Lülsfeld

Lülsfeld: Starke übernimmt breit aufgestellte ÜZ

Die Unterfränkische Überlandzentrale (ÜZ) Mainfranken bekommt einen neuen Chef. Gerd Bock geht in Ruhestand, Jochen Starke wird zum Jahreswechsel sein Nachfolger.
Der eine kommt, der andere geht: Jochen Starke (links) löst zum Jahreswechsel Gerd Bock als Geschäftsführender Vorstand bei der Unterfränkischen Überlandzentrale (ÜZ) Mainfranken ab. Bock tritt in den Ruhestand. Foto: Norbert Finster

Das Konstanteste, was Gerd Bock in den gut zwölf Jahren an der Spitze der Unterfränkischen Überlandzentrale (ÜZ) Mainfranken begleitet hat, war der Wandel. Der Gesetzgeber hat die Bestimmungen in der Energiewirtschaft fast jedes Jahr geändert, die Erneuerbaren Energien eroberten den Markt und die ÜZ entwickelte sich von einem reinen Stromversorger zu einem breit aufgestellten Unternehmen, das sich auch in den Feldern Telekommunikation, Energiedienstleistung und E-Mobilität engagiert.

Jetzt steht Gerd Bock kurz vor seinem Ruhestand. Bis zum Jahresende wird er noch im Tandem mit seinem Nachfolger Jochen Starke die Geschicke der ÜZ in Lülsfeld mit ihren rund 150 Mitarbeitern leiten, bevor Starke dann alleine die operative Verantwortung in der Unternehmensführung übernimmt.

In Schweinfurt studiert

Gerd Bock ist gebürtiger Kitzinger und wohnt heute im Biebelrieder Ortsteil Kaltensondheim. Der 63-Jährige ist Vater von fünf erwachsenen Kindern. In Schweinfurt studierte er Energietechnik. Nach zweieinhalb Jahren bei der Firma Knauf in Iphofen wechselte er zur damaligen ÜWU AG (heute E.ON Bayern AG), wo er im technischen Betrieb, bei der Nutzung regenerativer Energien und von Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen sowie die letzten neun Jahre im Vertrieb beschäftigt war.

Am 1. Dezember 2007 kam Gerd Bock als Betriebsleiter nach Lülsfeld und wurde 2010 zum Geschäftsführenden Vorstand ernannt. Die ÜZ kannte er schon länger aus seiner Würzburger Zeit. Sein Motiv für den Wechsel von Würzburg nach Lülsfeld: "Perspektivisch ist in einem großen Konzern nicht so viel auszurichten. Bei der ÜZ war mir ein freies unternehmerisches Arbeiten möglich. Ich hatte den Eindruck, dass man hier etwas bewegen kann." Der Wechsel nach Lülsfeld war für ihn eine richtige Entscheidung.

Früh auf Regenerative Energien gesetzt

Bock hat die wankelmütige Haltung der Bundesregierung zur Atomenergie ("raus, rein und wieder raus") und letztendlich die Abschaltung des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld miterlebt. Das gab ihm nachträglich recht für die Marschrichtung hin zu den Regenerativen Energien. "Seit 2011 war klar, dass wir regenerativ und dezentral sein wollen." Die gewaltige Umstellung sei einer kompetenten Mitarbeiterschaft zu danken gewesen, zu der auch viele Frauen gehören, erklärt der Vorstand. Auch bei dieser Umwälzung sei es wichtig gewesen, dass alle Entscheidungen vor Ort getroffen werden konnten.

In der Ära Bock steigerte die ÜZ die Zahl der versorgten Kundenanlagen auf etwa 70 000.  Das regenerative Erzeugungsportfolio (Photovoltaik, Wasser- und Windkraft) liegt bei rund 38 Megawatt. Außerdem errichtete das Unternehmen ein Lichtwellenleiternetz von über 600 Kilometer. Zum Leistungsspektrum der ÜZ kam auch die regenerative Beheizung von Wohnhäusern, ja sogar ganzen Neubaugebieten wie "Nützelbach I" in Gerolzhofen. Weiteres Beispiel einer modernen Energiewirtschaft: Über das Wärmenetz „Gerolzhofen Nord“ werden neben drei kommunalen auch zwei private Liegenschaften versorgt. Das Wärmenetz (erste Teilstrecke) ging 2011 in Betrieb. Die Wärme wird hier überwiegend durch industrielle Abwärme der Saint Gobain Abrasives bereitgestellt.

Nun naht für Gerd Bock der Ruhestand. Die neu gewonnene Freizeit will er für mehr Sport und für die Übernahme von Ehrenämtern in seinem Wohnort Kaltensondheim nutzen.

Vorreiter der CO2-Freien Energieversorgung

Sein Nachfolger Jochen Starke sieht in der ÜZ ein Unternehmen, das gut für die Herausforderungen der Zukunft aufgestellt ist. Die ÜZ habe das Potenzial der Regenerativen Energien früher erkannt als die Großen im Strommarkt. Auch in der Sparte Glasfaser habe sich die ÜZ gut positioniert. Glasfaser bis in die Haushalte sei ein wichtiger Markt. Starke sieht die ÜZ Mainfranken als einen der Vorreiter der CO2-Freien Energieversorgung. Das gelte es gemeinsam mit den Mitarbeitern konsequent fortzusetzen. Die ÜZ, so Starke, sei bereits in allen Zukunftsfeldern unterwegs. In diesem Unternehmen bestehe demzufolge keine Notwendigkeit, groß umzubauen.

Die Motive für Starke nach Lülsfeld zu kommen, sind ähnlich gelagert wie einst bei Gerd Bock. Das Unternehmen biete einem Geschäftsführenden Vorstand Gestaltungsfreiheit. Gut findet er es auch, dass er nicht von einem Tag auf den anderen die volle Verantwortung übernehmen muss, sondern sich in einer dreimonatigen Einarbeitungszeit an der Seite von Gerd Bock einarbeiten kann.

Spannendes Thema: E-Mobilität

Spannend wird für Jochen Starke das Thema E-Moblität. "Wir wissen noch nicht, ob sie den Durchbruch schafft und ob sie kommt." Auch Starke, Vater von vier Kindern,  will sich persönlich an die Region binden und zieht mit seiner Familie von Saarbrücken nach Würzburg. Zu seinen Hobbys zählen Laufen und die Familie. Kunst und Kultur interessieren ihn zwar, kommen aber aus Zeitgründen momentan zu kurz.

Durch das ehrenamtlich besetzte Gremium des ÜZ-Vorstands wurde Jochen Starke aus einer rund 60-köpfigen Bewerberschar ausgewählt. "Das war ein illustrer Kreis von Energieexperten quer durch die Republik", berichtet Gerd Bock.

Neuer Chef mit viel Erfahrung

Der neue ÜZ-Chef ist seit beinahe zwei Jahrzehnten in ganz unterschiedlichen Bereichen der Energiewirtschaft tätig. So war er unter anderem kaufmännischer Geschäftsführer der Energieversorgung Gera. Von 2009 bis Ende 2017 führte er als Vorstandsvorsitzender den Saarbrücker Energieversorger Energie SaarLorLux AG. Zuletzt war er Senior Advisor und Sonderbeauftragter der Geschäftsführung beim Leipziger Energieberatungsunternehmen Tilia GmbH tätig.

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