Kreis Schweinfurt

Landratswahl wird spannend

Spannend verspricht die Schweinfurter Landratswahl zu werden. Wer auf welche Themen setzt und wer der Favorit ist.
Herausforderer und Amtsinhaber: Nach der Podiumsdiskussion dieser Redaktion im Januar in Grafenrheinfeld gaben sich Lothar Zachmann (CSU, links) und Florian Töpper (SPD) die Hand. In der Mitte Redakteur Oliver Schikora.
Herausforderer und Amtsinhaber: Nach der Podiumsdiskussion dieser Redaktion im Januar in Grafenrheinfeld gaben sich Lothar Zachmann (CSU, links) und Florian Töpper (SPD) die Hand. In der Mitte Redakteur Oliver Schikora. Foto: Anand Anders

Die Schweinfurter Landratswahl gilt als einer der spannendsten in Unterfranken: Florian Töpper (SPD) will das Amt verteidigen, Lothar Zachmann es für die CSU zurückgewinnen.

SPD-Landrat Florian Töpper verweist auf seine über siebenjährige Amtszeit, für die er eine Reihe von  Erfolgen aufzählt: von der niedrigen Arbeitslosenquote bis zur Steigerung der Zahl sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze. In dieser Zeit sei der Landkreis wirtschaftlich, sozial und ökologisch gestaltet worden. Und das bei zusätzlichen Aufgaben, die mit der Aufnahme von Flüchtlingen, der Diskussion um die Stromtrassen und den Abbau des AKW Grafenrheinfeld zusätzlich zu schultern gewesen seien: "Wir haben nichts liegen lassen." Etwa im Bereich Bau und Bildung. Als Beispiel spricht er von einem Sanierungsstau bei den Schulgebäuden, dem man sich angenommen habe. Der Neubau des Berufsschulzentrums, dessen angeblich zu langsamen Fortschritt die CSU zum Wahlkampfthema gemacht hat, sei "völlig im Plan", sagt Töpper. Die Realschule in Schonungen und die Heideschule in Schwebheim (Förderschule) kämen in der nächsten Amtsperiode an die Reihe.

Spannung verspricht die Schweinfurter Landratswahl, für die Florian Töpper (SPD) und Lothar Zachmann (CSU) über viele Wochen Werbung gemacht haben.
Spannung verspricht die Schweinfurter Landratswahl, für die Florian Töpper (SPD) und Lothar Zachmann (CSU) über viele Wochen Werbung gemacht haben. Foto: Martina Müller

Er musste viel moderieren, um ohne eigene Mehrheit Projekte im Kreistag umzusetzen oder fortzuführen. Grobe Schnitzer sind ihm nicht unterlaufen, außer vielleicht beim 2016 gescheiterten Plan von Schweinfurts OB Sebastian Remelé (CSU), das Rathenau-Gymnasium aufzugeben, in dessen Zuge Töpper bereit gewesen wäre, die Realschule von Schonungen in die Stadt zu verlegen.

Zachmann setzt auf Robotik

Große Hoffnung setzt Lothar Zachmann, seit 1996 Bürgermeister von Dingolshausen, in den I-Campus und den Studiengang Robotik an der Fachhochschule. Die Studenten sollen später als Fachkräfte in der Region bleiben und die Dörfer mit Leben füllen. Ein neuer Studiengang ziehe immer auch Start-up-Unternehmen nach sich, argumentierte er. Dies sei eine Chance für den Landkreis. In der ehemaligen Conn-Kaserne könnten die Firmen Flächen finden, um sich zu entwickeln. In der Konversion, dem zivilen Umbau des Militärgeländes, habe es eine zeitliche Delle gegeben, kritisierte er Landrat Töpper. Man müsse den Druck erhöhen, damit die Konversion gelingt. Ein "Silicon Valley der Robotik" schwebt Zachmann dort vor.

