Leidensmienen bei der CSU

Betroffene Gesichter bei der CSU: Anja Weisgerber, Stefan Funk und Gerhard Eck bei der Wahlparty in Pusselsheim. Foto: Josef Lamber

Sonntag, kurz vor 18 Uhr: Die Maschinenhalle im Anwesen des CSU-Wahlkreiskandidaten Gerhard Eck in Pusselsheim füllt sich, die Blicke seiner Parteifreunde richten sich auf die Acht-Quadratmeter-Leinwand, auf die der Beamer die Wahlsendung des Bayerischen Rundfunks vergrößert. 35,5 Prozent zeigt der schwarze Balken für die CSU an – Entsetzen in den Gesichtern, zumindest aber Leidensminen. Eck, die Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber und Bezirkstagskandidat Stefan Funk schauen da noch sehr ernst und angespannt.

Es ist die allererste Prognose, die kann sich sicherlich noch ändern, wohl nicht aber in ihrer klaren Tendenz. Gut zwölf Prozent verliert demnach die CSU, die – mit einer Ausnahme – seit über 50 Jahren das Alleinregieren gewohnt ist. Nur einmal kommt bei dieser Erstprognose Jubel auf, als für die Linken 3,5 Prozent vorhergesagt werden, womit sie dem neuen Landtag sicher nicht angehören werden. Ein weiterer großer Applaus ertönt, als der CSU-Fraktionsvorsitzende Thomas Kreuzer im Interview mit den BR sagt, dass die CSU-Fraktion Söder wieder für das Amt des Ministerpräsidenten vorschlagen werde.

Über die herben Verluste der CSU tröstet das den Wahlkreiskandidaten und Innenstaatssekretär Eck nicht hinweg. Mit diesem Ergebnis könne man nicht zufrieden sein, sagt er, es gebe im Leben aber Höhen und Tiefen. Und: „Es gibt in fünf Jahren wieder Wahlen, da müssen wir sehen, dass wir das Ruder wieder herumreißen.“

Über einen möglichen Koalitionspartner zu sprechen, sei zu diesem Zeitpunkt zu früh, die Zahlen könnten sich noch ändern. Welche Partei oder Parteien er bevorzugen würde, will er auch noch nicht verraten. Und wer ist Schuld an dem Wahldebakel? „Ich will jetzt keine Namen nennen“, sagt Eck, allerdings seien bei dieser Bayerischen Landtagswahl zu 85 bis 90 Prozent Bundesthemen diskutiert worden. Das sei sehr schade, denn in Bayern seien „die Weichen richtig gestellt und die Uhren gehen richtig“, das sei aus unterschiedlichsten Gründen leider nicht zum Thema gemacht worden.

Wer sich unter den Wahlparty-Gästen auf dem Eck'schen Hof umhört, nachdem die Erstprognose verdaut ist, gewinnt den Eindruck: Viele haben mit einem Absturz der Partei, wie er sich nun abzeichnet und sich seit Wochen in den Umfragen stabil gehalten hat, schon gerechnet.

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