Schweinfurt

Mangelnder Respekt: Amtsrichter reißt der Geduldsfaden

Ein 19-Jähriger stand wegen eines absichtlichen Fehlalarms vor Gericht. Krasser war jedoch die turbulente Stimmung im Gerichtsaal.
Ein 19-Jähriger stand wegen eines falschen Feuerwehralarms vor Gericht. Dort sorgte mangelnder Respekt vor dem Gericht für Unmut. Foto: Horst Breunig

Eine Gerichtsverhandlung der kuriosen Art fand am im Amtsgericht Schweinfurt statt. Ein 19-Jähriger musste sich verantworten, weil er vergangenes Jahr ohne Grund einen Feuermelder eingeschlagen und somit einen Fehlalarm verursacht haben soll. Für Aufsehen sorgte das Verhalten einiger Zuschauer und des Verteidigers. Lautstarke Ausbrüche des Richters waren die Folge.

Dass eine Bemerkung eines Verteidigers einen Richter zunächst sprachlos zurücklässt und dann eine 30-minütige Unterbrechung der Verhandlung zur Folge hat, kommt nicht alle Tage vor. Im Landgericht war es aber der vorläufige Höhepunkt einer aufgeheizten Verhandlung. Was war passiert?

Angeklagter wurde nach der Tat fotografiert

Weil er einen Feuermelder des Studentenwohnheims in der Niederwerrner Straße eingeschlagen haben und dann getürmt sein soll, stand ein Wehrdienstleistender vor Gericht.  Zeugen wollen den 19-jährigen dabei beobachtet und Fotos von ihm und seinem Fluchtwagen gemacht haben. Der Angeklagte bestritt die Tat und lieferte stattdessen eine skurrile Erklärung für die Fotos: Eine Gruppe von sechs oder sieben dunkelhäutiger Männer habe ihn und seinen Begleiter ohne ersichtlichen Grund fotografiert, wie sie gerade aus einem Fast-Food-Restaurant gekommen seien. Man habe ihn hinhängen wollen.

Als Zuschauer im Gerichtsaal waren zwei Bekannte des Angeklagten, die sich nicht zur Zufriedenheit des Richters verhielten. "Wir haben hier keinen Wirtshauscharakter", ärgerte er sich, als der eine in der ersten Bankreihe seine mitgebrachte Brotzeit auspackte. "Nehmen Sie die verdammte Kappe ab, sonst verhänge ich ein Ordnungsgeld", lautete die Drohung an den anderen. "Schalten Sie gefälligst Ihr scheiß Mobiltelefon aus", hallte es wenig später durch den Gerichtssaal, als bei einem der beiden auch noch das Handy klingelte.

Als dann auch noch der Verteidiger eine Frage des Richters als "Quatsch" bezeichnete, riss dem der Geduldsfaden. "Sie bezeichnen eine Frage des Gerichts als Quatsch?", fragte er mit brechender Stimme. Dann 30 Minuten Pause "damit sich das Gericht beruhigen kann".

Ungefähr 15 dunkelhäutige Männer müssten es gewesen sein, war sich der beste Freund des Angeklagten sicher, als er in den Zeugenstand gerufen wurde. Ansonsten bestätigte er die Geschichte seines Kumpels: Man habe sich von der Mutter nach Schweinfurt fahren lassen, weil man dort etwas essen wollte. Für die Rückfahrt habe man dann einen Bekannten gefragt, der auch in der Stadt gewesen sei. Man sei dann von dem unerklärlichen Zwischenfall mit den Fotos aufgehalten worden, habe sich darüber allerdings nicht weiter Gedanken gemacht.

Widersprüchliche Zeugenaussage

Dann wieder Widersprüche: Der Bekannte mit dem Auto hatte bei einer ersten Vernehmung angegeben, der Angeklagte habe gestresst gewirkt, als er ihn abgeholt habe. Bei seiner Zeugenaussage gab er dann an, der Beschuldigte sei nicht auffällig gewesen. Über den merkwürdigen Zwischenfall mit den Fotos habe man im Auto nicht gesprochen, er wüsste also von nichts.

Für das Gericht war das wenig glaubwürdig, die Aussage des Zeugen und dessen Fotos hingegen schon. Es verurteilte den Angeklagten zu einer Strafe von 600 Euro, zahlbar an den Kreisjugendring Schweinfurt. Dagegen sind Rechtsmittel möglich.

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