GEROLZHOFEN

Mediterrane Stimmung in der Marktstraße

Ein Fest mit mediterranem Flair: Zahlreiche Gäste nutzten am Freitagabend die Gelegenheit, einen Blick in das neue Theaterhaus zu werfen. Und auf dem Platz vor dem Haus wurde gefeiert.
Ein Fest mit mediterranem Flair: Zahlreiche Gäste nutzten am Freitagabend die Gelegenheit, einen Blick in das neue Theaterhaus zu werfen. Und auf dem Platz vor dem Haus wurde gefeiert. Foto: Klaus Vogt

Versuch geglückt: Anläßlich des traditionellen Sommerfests des Historischen Vereins Gerolzhofen öffnet das „Theaterhaus“ in der Marktstraße erstmals seine Pforten für das breite Publikum. Es war ein Versuchsballon um zu sehen, wie das Interesse an dieser neuen Kleinkunstbühne ist. Der Ansturm war beachtlich und gibt Anlass zur Hoffnung, dass dieses neue Kulturangebot in der Stadt sein Publikum finden wird.

In den vergangenen Jahren hatte das Sommerfest des Historischen Vereins regelmäßig an der Gertraudiskapelle oder auch mal im Spitalgarten stattgefunden. In diesem Jahr aber wurde die Idee geboren, das Fest im und am Theaterhaus zu veranstalten, dem neuen Domizil des Kleinen Stadttheaters Gerolzhofen. Schließlich ist die rund 90 Personen starke Laienspielgruppe eine Unterabteilung des Historischen Vereins.

Freiluft-Festsaal

Zahlreiche Helfer hatten bereits am frühen Freitagnachmittag den Platz vor dem Theaterhaus in einen Freiluft-Festsaal umgewandelt. Festlich geschmückte Sitzgarnituren erwarteten die Gäste. Zum Festbeginn ab 17 Uhr bevorzugten viele Besucher wegen der flirrenden Hitze in der Marktstraße zunächst erst einmal einen Platz im Innern des ehemaligen Caféhauses. Dort servierten – in Anlehnung an die frühere Nutzung des Hauses als Café Sickenberg oder Café Schoué – die Bedienungen, stilecht gekleidet im Serviererinnen-Look der 70-er Jahre, den Kaffee und Kuchen auf Goldrand-Geschirr an die Tischchen. Selbst die nostalgischen Tassendeckchen durften dabei nicht fehlen.

Großer Kostümfundus

Immer wieder besichtigten Besuchergruppen bei Führungen das renovierte und im Stil der 60-er und 70-er Jahre neu eingerichtete Häuschen. Anläßlich des Festes war auch der Zugang zur ersten Etage möglich, der sonst nur den Theaterensemble-Mitgliedern vorbehalten ist. In zahlreichen Schränken und auf langen Regalen lagern hier der inzwischen beachtlich umfangreiche Kostümfundus (alleine 178 festliche Roben und Ballkleider), die Requisiten und unterschiedlichsten Dekorationsgegenstände. In einem eigens eingerichteten Schlafzimmer können auswärtige Künstler bei Bedarf sogar hier übernachten. Küchen und Sanitäranlagen stehen sowohl im Erdgeschoss wie im ersten Stock selbstverständlich zur Verfügung.

Die von den beiden Museumsleitern Bertram Schulz und Klaus Vogt recherchierte Hausgeschichte der alten Hausnummer 7 wurde auf mehreren Stellwänden in Wort und Bild präsentiert. Klaus Vogt umriss in einem Kurzvortrag die Eckpunkte der Hausgeschichte.

Einst wohnten hier Handwerker

Der früheste Nachweis des Hauses stammt aus dem Jahr 1558, als hier die Schreinermeister-Familie Ortner wohnte. Etwa ab anno 1700 wurde das Gebäude gastronomisch genutzt, als der Büttnermeister Johann Barthel Spies eine Heckenwirtschaft eröffnete. Vielen bekannt wurde die Hausnummer 7 schließlich, als Joseph Sickenberg sen. aus dem Nachbaranwesen Nummer 4 (heute Reinigung Baumgärtner/Krapf) das ursprünglich mal aus zwei getrennten Häusern bestehende Anwesen Nr. 7 aufkaufte.

