Gochsheim

Lesen ist mehr als Notwendigkeit

Lesen, schreiben basteln. Man sieht Erick Wagner an, dass ihm die Mitarbeit im Leseclub Spaß macht. Foto: Ursula Lux

Es war mucksmäuschenstill im Jugendraum der evangelischen Kirche in Gochsheim, als Landrat Florian Töpper den letzten Satz des Buches "Eine Kiste nichts" las. Dann sagte die achtjährige Anahita: "Das war jetzt echt cool!"

Dieses Kompliment ließe sich wohl auf den gesamten Leseclub übertragen, den der Landrat besuchte. Die Diakonie hat ihn gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde Gochsheim und der Bücherei im Mai ins Leben gerufen, unterstützt von der Stiftung Lesen. Die Verantwortliche, Susanne Bartsch, hat es bis jetzt geschafft, 28 Ehrenamtliche zwischen 14 und 70 Jahren zu finden, die sich hier engagieren.

Einer davon ist der 15-jährige Erick Wagner. Er besucht einmal in der Woche Hassan und bringt ihm das Lesen bei. "Hassan ist in der ersten Klasse und ich hab mich total gefreut, als er plötzlich angefangen hat zu buchstabieren", erzählt Wagner.

Tag der offenen Tür gibt Einblick in Leseclub

Mit der Sprechhexe macht lesen und dichten richtig Spaß. Foto: Ursula Lux

Wöchentlich lädt der Leseclub zweimal ins Jugendhaus und einmal in die Fritz-Zeilein-Halle ein. Aber nicht nur das: Er war auch schon bei der Feuerwehr, wo Feuerwehrfrau Mandy Tierok eine Geschichte vorgelesen hat, oder im Rathaus bei Bürgermeisterin Helga Fleischer, die gleich zweimal hintereinander den "Kleinen Drachen Kokosnuss" vorlesen musste. Und dann gibt es noch Jugendliche wie Wagner, die mit Kindern zuhause lesen üben.

An einem "Tag der offenen Tür" haben die Verantwortlichen des Leseclubs nun Einblick in ihre Arbeit gegeben. Die geht weit über das reine Lesen hinaus. Da wird über das Gelesene gesprochen und nachgedacht. Es gibt Bilderbuchkinos und Bilderbuchtanzen, es wird gemalt und gebastelt. Vor allem aber erleben die Besucher hier ein buntes Miteinander von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern aus unterschiedlichen Kulturen.

Udo Müller ist der Jugendbeauftragte der Gemeinde und ziemlich erstaunt, als er den überfüllten Raum betritt. "Mit so viel Leuten habe ich nicht gerechnet", sagt er. "Ich hab gedacht, ich geh hin und hör mir einfach eine Geschichte an". Aber wie schon der Landrat feststellte: "Lesen ist eben nicht nur eine Notwendigkeit, sondern hat viele Gesichter." Er freute sich, dass immer wieder auch bundesweite Projekte, wie die Leseclubs der Stiftung Lesen in den Gemeinden ankommen und so ein buntes und kreatives Miteinander ermöglichen.

Schulleiterin: "Toll, was hier im Ehrenamt angeboten wird."

Na, was erzählt der Lesefuchs denn da. Die Kinder unterhalten sich im Leseclub mit dem Lesefuchs, den Jenny Kreile (im Bild) für sie genäht hat. Foto: Ursula Lux

Auch Schulleiterin Andrea Maier war am Tag der offenen Tür im Leseclub. Sie kennt die größeren Kinder alle schon und findet es "toll, was hier im Ehrenamt angeboten wird". Sie weiß, die Kinder kommen gerne hierher. Es sei einfach eine tolle Unterstützung für das, was in der Schule vermittelt wird. Bei dieser Unterstützung sind die Mitarbeiter auch immer sehr erfinderisch. So hat Jenny Kreile für ihre "schlauen Füchse" kurzerhand einen Lesefuchs genäht, mit dem sich die Kinder über unterhalten können.

Für Monika Hofmann von der Diakonie Schweinfurt ist der schönste Erfolg dieses Nachmittags, "dass so viele Menschen miteinander ins Gespräch kamen". Und dass sie erfahren hätten, was die Diakonie allein in Gochsheim alles mit unterstützt: Begegnungscafe, Flüchtlings- und Integrationsberatung, Leseclub, Elternbegleitung. Nicht umsonst, meint sie "sind wir für den Deutschen Kitapreis 2020 nominiert".

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