Schweinfurt

Leserforum: Technischer Durchbruch durch den Regenerativofen

Zum Beitrag "Was vom Menschen bleibt" im Schweinfurter Tagblatt vom 24. Mai.

Helmut Glauch hat von einer Friedhofsführung berichtet, die im Rahmen der Seniorenwochen in das Schweinfurter Krematorium führte. Dabei sind eindrucksvolle Bilder entstanden. Sie zeigen eine Welt für sich, die für gewöhnlich der Öffentlichkeit unzugänglich bleibt.

Widersprechen möchte ich allerdings den Ausführungen, die sich auf die Geschichte der Feuerbestattung beziehen. Um 1800 waren lediglich einige Entwürfe pompöser Feuerbestattungsanlagen im Umlauf. Diese Projekte zeigten vor allem Kugel- und Pyramidenstrukturen im Stil der französischen Revolutionsarchitektur. Ungelöst war in der damaligen Zeit die Technik des Verbrennungsofens. Das erste europäische Krematorium wurde nicht in Frankreich, sondern 1876 in Italien (Mailand) eröffnet. Der dort verwendete Flammofen brachte die Leiche direkt mit dem Feuer in Verbindung. Die Verbrennung der toten Körper war unzulänglich und makaber.

Erst mit dem in Deutschland von Friedrich Siemens konstruierten Regenerativofen gelang der technische Durchbruch: Heiße Luft strömte über die Leiche. Mit der Flamme selbst kam der Körper nicht in Berührung. Nun war der Weg frei für das erste deutsche Krematorium, das 1878 in Gotha errichtet wurde. Weitere Feuerbestattungsanlagen entstanden in Heidelberg und Hamburg (beide 1891), Mannheim (1900) und Mainz (1903). Die Krematorien in Coburg und Meiningen, die zum Schweinfurter Einzugsgebiet gehörten, nahmen 1907 beziehungsweise 1911 den Betrieb auf.

In meinem Buch "Auf den Spuren des Phönix. Zur Kulturgeschichte der Feuerbestattung" (Würzburg 2017) habe ich im Kapitel "Das weiße Fenster und der schwarze Schornstein" meine Erfahrungen mit dem Schweinfurter Krematorium geschildert.

Dr. Max-Rainer Uhrig,
97532 Zell

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