SCHONUNGEN

Leserforum: Ein bisschen Genitiv gibt es immer noch

Zum Artikel „Bunker am Wochenende geöffnet“ vom 11.4.2018 im Schweinfurter Tagblatt:

Ja ja, mit dem Genitiv haben es wir Heutigen nicht mehr so. Es ist erfreulich, dass wir die Schrecken des Krieges nicht aus dem Gedächtnis verlieren – aber wir sollten „des Endes“ des Zweiten Weltkrieges gedenken, nicht „dem Ende“. Jetzt wird sich der Texter oder die Texterin „des Vorwurfs erwehren“, schluderig mit der deutschen Sprache umgegangen zu sein; denn Sprache sei eben im Wandel begriffen. Schließlich heißt es ja längst: Ich wehre mich „gegen den Vorwurf“. Wir „harren“ ja auch nicht mehr „des Frühlings“, sondern wir „warten auf den Frühling“. Ein bisschen Genitiv gibt es freilich immer noch, auch wenn wir ihn immer seltener benutzen. Zum Beispiel rühmt sich ein Politiker „seines Einsatzes“ für die kleinen Leute, muss sich freilich von der Opposition „eines Besseren“ belehren lassen; denn sie verdächtigt ihn „des Betrugs“, weil er in Wahrheit eben nicht „seines Amtes“ waltet. Lassen wir die Politik, gehen besser „unserer Wege“ und freuen uns „des Lebens“. Manchmal gibt es da allerdings auch Ärger: Wenn der Schiedsrichter beim Fußballspiel dem besten Spieler die rote Karte zeigt und ihn „des Spielfelds“ verweist. Den beschuldigen die Fans „der Parteilichkeit“ und würdigen ihn „keines Blickes“, sondern wünschen ihm im Eifer, dass er „eines fürchterlichen Todes“ sterben soll.

Magnus Lux, 97453 Schonungen

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