Schweinfurt

Leopoldina-Seminar: Die Schmerzen im Griff haben

Neurochirurg Dr.Tapia-Pérez sprach über implantierbare Schmerzpumpen. Ein Weg die eigenen Schmerzen rund um die Uhr selbst kontrollieren zu können.
Die in den Bauchraum implantierte Schmerzpumpe gibt durch einen dünnen Schlauch Schmerzmedikamente in den Flüssigkeitsraum um das Rückenmark ab. Das Medikament verringert die Weiterleitung von Schmerzsignalen durch die Rückenmarksnerven zum Gehirn, sorgt so für eine deutliche Schmerzlinderung. Foto: Medtronic

Bei seinem letzten Seminar hatte Dr. Humberto Tapia Pérez, Facharzt in der Abteilung für spezielle Wirbelsäulen-Chirurgie des Leopoldina-Krankenhauses (Chefarzt Shadi Shararah) die Rückenmarksstimulation bei Schmerzen erläutert. Eine weitere Schmerztherapie stellte er nun mit der "Intrathekalen Therapie (IT) vor, umgangssprachlich als Schmerzpumpe bezeichnet.

Bei dieser Methode wird durch eine programmierbare, im Bauchraum platzierte Medikamentenpumpe und einen dünnen Schlauch eine geringe Dosis von Schmerzmedikamenten direkt in den Flüssigkeitsraum um das Rückenmark gegeben. Das Medikament verringert die Weiterleitung von Schmerzsignalen durch die Rückenmarksnerven, es führt schon mit einer viel kleineren Dosis als mit Tabletten zu einer deutlichen Minderung der Schmerzen.

Anwendungsgebiete für diese Therapie sind nicht operationsfähige Nacken- und Rückenschmerzen (mehrfache Brüche, Bandscheibenschäden), anhaltende Schmerzen, die nach einer Operation neu auftreten (Failed Back Surgery-Syndrom), Bauch- und Beckenschmerzen, chronische neurologische Erkrankungen nach einer Weichteil- oder Nervenverletzung, anhaltende Schmerzen entlang der Narbe nach einem Brustkorb-Eingriff, Krebsschmerzen.

Morphin kommt zum Einsatz

Tapia Pérez erläuterte die in Frage kommenden Medikamente, die in verschiedenen Kombinationen, je nach Schmerzstärke, zum Einsatz kommen. Die Therapie wird vor allem mit Morphin durchgeführt, für das die längsten Erfahrungen bestehen. Für die Opioide wie etwa Fentanyl oder Sufentanyl gibt es lediglich limitierte klinische Daten.

Das Gift der Kugelschnecke

Kommt man mit einer Opioid-Medikation allein nicht zum Ziel, ist die Kombination mit dem Lokalanästhetikum Bupivacain sowie Chlonidin in Betracht zu ziehen. Seit etwa zehn Jahren wird die Substanz Ziconitid (Gift der Kugelschnecke Conus magus) eingesetzt. Vorteile sind das Fehlen jeder Organtoxizität, keine Entwicklung von Toleranz oder Abhängigkeit sowie eine gute Zusammenwirkung mit Morphin.

Testphase vor der Implantation

Die Implantation einer Schmerzpumpe wird erst nach einer Testphase durchgeführt, bei der Einzel- oder kontinuierliche Gaben über eine außerhalb des Körpers liegende Pumpe dem Patienten zugeführt werden. Bei der Verordnung von Ziconitid sollte die Testphase auf einen längeren Zeitraum ausgedehnt werden, weil die Wirkung dieses Medikaments sehr langsam eintritt.

"Extradosis" bei akuten Schmerzen

Die Medikamentenpumpe ist immer in Betrieb, um zuvor getestete geringe Mengen des Medikaments zu verabreichen und so die Schmerzen rund um die Uhr zu kontrollieren. Bei akuten und vorübergehenden Schmerzspitzen, die vor dem Hintergrund einer kontinuierlichen Schmerztherapie auftreten (so genannte Durchbruchsschmerzen), kann sich der Patient mittels einer Fernbedienung schnell eine "Extradosis" verabreichen, betont der Mediziner.

Anpassung an den Schmerzverlauf

Regelmäßige Auffüllintervalle – alle ein bis zwei Monate – sorgen für eine dauerhafte Therapie und ermöglichen eine ständige Anpassung an den Schmerzverlauf (Klinik). Die Auffüllung der Pumpe erfolgt schmerzarm durch die Haut hindurch mit einer Infusionsnadel, der Füllgrad der Pumpe kann auf der Fernbedienung kontrolliert werden. Dr. Tapia Pérez erwähnt auch mögliche Nebenwirkungen dieser Schmerztherapie. Trotzdem bleibe dieses Verfahren für Patienten, die seit Jahren an therapieresistenten Schmerzen leiden, jene Therapie, die eine wirksame Schmerzlinderung mit hoher Wirksamkeit und einer deutlichen Medikamenten-Reduktion erzielt. Eine Diskussion mit den Zuhörern schloss sich an.

    

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