Enormes Terminprogramm von beiden

Zachmann hat im Wahlkampf eine Reihe von Vorschlägen unterbreitet, die er umsetzen will: Ein Klimabeirat soll junge Menschen, Bauern, Unternehmer und Verbände an einen Tisch bringen. Beim 1000-Bäume-Programm sollen Freiflächen im Schweinfurter Land bepflanzt werden. Und er möchte ein Pflegeübungszentrum  etablieren. Immer wieder sprach er auch die Mobilfunklöcher an, die es zu stopfen gelte.

Beide Kandidaten spulten neben ihrem beruflichen Tagesgeschäft ein enormes Terminprogramm ab. Darunter waren auch einige Veranstaltungen in kleineren Orten. Zachmann war etwa in Garstadt, Töpper in Theilheim. Von beiden Seiten hieß es, dass man mit dem Zuspruch sehr zufrieden gewesen sei, zu manchen Veranstaltungen seien überraschend viele Interessenten gekommen.

Töpper verzichtete auf seinen Plakaten, seinem Werbematerial und in Online-Auftritten auf die Parteibezeichnung SPD. Er führte seinen Wahlslogan von 2012 "Landrat für alle" insofern fort, als dass dieser Wahlkampf mit "Unser Landrat" betitelt war. Auf die politische Einfärbung deuten nur drei kleine Linien in den Farben Rot, Grün und Orange hin. Sie symbolisieren die Nominierung durch die SPD und die offizielle Unterstützung der Grünen und der Freien Wähler. Zudem hat sich um den Sennfelder Altbürgermeister Emil Heinemann (CSU) eine überparteiliche Initiative gebildet, die sich ebenfalls für Töpper stark macht. Darunter sind auch die ehemaligen CSU-Bürgermeister Robert Finster (Frankenwinheim) und Rainer Fröhlich (Stadtlauringen). Es ist zu vernehmen, dass sie sich hinter den Kulissen einiges von ihren Parteikollegen haben anhören müssen. Von offiziellen Sanktionierungen seitens der CSU allerdings war zumindest vor dem Wahltermin nichts wahrzunehmen.

Töpper verbreitert Stimmenbasis

Somit hat der Amtsinhaber seine potenzielle Stimmenbasis im Vergleich zu 2012, als er als gemeinsamer Kandidat von SPD und Grünen angetreten war, vergrößert. Bei einer realistischen Wahlbeteiligung von etwa 65 Prozent benötigt ein Landratsbewerber etwa 30 000 Stimmen zum Sieg. Töpper hatte 2012 bei einer Wahlbeteiligung von 42 Prozent 22 222 Stimmen. Diese Differenz zu schließen, ist in der beschriebenen Konstellation für Töpper machbar. Er hat die Favoritenrolle inne.

Zachmanns Aufgabe war es, das CSU-Stammpublikum zu mobilisieren. Er  muss darauf vertrauen, dass die traditionellen CSU-Wähler, von denen 2012 ein großer Teil demonstrativ zu Hause geblieben war, diesmal wieder zur Wahl gehen und die vergleichsweise niedrigen Umfragewerte für die Bayern-CSU sich nicht gegen ihn persönlich richten. 

Zachmann leicht belächelt

Lothar Zachmann nur auf das CSU-Partei-Kürzel zu reduzieren, wäre oberflächlich. Er hat durchaus seine Eignung vermittelt, auch wenn er manchmal belächelt worden ist, seine Fähigkeit mit Erfolgen im kleinen Dingolshausen zu unterstreichen. Zachmann hat die vergangenen Monate genutzt, um viel Präsenz zu zeigen, Dialoge mit den Bürgern anzubieten und Inhalte zu vermitteln. Bei den "großen" Themen allerdings sind zwischen beiden oft nur Nuancen festzustellen.

> Hier geht es zum Portrait von Florian Töpper (SPD)

> Hier geht es zum Portrait von Lothar Zachmann (CSU)

Der Landratswahlkampf hatte auch Einfluss auf die Kreistagsarbeit. Seit Bekanntgabe der Kandidatur Zachmanns im Früjhjahr 2019 versuchte die CSU dort ihr eigenes Profil bei den Themen Steigerwaldbahn, Neubau des Berufsschulzentrums und Konversion der Conn-Kaserne zu schärfen und gleichzeitig Schwachpunkte in der Amtsführung Töppers aufzudecken. Zur Eskalation kam es im Dezember 2019, als Zachmann im Rahmen einer Diskussion über den Gewerbepoark Conn-Kaserne Töpper an dessen Amtseid erinnerte. Der so Kritisierte fasste dies als persönlichen Affront auf. Das Verhältnis der beiden ist angeknackst.

