Dittelbrunn

Letzte Ruhe in der Pfändhäuser Barockkapelle?

In früheren Jahrhunderten war es in Franken nicht unüblich, sich in einer Kirche bestatten zu lassen, mit "repräsentativer" Grabplatte: Zumindest für Adel und Geistlichkeit. "Kolumbarien", sprich Urnenmauern in Gotteshäusern, sind im heutigen Süddeutschland noch ungewohnt. Gemeinderat Franz Geus hat vorgeschlagen, die "Barockkapelle Pfändhausen" nach Abschluss der aufwendigen Sanierung zu diesem Zweck zu nutzen: Vor drei Jahren sei er in Hamburg auf ein solches Kolumbarium gestoßen, unter dem Mariendom. In Erfurt gebe es eine ähnliche Grabstätte. "Das Konzept ist in sich schlüssig", so der Freie Wähler, der auf den gesellschaftlichen Wandel auch in Bayern verweist. Die Kapelle am Pfändhäuser Friedhof ist profaniert und befindet sich im Gemeindebesitz, mit einer weltlichen Nutzung als Aussegnungshalle und Trauraum, aber auch für Konzerte.

Denkbar ist eine Förderung durch Denkmalamt oder Amt für ländliche Entwicklung, für eine Machbarkeitsstudie beziehungsweise das Projekt. "Ich kann mich immer mehr mit dem Thema anfreunden", meinte Bürgermeister Willi Warmuth. Es gebe eine wachsende Nachfrage nach Urnengräbern, mit entsprechendem Platzbedarf. Für Rainer Patzke wären in der Kapelle nach wie vor Konzerte möglich: "Der Tod gehört zum Leben". Ähnlich sah es Elena Lategahn, die auf das Brauchtum in Südeuropa oder Mexiko verwies: "Wir nehmen in unserer Kultur die Ahnen viel zu wenig mit ins Leben."  Man sollte das Konzept prüfen, so Willi Warmuth, wenn auch mit Blick auf die Anforderungen bei der Pietät. Prinzipiell wurde die Idee in die Planungen für die Neugestaltung des Pfändhäuser Friedhofs mit aufgenommen, bei zwei Gegenstimmen.

Einen Scheck für die (allgemeine) Sanierung der Barockkapelle hatte  Gemeinderätin Luzia Weigand dabei, im Namen der Kirchengemeinde Pfändhausen: 400 Euro kamen bei der Bewirtung zusammen, auf einer Sommertour mit Landrat Florian Töpper zum Brönnhof.

Generell sieht die Gemeinde Modernisierungsbedarf an ihren Gottesäckern: die Fachfirma Weiher hat dazu einen "Strategie-Workshop" durchgeführt. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht nun der Friedhof Dittelbrunn, in schwieriger Hanglage, dann Pfändhausen und Hambach, sowie zuletzt Holzhausen, wo sich bereits ein eigener Arbeitskreis kümmert. Nun sollen Konzepte entwickelt werden, mit Möglichkeit für die Bürger, ab einem bestimmten Punkt (nach "circa 80 Prozent" Konzepterstellung) eigene Vorstellungen mit einzubringen, in einer Informationsveranstaltung.  Eingearbeitet in die Planungen wird der jeweilige Ist-Zustand der Friedhöfe, der Bedarf an verschiedenen Bestattungsarten, der Zustand der Wege und Grünflächen, ein Überblick zu den Ablauffristen der Gräber sowie die langfristige Entwicklung. Die Überplanung des Friedhofs Dittelbrunn geht an das Bad Kissinger Büro Neisser, zum Preis von knapp 11 000 Euro. Die Konzeption in Pfändhausen übernimmt das Büro Miriam Glanz in Leutershausen, für rund 9600 Euro.

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