassen, weil die Wurstküche zu alt sei und nicht den EU-Richtlinien entspreche. "Es gab weder eine mündliche, noch eine schriftliche Anordnung und auch keine entsprechende Empfehlung der Behörde", stellt der Leiter des für die Lebensmittelkontrolle zuständigen Veterinäramtes, Dr. Thomas Wiethe, klar. Im Gegenteil: Rückert habe selbst angekündigt, dass er zum Jahresende seine Metzgerei schließen wolle.

Rückblick: Am 18. Juli dieses Jahres waren die Lebensmittelkontrolleure des Veterinäramtes zu einer Routinekontrolle in den Bergrheinfelder Metzgereibetrieb gekommen. Alle halbe Jahre erfolgt diese in der Regel. Immer unangekündigt und zu unterschiedlichen Tageszeiten. Wie schon bei vergangenen Kontrollen wurden diverse bauliche Mängel festgestellt. Defekte Fliesen etwa oder ausgewaschene Fugen. Alles noch in einem "tolerablen Maß", sagt Wiethe. "Der gesundheitliche Verbraucherschutz konnte von uns gewährleistet werden, wenn diese Mängel beseitigt werden."

"Der Geruch im Kühlraum ist die Visitenkarte eines Metzgers", sagt Thomas Wiethe (links). Der Leiter des Veterinäramtes ... Foto: Anand Anders

Bis zu diesem Punkt stimmen die Schilderungen beider Seiten überein. Was den weiteren Gesprächsverlauf zwischen Metzgermeister und Lebensmittelkontrolleuren aber angeht, gibt es völlig konträre Aussagen. Rückert sagt, man habe ihm nahegelegt, zum Jahresende aufzuhören. Schon seit zwei Jahren tue man das. Er habe sich unter Druck gesetzt gefühlt und deshalb die Öffentlichkeit mobilisiert. Im Landratsamt fällt man ob dieser Behauptung aus allen Wolken. "Von Betriebsschließung war nie die Rede", sagt Wiethe.

Genau das Gegenteil sei der Fall gewesen: Man habe Herrn Rückert mitgeteilt, von der Anordnung "kostspieliger und unverhältnismäßiger Sanierungsmaßnahmen" abzusehen, solange er durch entsprechenden Pflegeaufwand den hygienischen Mindeststandard einhält – "und die Metzgerei selbst betreibt". Rückert habe nämlich angekündigt, dass er seinen Betrieb zum Jahresende aufgeben und die Metzgereiräume an einen Hersteller von Dönerspießen verpachten wolle. Er habe selbst um eine Einschätzung gebeten, ob seine Räume hierfür geeignet seien. Das sind sie nicht, sagt das Veterinäramt. Man habe dem Metzgermeister mitgeteilt, dass in seinem Betrieb "ein erheblicher Sanierungsbedarf" bestehe. Das Veterinäramt sei zwar bereit, die Nutzung der Räume "unter gewissen Voraussetzungen bis zu einer altersbedingten Aufgabe der Metzgerei weiterhin zu dulden", dies gelte jedoch nicht für eine künftige Nutzung durch andere Lebensmittelunternehmer. So die Schilderung der Kontrolleure.

Für die Herstellung von Dönerspießen gelten sehr hohe hygienische Anforderungen

Bei der Neugründung eines Lebensmittelbetriebes ist eine EU-Zulassung erforderlich. Diese ist die Voraussetzung dafür, dass Lebensmittel überhaupt in Verkehr gebracht werden dürfen. "Erst recht gilt dies, wenn es sich um ein in mikrobieller Hinsicht so hochsensibles Produkt wie Dönerspieße handelt", sagt Wiethe. Solche Herstellungsbetriebe müssten "sehr hohe" hygienische Anforderungen erfüllen. Und gewisse bauliche Voraussetzungen haben. Zum Beispiel eine Hygieneschleuse oder Umkleide- und Personalräume.  

Die Metzgerei Rückert hat das alles nicht. Nach Einschätzung des Veterinäramtes erfüllt der Bergrheinfelder Betrieb in seinem derzeitigen Zustand weder die hygienischen noch die baulichen Bedingungen dafür. Wenn hier Dönerspieße hergestellt werden sollen, "wäre eine vorherige Grundsanierung der Betriebsräume unerlässlich", sagt Wiethe. Und dann sei auch nicht das Veterinäramt für die Erteilung der Zulassung zuständig, sondern die Regierung von Unterfranken. Die örtliche Behörde führe nur die Vorprüfung für die Regierung durch.

"Mir tut jeder Laden leid, der wegfällt."
Landrat Florian Töpper

Die Forderung nach einer Generalsanierung der Betriebsräume habe sich somit "ausschließlich" auf die Weiternutzung durch einen anderen Lebensmittelunternehmer bezogen. "Es handelte sich um keine Anordnung gegen Herrn Rückert, es war lediglich das Ergebnis der Beratung im Hinblick auf eine künftig andere Nutzung des Betriebs", stellt Wiethe klar. Und weiter: "Wir haben ihm klipp und klar gesagt, wenn er regelmäßig Wartungsarbeiten durchführt, kann er seine Metzgerei weiterführen." 

