SCHWEINFURT

Lieber Knast als Therapie

Der 39-Jährige wusste nicht, was er eigentlich will. Dabei hatte er im Vorfeld so viel Zeit zum Nachdenken. Vom Amtsgericht Schweinfurt war er im Mai 2015 wegen vier Diebstählen und Heroinbesitz – zwei Plomben mit 1,6 Gramm – zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt worden, ohne Bewährung. Dagegen legte er Berufung ein, die jetzt vor der Kleinen Strafkammer des Landgerichts verhandelt wurde.

Alles nur geklaut – von den Turnschuhen bis zum Mischgetränk

Nur, was wollte er mit dem Rechtsmittel erreichen? Ins Gefängnis wollte er nicht, in stationäre Unterbringung zur Therapie seiner Drogensucht aber auch nicht, wie der Kammervorsitzende wissen ließ. Der psychiatrischen Sachverständigen habe er jedenfalls gesagt, er gehe lieber in den Knast als nach Werneck.

Der Mann waren wegen Diebstählen verurteilt worden. Im Juli 2014 soll er zusammen mit einem ebenfalls rauschgiftsüchtigen Kumpel in Sennfeld ein paar Turnschuhe im Wert von 70 Euro geklaut haben. In einem Supermarkt hat er laut Amtsgerichtsurteil eine Dose Tabak und zwei Getränkedosen mitgehen und sich dabei erwischen lassen. Im Oktober 2014 hatte er zwei Heroinplomben – im Mund – dabei.

Im Januar 2015 klaute er in einem Supermarkt zwei Schachteln Zigaretten und ein Mischgetränk, und ebenfalls im Jahr 2015 in einem Elektronikmarkt ein iPod für 149 Euro.

Das meiste ist Kleinkram, aber trotzdem Diebstahl

Das meiste Kleinkram – aber doch begangen, um sich Mittel zur Finanzierung seines Drogenkonsums zu verschaffen. Dieses Motiv jedenfalls stellte das Erstgericht fest, ohne aber – so der Vorsitzende der Berufungskammer – bei dem Drogensüchtigen die Unterbringung zu prüfen. Die hätte ihm nun im Berufungsverfahren gedroht, wenn er es durchgezogen hätte. Denn eine Unterbringung zur Therapie ist für die Strafkammer immer sinnvoll, wenn diese als Voraussetzung erscheint, dass der Verurteilte künftig ein straffreies Leben führen kann, dass er mangels Suchtdruck nicht mehr stehlen muss.

Lieber kürzer in den Knast als länger nach Werneck

Eine erfolgreiche Drogentherapie würde aber deutlich mehr Zeit erfordern als das Jahr Knast, zu dem der Mann verurteilt worden war. Also entschloss er sich nach einer Beratung mit seinem Verteidiger, die Berufung gegen das Amtsgerichtsurteil zurückzuziehen. Lieber Knast als Werneck, sozusagen. Gleichwohl empfahl ihm der Vorsitzende Richter, sein Drogenproblem anzugehen, damit er nicht erneut kriminell wird, um an Geld für Drogen zu kommen - und dann wohl wieder ins Gefängnis.

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