Einstmals Café Sickenberg

Seinen Landhandel in Hausnummer 4 übergab Sickenberg Senior daraufhin an seinen Sohn Joseph Sickenberg junior, der schließlich mit den zwei nach Gerolzhofen zugezogenen Brüdern Wolf die neue Firma Gebr. Wolf & Sickenberg gründete. Der Senior konnte dann seiner großen Leidenschaft nachgehen: Der Agrarhändler war nämlich von Beruf eigentlich Konditormeister und eröffnete in Hausnummer 7 sein eigenes Café, das er später an das Ehepaar Robert und Anni Schoué mit Sohn Harald verpachtete, die nach Jahrzehnten schließlich das Haus dann selbst kaufen konnten.

Erst in den Abendstunden mit nachlassender Bruthitze füllten sich die Sitzgarnituren auf der Straße. Der Bratwurstgrill brutzelte, das kalte Kellerbier und die Schoppen mundeten und auch die anderen fränkischen Speisen, die vom Küchenteam angeboten wurden, fanden ihre Abnehmer. So entwickelte sich beim „Hoch-Sommerfest“ in der Marktstraße im Schatten der Sonnenschirme und der Bäume eine mediterrane Atmosphäre: warme Temperaturen, kühle Getränke und angeregte Plaudereien – dekoriert mit kleinen kulturellen Häppchen auf der Bühne, wo das Kleine Stadttheater kurze Einblicke in die laufende Probenarbeit für die Veranstaltungsreihe „Beheimatet“ gewährte.

Nächster Termin steht schon

Am verkaufsoffenen Sonntag, 19. August, wenn in der Marktstraße bis hinunter in die Rügshöfer Straße bei den „GEO Classics“ zahlreiche Oldtimer-Fahrzeuge präsentiert werden, öffnet erneut das Theaterhaus von 11 bis 18 Uhr. Die Gäste erwartet in der besonderen Atmosphäre des historischen Gebäudes Kaffee und Kuchen, fränkisches Gänseschmalz und Frankenwein. Die Ausstellung über die wechselvolle Geschichte des denkmalgeschützten Hauses ist bei diesem Anlass nochmals zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.

Theaterleiterin Silvia Kirchhof (links) und Birgitt Stumpf (rechts) führten die Besucher durch die Räume des Theaterhauses. In einem eigens eingerichteten Schlafzimmer (im Bild) können auswärtige Künstler bei Bedarf sogar hier übernachten.
Theaterleiterin Silvia Kirchhof (links) und Birgitt Stumpf (rechts) führten die Besucher durch die Räume des Theaterhauses. In einem eigens eingerichteten Schlafzimmer (im Bild) können auswärtige Künstler bei Bedarf sogar hier übernachten. Foto: Klaus Vogt
Ein Bild als längst vergangenen Zeiten: Robert und Anni Schoué mit Sohn Harald, aufgenommen etwa Mitte der 50-er Jahre in ihrer Konditorei in der Marktstraße.
Ein Bild als längst vergangenen Zeiten: Robert und Anni Schoué mit Sohn Harald, aufgenommen etwa Mitte der 50-er Jahre in ihrer Konditorei in der Marktstraße. Foto: Stadtarchiv Gerolzhofen
Die Außenansicht des Cafés von Joseph Sickenberg sen. im Jahr 1937.
Die Außenansicht des Cafés von Joseph Sickenberg sen. im Jahr 1937. Foto: Stadtarchiv Gerolzhofen
Die von den beiden Museumsleitern konzipierte Ausstellung über die Hausgeschichte stieß auf reges Interesse.
Die von den beiden Museumsleitern konzipierte Ausstellung über die Hausgeschichte stieß auf reges Interesse. Foto: Klaus Vogt
Beim Sommerfest des Historischen Vereins gab das Kleine Stadttheater auch Einblicke in die derzeitige Probenarbeit.
Beim Sommerfest des Historischen Vereins gab das Kleine Stadttheater auch Einblicke in die derzeitige Probenarbeit. Foto: Bertram Schulz

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