Ein Wahlkampf über die 60 Kreistagsmandate, die am Sonntag neu vergeben werden, fand außer persönlichen Vorstellungen der Bewerber bei Vor-Ort-Terminen praktisch nicht statt. CSU und SPD schnitten ihr Marketing auf die beiden Landratskandidaten zu, die gleichzeitig auch die Kreistagslisten ihrer Parteien anführen. Material wurde eher nebenbei zur Landrats-, Bürgermeister- oder Gemeinderatswahl ausgegeben. Die Parteien nutzten aber Internet und die Sozialen Medien, um ihre Kandidaten bekannt zu machen.

Grüne fühlen sich im Aufwind

Voller Tatendrang preschten die Grünen angesichts jüngster Wahlerfolge nach vorne: Sie wollen nicht nur ihre Mandatszahl von sechs verdoppeln, sondern träumen von einer neuen grün-orange-roten Mehrheit an der Seite von Landrat Töpper. Das wäre das erste Mal in der Nachkriegsgeschichte, dass Parteien die Dominanz der CSU im Kreistag aushebeln würden. Letztere stellt derzeit die Hälfte der Mandatsträger und will diesen Status verteidigen.

Optimistisch hat die SPD ausgegeben, ihre elfköpfige Fraktion ausweiten zu wollen. Auch die Freien Wähler wollen zulegen. Diese Rechnungen stehen auch immer im Zusammenhang mit einem neuen Akteur auf der Landkreisbühne: Erstmals stellt die AfD eine Liste für die Kreistagswahl mit 20 Bewerbern und strebt Fraktionsstärke an, was nach der jetzigen Geschäftsordnung des Kreistags mindestens zwei Kreisräte bedeuten würde. Ungewöhnlich: In ihren Veröffentlichungen werden nur fünf Personen genannt, den Rest der Liste verschweigt die AfD im Werbematerial und in Online-Auftritten. Dass sieben der 20 Kandidaten aus Schwebheim kommen, hat den dortigen Gemeinderat im Februar veranlasst, seine Sitzung zu unterbrechen und sich geschlossen hinter dem Schild "Schwebheim ist bunt" am Plan zu versammeln.

155 Gemeinderatslisten am Start

In den Gemeinden hat der Bürgermeisterwahlkampf nur selten für Aufsehen außerhalb der Gemeindegrenzen gesorgt. In Poppenhausen bestand das Risiko einer Wahlwiederholung, weil Bürgermeister Ludwig Nätscher im amtlichen Teil des Gemeindeblatts für seine Wahlveranstaltungen geworben hatte; das hat er korrigiert. In Niederwerrn hat die Christliche Wählervereinigung Oberwerrn (CWVO) versucht, kurzfristig und vergeblich eine Podiumsdiskussion mit den drei Kandidaten auf die Beine zu stellen.

In 24 der 29 Gemeinden werden Bürgermeister gewählt; in allen die Gemeinde- bzw. Stadträte. Insgesamt treten 155 Kandidatenlisten an, alleine 15 in Werneck. Optimistisch sind dabei erneut die Grünen, die in den vergangenen Monaten mehrere Ortsverbände neu gegründet haben und in Bergrheinfeld, Grafenrheinfeld, Niederwerrn und Gochsheim erstmals zur Gemeinderatswahl antreten.

In Niederwerrn, Üchtelhausen, Gochsheim, Röthlein und Werneck kann es zu Bürgermeister-Stichwahlen kommen, wenn keiner der Kandidaten die Mehrheit der Stimmen erhält. Sie finden am 29. März statt.

> Hier geht es zu allen Kandidaten der Wahlen in Stadt und Landkreis Schweinfurt

Rückblick

  1. Die neuen Kooperationen im Kreistag funktionieren
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