Gernach

Landwirte zeigen Solidarität

Eine ganze Reihe von Landwirten aus Gernach, aber auch aus Unterspiesheim, und Sympathisanten der Landwirte hatten sich auf Einladung des Obmanns des Bayerischen Bauernverbandes in Gernach, Alban Weilhöfer, an den Gernacher Seen eingefunden. Ein großes Feuer aus Zweigen, die bei der Baumpflege rund um die Gernacher Seen angefallen waren, wurde als ein Zeichen des Protestes gegen das Agrarumweltpaket angezündet. Foto: Erhard Scholl

Deutschlandweit haben sich Landwirte mit tausenden Traktoren und auch per Bahn oder Auto auf den Weg nach Berlin gemacht, um ihre Unzufriedenheit mit dem Agrarumweltpaket der Bundesregierung zum Ausdruck zu bringen. Alban Weilhöfer, Obmann des Bayerischen Bauernverbandes in Gernach, wollte deutlich machen, dass die Bauern, die aus persönlichen oder betrieblichen Gründen nicht mit nach Berlin fahren konnten, die Unzufriedenheit mit dem Agrarumweltpaket teilen. So hatte er kurzfristig die Landwirte und Sympathisanten der Bauern zu einer lokalen Demonstration an den Gernacher Seen aufgerufen.

Es hatte sich gut getroffen, dass der Zweite Bürgermeister Martin Mack mit einigen Gemeinderäten nach der Sitzung des Finanzauschusses zum Ausklang der Gernacher Kirchweih ins TSV-Sportheim gekommen war. So konnte er auf dem kurzen Weg die Gemeindeverwaltung informieren, und auch Feuerwehr und Polizei erfuhren, was Weilhöfer vorhatte: Mit einem großen Feuer, das weithin leuchtete, wollte man „auf die für die Bauern existenzbedrohenden Folgen“, wie Weilhöfer feststellte, aufmerksam machen. 

Und es waren eine ganze Reihe von Landwirten und Bürger aus Gernach, aber auch aus Unterspiesheim zu den Gernacher Seen gekommen, um ihre Sorge um die Zukunft der Landwirtschaft hier vor Ort zum Ausdruck zu bringen. Das Feuer sollte auch ein Zeichen dafür sein, dass man die Ziele der Demonstration in Berlin unterstützt.

Ortsbäuerin Elke Weilhöfer, die die Büroarbeiten im landwirtschaftlichen Betrieb der Weilhöfers erledigt, beklagte sich darüber, dass die Vorschriften immer mehr und immer belastender werden, man könne ihren Sinn zum Teil nicht mehr nachvollziehen. Sie könne verstehen, dass aus diesem Grund junge Leute zögern, den elterlichen Betrieb zu übernehmen: „Wenn ich sehe, was ihr schafft – das will ich nicht“, sei eine Antwort, die Landwirte oft zu hören bekommen, wenn es darum geht, den Hof an die nächste Generation weiterzugeben.

Benedikt Berchtold macht auf die fatalen Folgen des Mercosur-Abkommens für die heimische Landwirtschaft aufmerksam: Es können billige Agrarprodukte aus Südamerika in die EU und auch nach Deutschland importiert werden, die längst nicht die strengen Produktionsbedingungen einhalten müssen, die in Deutschland vorgeschrieben sind. So werde die einheimische Landwirtschaft entscheidend benachteiligt.

Es werde zu wenig Rücksicht darauf genommen, dass die Landwirtschaft der Ernährer der Gesellschaft ist, so Michael Burger aus Unterspiesheim. Das sei bei der Gesetzgebung aus dem Blick geraten. Die Bauern würden zu Sündenböcken für alle Umweltschäden in der Flur gemacht, ohne zu würdigen, dass es auch ein Anliegen der Landwirte sei, die Natur zu schonen, umweltfreundlich zu wirtschaften.  

Alban Weilhöfer pflichtet ihm bei: „Wir bekommen von der Politik keine Unterstützung, man lässt uns allein.“ Konkret bemängelt Christoph Berchtold, dass jetzt in Eile die Gewässer bis zum Jahresende eingeschätzt werden müssen, um die entsprechenden Abstandsflächen für den Gebrauch von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln festlegen zu können. „Da wurden hier in Gernach Gewässer als fließende Gewässer festgelegt, in denen noch nie Wasser geflossen ist, so lange ich zurückdenken kann“, zeigt er sich empört über diese realitätsferne Einschätzung.

Ebenfalls zu kritisieren sei die unterschiedliche Bezuschussung in der EU, so Christoph Berchtold weiter: „In Rumänien bekommen die Landwirte 250 Euro Zuschuss pro Hektar, wenn sie Rüben anbauen. Bei uns gibt es dafür keinen Zuschuss.“

Mit Sorge blickt Bernhard Berchtold in die Zukunft: „Man kann sich jetzt noch gar nicht vorstellen, wie die Landwirtschaft in zehn Jahren aussehen wird: Es ist zu befürchten, dass kleinere Betriebe aufgeben. Es werde dann einige größere Betriebe geben, die die Flächen dann aus wirtschaftlichen Erwägungen als Monokultur bewirtschaften, so seine Prognose.

Alban Weilhöfer hatte Getränke mitgebracht und Gabi Berchtold Glühwein zubereitet. So konnte man noch eine Zeit lang beim Feuer verweilen und sich austauschen über die Zukunft der Landwirtschaft, die allen Sorge macht. Vielleicht doch ein kleines Hoffnungszeichen, dass der Protest der Bauern Wirkung zeigt. Die Polizisten, die mit ihrem Streifenwagen vorbeikamen, berichteten: „Von der Straße nach Unterspiesheim aus sieht man das Feuer gut.“

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