WIPFELD

Letze Fuhre so früh wie noch nie

Die historische letzte Weinfuhre wird in Wipfeld eingefahren. Heuer schon zwei Wochen vor dem eigentlichen Termin der letzten Lese und damit so früh wie noch nie. Bürgermeister Tobias Blesch sitzt am Steuer. Foto: Guido Chuleck

Irgendwie war in Wipfeld alles rekordverdächtig: noch nie wurde eine letzte Fuhre aus den Weinbergen so früh eingefahren wie in diesem Jahr, und noch nie konnten die Winzer auf die spät zu lesenden Weintrauben warten. Der Rekordsommer hat natürlich nicht nur in dem kleinen Winzerort Wipfeld, sondern in so gut wie jeder Weinregion Deutschlands für eine so frühe Weinlese gesorgt. Und dennoch war der Zehntgraf nicht ganz unzufrieden, wie er am Samstagnachmittag auf dem Marktplatz in Wipfeld verkündete.

Zwei Wochen vor dem Schlusstermin war zumindest bei den GWF-Winzern die letzte Traube gelesen, und von Winzer Roland Blesch aus fuhr sein Sohn Tobias (im Nebenjob Bürgermeister des Ortes) die letzte und historische Fuhre zur Kelterstation.

Heuer genug für dem letzten Wagen

Historisch deshalb, weil Wipfeld in diesem Jahr seinen 1100. Geburtstag gefeiert. An der Kelterstation warteten bereits die Musiker sowie die Kindergarten- und Schulkinder auf den Bürgermeister. „Im Vorjahr hatten wir mit Müh und Not ein paar Trauben für eine sehr kleine Fuhre zusammengekratzt“, sagt Tobias Blesch, „dieses Jahr sind mehr als genug Trauben übrig, so dass wir einen großen Wagen nehmen können.“ Weil aber die kleine Fuhre des vorigen Jahres so gut angekommen sei, hat er sie einfach hinten dran gehängt.

Winzer sorgen für die Qualität

Und so zog der Festzug, angeführt von der Weinprinzessin Marie Schneider und Zehntgraf Albert Kestler sowie den Musikern, von der Kelterstation runter zum Marktplatz, auf dem schon das Volk die Wartezeit mit Kaffee, Kuchen und Zwiebelplootz überbrückt hatte. Dass der zwei Wochen frühere Leseschluss irgend etwas an der Qualität des Weines ändern würde, bezweifelte die Weinprinzessin. „Für die gute Qualität werden schon die Winzer sorgen“, sagte sie. Dann versorgte der Zehntgraf seine Zuhörer mit ein paar Fakten. 105 Hektoliter Wein hätten die Winzer an die GWF geliefert, „und wir haben trotz der sommerlichen Hitze die Möglichkeit, viele Weine in Bocksbeutel zu füllen“. Bekanntermaßen dürfen nur die besten Weine in diese besonderen Flaschen gefüllt werden. Von den Öchslegraden her, also dem Qualität der Weine, „haben wir auch schon Auslesen dabei“.

Keine Hoffnung auf Spätlese

Auf eine Spätlese darf dieses Jahr nicht gehofft werden, und von einem Eiswein sind die Winzer weit entfernt. „Die Scheurebe und der Spätburgunder bringen es heuer auf 100 Grad Öchsle“, so der Zehntgraf weiter.

Ein unangenehmer Nebeneffekt bei der Weinlese waren die Wespen, berichtete der Zehntgraf. Einige Male hätten die aggressiven Tiere regelrechte Angriffe gegen die Lesehelfer geflogen. Auf der anderen Seite hätten die Trauben fast keine „Fäulnässe“ erlitten und waren, den hohen Temperaturen zum Trotz, „gut im Saft“.

Keltern und Naschen

Nach dem offiziellen Teil kelterte Roland Blesch mit einigen Kindern einige Eimer Weintrauben, und es waren so viele Trauben vorhanden, dass auch die Besucher naschen durften. Ein Höhepunkt, besonders für die Kinder, war der frisch gepresste Traubensaft, von dem die Kinder gar nicht genug kriegen konnten.

Beim Keltern durfte auch der Winzer-Nachwuchs mit anpacken. Foto: Guido Chuleck
Die letzte Fuhre gab es auch im Miniformat. Foto: Guido Chuleck

 

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