Nach der Arbeit müssen die Maschinen gründlich gereinigt werden. Mit der Schnecke im Kutter wird das Fleisch grob zerkle... Foto: Anand Anders

Aufs Schärfste verwahrt sich Landrat Florian Töpper auch gegen die Behauptung des Metzgermeisters, er habe seine Kontrolleure angewiesen, "bestimmte Betriebe nicht mehr zuzulassen". Das Gegenteil sei der Fall: "Mir tut jeder Laden leid, der wegfällt", so Töpper. Es liege in seinem erklärten Interesse, dass gerade kleine handwerkliche Betriebe im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten erhalten bleiben. "Dies wird im Falle des Metzgereibetriebes von Herrn Rückert deutlich belegt."

"Wir haben ihm klipp und klar gesagt, wenn er regelmäßig Wartungsarbeiten durchführt, kann er seinen Betrieb weiterführen."
Thomas Wiethe, Leiter des Veterinäramtes

Ebenso weist der Landrat den Vorwurf der "Schikane" und "Ungleichbehandlung" zwischen Betrieben in Landkreis und Stadt Schweinfurt zurück. Die Kontrolleure handelten mit "Augenmaß und Fingerspitzengefühl", um kleine Betriebe in der Endphase nur mit den nötigsten Auflagen zu belasten. Zum Beweis zitiert Veterinäramtsleiter Wiethe aus dem schriftlich an Rückert übermittelten Ergebnisprotokoll. Darin stehe, dass "... in Berücksichtigung der mündlich geäußerten Zukunftsplanung .... und im Ermessen der Behörde von einer umfassenden baulichen Instandsetzung abgesehen werde, wenn der Betrieb zeitlich absehbar auslaufen sollte und die Grundhygiene gewährleistet sowie Gefahren der Kontamination und der nachteiligen Beeinflussung für die Lebensmittel ausgeschlossen werden könnten". Vor diesem Hintergrund habe man Rückert um eine schriftliche Mitteilung über die Zukunft seines Betriebes gebeten, was bis heute nicht erfolgt sei.

Matthias Düchs kontrolliert auch das Lieferfahrzeug. Denn mit einem unsachgemäßen Transport kann eine einwandfreie Ware ... Foto: Anand Anders

Dass Rückert über die Verpachtung seiner Metzgereiräume für eine Dönerspieß-Produktion nachgedacht hat, bestätigt er auf Nachfrage dieser Redaktion. Nachdem ihn die Kontrolleure aber auf den notwendigen Sanierungsaufwand hingewiesen hätten, sei dieses Thema für ihn gestorben gewesen. "Ich habe aber nie gesagt, ich will aufhören, das haben mir die Kontrolleure nahegelegt." Hier widerspricht das Veterinäramt energisch. "Es wurde nichts angeordnet." Und dass der Bergrheinfelder Metzger die Äußerungen der Kontrolleure missverstanden haben könnte, hält Wiethe ebenfalls für "völlig ausgeschlossen".

"Wir sollten etwaige Beanstandungen der Lebensmittelkontrolle nicht als Rüge, sondern eher als Hilfestellung sehen."
Beatrix Warmuth, stellvertretende Obermeisterin der Fleischerinnung Main-Rhön

"Wir sollten etwaige Beanstandungen der Lebensmittelkontrolle nicht als Rüge, sondern eher als Hilfestellung sehen", sagt die stellvertretende Obermeisterin der Fleischerinnung Main-Rhön, Beatrix Warmuth. Gerade kleine Familienbetriebe seien angesichts der stetig neuen Auflagen und Vorschriften hier auf Hilfe angewiesen, weil im Tagesgeschäft nur wenig Zeit bleibe, um sich auf dem Laufenden zu halten. Warmuth besitzt in Werneck eine Metzgerei mit Partyservice, die inzwischen in fünfter Generation von Sohn Thomas geführt wird.

"Man muss auch als kleiner Familienbetrieb immer wieder investieren", verweist Warmuth auf die sich ständig weiterentwickelnden Standards in der Lebensmittelindustrie. "Immerhin geht es hier um das Wohl und die Gesundheit unserer Kunden." Die Wernecker Metzgerei hat gerade ein neues Lieferfahrzeug für über 50 000 Euro gekauft. Die Wurstküche ist bereits modernisiert und maschinell aufgerüstet. Auch bei der Vermarktung ist man auf Höhe der Zeit und preist neue Produkte über WhatsApp an.

"Es gibt nur noch ganz wenige Betriebe im alten Zustand", sagt Wiethe. Die meisten hätten investiert, seien top ausgerüstet. Für den Veterinäramtschef ein Beleg, dass man auch kleine Metzgereien noch rentabel führen kann.

Thomas Warmuth zeigt den Lebensmittelkontrolleuren Matthias Düchs und Thomas Wiethe (von links) den Kühlraum. Die Temper... Foto: Anand Anders

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