Ebrach

Leserforum: Von Märchen und Vertrauensbruch

Zum Artikel „Wortbruch im Steigerwald?“ (Ausgabe vom  11. Dezember) erreichte die Redaktion folgender Leserbrief.

Es war einmal. So beginnen die Märchen. Es war einmal ein Staatsforsten-Vorstand, ein Herr namens Martin Neumeyer, nicht der, der seinen letzten Mantel geteilt hat, sondern der, der nur mitteilte, vielmehr versprochen hat, im Klosterwald in diesem Winter keine dicken Bäume über 60 Zentimeter zu fällen.

Gut, dass man im Deutschen vieles mit gespaltener Zunge sprechen kann. Er meinte wohl nicht ein ehrenvolles Versprechen, auf das sich der Bürger verlassen kann, sondern ein Versprechen, bei dem der Bürger am Ende wie ein begossener Pudel verdattert vor seinem Herrn steht.

Beruhigt mich nach dieser Erfahrung des Vertrauensbruchs das Märchen von Jan-Paul Schmidt, Sprecher der Bayerischen Staatsforsten, dass es nach dem Konzept von Betriebsleiter Ulrich Mergner dort auch weiterhin dicke Buchen und Methusalembäume geben wird? Wieviele werden das sein? Zwei, drei, die sich am Ende nicht mehr lohnen, rauszureißen. Fast könnte man es nach dem Versprechen von oben schon als Drohung verstehen.

Und was ist eine dicke Buche? Für die Mehrheit der bayerischen Bürger sind 60 Zentimeter mords dicke, alte Dinger. Die gibt es sonst kaum zu finden in unseren aufgeräumten Holzplantagen, sorgsam verwaltet und verkauft von unseren Staatsforsten im Sinne der Bürger und des Naturschutzgesetzes, wie sie uns weismachen wollen bzw. aufbinden wollen. Doch im Gesetz steht wörtlich ganz vorne, weil den klugen Frauen und Mannen einmal besonders wichtig erschienen: „Ökologisch besonders wertvolle Grundstücke im Eigentum von Staat, Gemeinden, Landkreisen, Bezirken und sonstigen juristischen Personen des öffentlichen Rechts dienen vorrangig den Zielen des Naturschutzes . . . ". Es gibt dazu eigentlich nichts mehr zu sagen. Alles ist gesagt. Das Vertrauen gebrochen, viele Bäume bereits umgelegt, der Wald zerschunden (das Zerschinden hat man ja schon geübt am Weilersbach bei den Feuersalamandern und man ist ungestraft davon gekommen – wie üblich – wer hätte was anderes wirklich erwartet?). Wer glaubt da noch an ehrliche Trittsteinkonzepte und andere schön klingende Absichtserklärungen, wie Schützen und Nützen, die nicht einmal ihr Hochglanzpapier wert sind?

„Söderla, söderla“, sagte da zur Weihnachtszeit der Nikolaus zu mir, der grad vom Seehof her kam: „In Bayern gehen nicht nur die Uhren anders, selbst die Wahrheit hört sich anders an. Holz ´auf Teufel komm raus` ist nicht Naturschutz, sondern Versündigung an der Nachwelt. Ei wanger, ei wanger, fürchts ihr eich net vorm Christkind in derer heiligen Zeit, pfeilgrad im heiligen Klosterwald und noch in der Wadabteilung ´Steinkreuz´ euern Schwur zu brechen! Wenn euch schon euer Gesetz wurst ist, dann sollten doch euer C im Namen oder eure (Ge)Schwüre auf das Land heilig vor Gott und den Bürgern sein, ihr Hanswursten! Bringts des in Ordnung, machts schleunigst an Nationalpark draus, machts den zum Weltnaturerbe, dann habt ihr und eure Kinder noch was davon. Und – des sag ich euch – hörts endlich auf eure Bürger: Die wollen einen oder sie werden eine andere Regierung wählen. Und wenn ich ihnen selbst die Hand für das richtige Kreuz führen muss.“ Dann verschwand er, so war ich hier steh. Ich versprechs, des ist die Wahrheit, wie ihr des auch so machts mit dem Versprechen in Bayern.

Eine schöne Weihnachtszeit und endlich a bissal mehr Stolz auf euren wirklichen Reichtum, auf den alle anderen nur neidisch sein können.

Dr. Robert Atzmüller
97522 Sand am Main

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