Forst

Mainausbau: Sand, Steine und Wurzeln für Bienen und Eidechse

Zwischen dem Fluss und der Böschung entstehen Tieflandbereiche. Foto: Gerd Landgraf

Ein Fünftel der 14,3 Millionen Euro für den Ausbau der Schifffahrtsstraße Main in der Stauhaltung zwischen Schweinfurt und Ottendorf investiert das Wasserstraßen-Neubauamt Aschaffenburg in Ausgleichsmaßnahmen und damit in den Natur- und Umweltschutz. Wo Platz für neuen Auwald geschaffen wird, wo Eidechse, Hasel- und Fledermaus, Wildbienen und Grabwespen leben sollen, erfuhr die Redaktion von Gerd Karreis, Biologe beim Neubauamt.

Mainabwärts wird aktuell bei Untereuerheim – wie überall entlang der Schifffahrtsstraße – die Flusssohle von 2,5 auf 2,9 Meter tiefer gelegt; die Fahrrinne wird von 36 auf 40 Meter verbreitert. Die Vorbereitungen für die Ausgleichsmaßnahmen sind hier, wie auch schon nach der Straßenbrücke über den Main bei Weyer (in Richtung Schweinfurt), vor zwei Jahren gelaufen. Nicht nur die Verlegung einer Teilstrecke des Maintalradwegs fällt auf. Große Steinhaufen und Wurzelstockhaufen, die mit Bretterverschlag und grobem Sacktuch vor dem Wegschwemmen bei Hochwasser gesichert sind, hat die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung allenthalben angelegt.    

3,8 Kilometer neues Ufer

In der 13 Kilometer langen Stauhaltung Schweinfurt sind die Eingriffe im Uferbereich (auf 3,8 Kilometer) massiv, vor allem auf der Mainseite zwischen Gädheim und Forst. Um mehrere Meter wird hier das Ufer zurückgenommen, wobei vor allem in den Flussbiegungen Platz für die künftig bis zu 190 Meter langen und elf Meter breiten Schubverbände und nicht mehr nur für die knapp 70 Meter langen Frachtschiffe zu schaffen ist.   

Verbreitert wird der Main immer nur an einem Ufer. Foto: Gerd Landgraf

Verbreitert wird der Fluss immer nur an einem Ufer. Mit ausschlaggebend sei bei der Planung die Bedeutung der Ufer für die Tier- und Pflanzenwelt gewesen, sagt der Biologe des Neubauamts. Die Umwelt zu schonen, sei das Ziel gewesen. An den neu zu gestaltenden Uferbereichen wird sich der hohen und oft steilen Böschung ein zehn bis 40 Meter breiter Wiesenstreifen auf ehemaligem Ackerland anschließen. Direkt am Wasser wird es immer wieder Einbuchtungen und damit einen unregelmäßig verlaufenden Uferbereich geben.

Verlegt wurde ein Teil des Mainradwegs. Foto: Gerd Landgraf

Diese tief liegenden Landstreifen wird ein Hochwasser überschwemmen. Entstehen soll – nach einer moderaten Gehölzpflanzung – Auwald mit dem Samen der Bäume aus dem gegenüberliegenden Ufer (Weiden, Pappeln und weiteres Weichholz). Etwa fünf Jahre lang wird hier der Fluss eine Dynamik entwickeln, die der Main vor seiner ersten großen Regulierung für die Schifffahrt in der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte. 

Die Blühwiesen oberhalb des Flusses werden mit einem für den Standort typischen Saatgut bestückt, künftig ein- bis zweimal jährlich gemäht und nicht gedüngt. Wo die Mähwiesen besonders breit und trocken sind, wird es drei "Brennen" (zusammen etwa 1000 Quadratmeter) geben. Dort ist der Mutterboden abgetragen. Auf Kies kommt eine mit Erde vermischte Sandschicht. So entsteht ein Lebensraum, der sich einst zwischen den zahlreichen Armen des nicht regulierten Flusses bot und der in erster Linie Wildbienen und Grabwespen Heimat sein wird.     

Steinhaufen als Quartier für die Eidechse. Foto: Gerd Landgraf

Die Wurzelstock- und Steinhaufen zwischen Gädheim und Schonungen wurden vor zwei Jahren angelegt. Diese bieten der Eidechse Zuflucht, die vor den Baggern aus den alten Steinen der bisherigen Uferverbauung flüchten. Längst angesiedelt hat sich dort auch eine Vielzahl von Insekten und Kleinsäugern. Umgezogen in die im rückwärtigen Raum aufgestellten Höhlen sind Fledermäuse (aus den Bäumen der bisherigen Steilufer) und die Haselmaus (bevorzugt Sträucher).

Die Wurzelstöcke sind gegen das Abschwemmen gesichert. Foto: Gerd Landgraf

Zwischen Ottendorf und der Staustufe Schweinfurt summieren sich die Ausgleichsmaßnahmen an Land auf 48 000 Quadratmeter (etwa zehn Fußballfelder) und im Wasser auf 18 000 Quadratmeter. Für das nasse Element ist vor allem der Ausbau der Buhnen zu nennen. Diese den Main begleitenden Teiche mit Öffnung zum Fluss sind Relikte aus der Ausbauphase für die Schifffahrt zu Beginn des 20. Jahrhunderts und dienten der Mittelwasserregulierung. Heute sind die Buhnen Lebensraum auch für viele gefährdete Tier- wie Pflanzenarten.

Viele der Buhnen am Main sind geschützte Biotope. Foto: Gerd Landgraf

Mit dem Ausbau des Mains ist das Neubauamt jetzt auf "einer langen Zielgeraden", so Gerd Karreis. 2020 sollen die Arbeiten in der Stauhaltung Schweinfurt enden. Weiter geht es dann auf der Strecke bis zur Staustufe Garstadt. Die Ufer müssen dort kaum reguliert werden. So steht vor allem die Vertiefung der Fahrrinne an. Gleichzeitig sollen im kommenden Jahr die Arbeiten für den Teilbereich Garstadt-Wipfeld ausgeschrieben werden. Auf diesem Abschnitt wird es mehrfach zu Uferregulierungen kommen, bei denen der Umweltschutz ähnlich wie in der Stauhaltung Schweinfurt umgesetzt werden soll.   

Anschließend fehlt nur noch die Strecke von Ottendorf bis Knetzgau, wo es erneut zu Uferumgestaltungen kommen wird. Der Erörterungstermin war vor drei Jahren. Mit Baurecht wird für das Jahr 2020 gerechnet.

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