GEROLZHOFEN/KREIS SCHWEINFURT

Lorz und Pohli kehren REPs den Rücken

Erinnerungen an erfolgreiche Partei-Zeiten: Heinz Lorz (links), seit 1990 Stadtrat in Gerolzhofen und auch Kreisrat, sowie Heinz Pohli, Kreisrat seit 1996, haben ihren Austritt aus der Partei „Die Republikaner“ erklärt. Lorz war fast 30 Jahre Mitglied, Pohli seit 1995. Foto: Norbert Vollmann

Es ist ein schwerer Schlag für die ohnehin schwächelnden rechtskonservativen Republikaner (REP). Mit dem Austritt von Stadt- und Kreisrat Heinz Lorz sowie des zweiten Republikaner-Kreisrats Heinz Pohli verlieren sie ihre letzten beiden Zugpferde und aktiven Mandatsträger in der Stadt Gerolzhofen und im Landkreis. Kreisvorsitzender Richard Graupner (Schweinfurt) bekennt denn auch freimütig: „Von unserer Seite aus ist dieser Schritt äußerst ärgerlich.“

„Das Programm an sich“ ist für Lorz, der den Republikanern mit Wirkung zum 1. September 2012 nach fast 30 Jahren den Rücken gekehrt hat, „immer noch in Ordnung“. Allerdings hält er die Zeit der Partei für abgelaufen. Er betont: „Ich sehe keine Möglichkeit mehr, für sie zu werben, weil es keine jungen Leute mehr zu den Republikanern hinzieht.“ Habe er so zum Beispiel 1990 noch insgesamt 17 Frauen und Männer dazu bewegen können, auf die REP-Stadtratsliste zu gehen, so seien es zuletzt noch ganze sieben Kandidaten gewesen. Der Ortsverband habe sich inzwischen mangels Personals aufgelöst. Die Arbeit auf Kreisverbandsebene sei praktisch eingeschlafen.

Überhaupt seien die meisten Parteimitglieder wie auch das Führungspersonal auf Bundes- und Landesebene zu überaltert, um die Partei wieder zu Wahlerfolgen führen zu können. Und es mangele auch an neuen Ideen und Impulsen, so Lorz.

Ein weiteres Manko sei die mangelnde Unterstützung der kommunalen Mandatsträger. Lorz: „Es fehlt hier an jeglicher Struktur. Alles muss man sich selbst erarbeiten.“

„Ich sehe keine Möglichkeit mehr, für die Republikaner zu werben.“

Heinz Lorz, Stadt- und Kreisrat

Im Grunde genommen sei es bereits 1994 nach der Absetzung des Mitbegründers und langjährigen Bundesvorsitzenden Franz Schönhuber abwärts gegangen, was Erfolge und Medieninteresse anbelangt. In Unterfranken habe sich der Abwärtstrend noch verstärkt, als 2003 der in die Partei eingetretene frühere SPD-OB von Würzburg, Klaus Zeitler, sein REP-Parteibuch wieder abgab.

Heinz Lorz war den Republikanern als eines der frühen Mitglieder mit der Nummer 936 beigetreten. Seit 1990 vertritt der 64-Jährige die Partei im Gerolzhöfer Stadtrat und im Schweinfurter Kreistag. Vom Bezirksverband war er in Anerkennung seiner Verdienste als Bezirksvorsitzender vom 10. Januar 1987 bis 27. Februar 1999 anlässlich seines Ausscheidens aus dem Amt zum Bezirks-Ehrenvorsitzenden ernannt worden.

In diesem Zeitraum war es Lorz gelungen, die Zahl der Mitglieder in Unterfranken von 300 auf knapp 700 zu erhöhen. Die Republikaner waren zu dieser Zeit in allen Kreistagen, außer Miltenberg und Bad Kissingen, sowie in den Räten zahlreicher großer Städte sowie mehrerer Gemeinden vertreten.

Der Mitgründer und spätere Bundesvorsitzende von 1985 bis 1994, Franz Schönhuber, hatte den Gerolzhöfer einst zu den Republikanern gebracht. Nach einer Informationsveranstaltung in Kitzingen waren Lorz und neun weitere Gerolzhöfer spontan der Partei beigetreten. Eines Tages rief der bekannte Rundfunkjournalist („Jetzt red i“) persönlich bei Lorz an, um eine eigene Parteiveranstaltung in Gerolzhofen durchzuführen.

Nach dem fulminanten Abend mit Franz Schönhuber im März 1986 traten weitere zehn Gerolzhöfer und 22 Sulzheimer in die aufstrebende Rechtspartei ein. Bei den Landtagswahlen im Oktober 1986 holten die REPs in Gerolzhofen sensationelle 16,3 der Erst- und knapp 13 Prozent der Zweitstimmen und sahnten auch im Umland tüchtig ab.

Ihren Höhepunkt auf Landesebene erreichten sie 1990. Am Wahlabend lagen die Republikaner um 23 Uhr noch bei 5,4 Prozent. Das Bayerische Fernsehen interviewte im Brauereigasthof Weinig-Wehner bereits den vermeintlichen neuen Landtagsabgeordneten Heinz Lorz. Über Nacht waren dann aber plötzlich noch Wahlurnen aufgetaucht. Als der Bezirksvorsitzende aus Gerolzhofen aufwachte, hatten die REPs nur noch 4,9 Prozent. Heinz Lorz aus heutiger Sicht: „Ich war MdL für eine Nacht.“

Seine persönliche kommunalpolitische Zukunft lässt Heinz Lorz nach seinem Parteiaustritt offen, wenngleich ihm die Weiterentwicklung seiner Heimatstadt Gerolzhofen und des Landkreises Schweinfurt weiter am Herzen liege, wie er erklärt.

Die Einschätzung von Heinz Lorz, was die Zukunft und Arbeit der REPs betrifft, wird von seinem ebenfalls aus Gerolzhofen kommenden Kreistagskollegen Heinz Pohli voll geteilt. Auch er zieht die Konsequenzen und tritt aus der Partei aus, wie er bestätigt. Der Gerolzhöfer gehörte der Partei seit 1995 an. 1996 wurde er das erste Mal in den Kreistag gewählt.

Heinz Pohli ist zudem auch ein Stück weit ernüchtert. Zu zweit lasse sich in Gremien wie einem Kreistag so gut wie nichts bewirken, noch dazu, wenn man mangels Fraktionsstatus in keinem der Ausschüsse sitzt. Ihr beider Engagement zugunsten Gerolzhofens und des südlichen Landkreises sei aber allgemein anerkannt worden, so Pohli, der mit 70 aber auch das Alter gekommen sieht, um aufzuhören.

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