OBERSPIESHEIM

Mehr als 1225 Jahre Geschichte

Die einstige Burg steht heute längst nicht mehr. Das Kloster Ebrach hat nichts mehr zu sagen. Dafür verbreiten die Schweden heute keinen Schrecken mehr.
Oberspiesheim will sich bei der 1225-Jahr-Feier ins beste Licht setzen. Gefeiert wird am Sonntag, 1. Mai, mit einem großen Mittelalter-Spektakel. Foto: Picasa

Als frühfränkische Siedlung trägt „Speozesheim“ (Speoze = Spieß) den Namen eines verdienten Franken aus der Zeit der Landnahme. So berichtet es die Chronik der Gemeinde Kolitzheim. Auf Grund von Streufunden ist aber nachgewiesen, dass bereits in der Mittelsteinzeit, um 15 000 vor Christus, Jäger und Sammler hier durchziehen.

Reichere Quellen sind Funde der Jungsteinzeit, als die Menschen bereits Ackerbau betrieben. Später wohnen hier Kelten, die dann von den Germanen abgelöst werden.

Erst nach der Völkerwanderung kommen die Franken im 6. Jahrhundert in die Region. Eine Siedlung zwischen Ober- und Unterspiesheim ist nachgewiesen, die vom 6. bis 9. Jahrhundert bewohnt war. Urkundlich ist Spiesheim im Jahre 791 zusammen mit Kolitzheim in einer Schenkung der Hruadunne, der Gemahlin des Hiltrich, an das Kloster Fulda genannt.

Als weitere kirchliche Besitzer treten später die Klöster Ebrach, Theres, Heidenfeld und Ilmbach auf, als das Bistum Würzburg die Oberherrschaft ausübt. Die Herren von Spiesheim – 14 sind namentlich bekannt – mit ihrer Burg an der Stelle der jetzigen Kirche waren als Ministeriale, also Angestellte des Bischofs, in weltlichen und kirchlichen Ämtern tätig. Der „Purkstal“, die Burgstelle, wird 1275 an Ebrach veräußert und abgebrochen. Wohl auf grundherrliche Anordnung wird der Ort geteilt. 1278 wird „Niedernspiesheim“, heute Unterspiesheim, erstmals eigens aufgeführt. Doch die Markungsgemeinschaft mit Oberspiesheim besteht in der Waldkörperschaft „Gehaid“ und im „Bauholz“ bis heute.

1552 erhält der Pfarrer zu Herlheim von 28 Herdstellen den Zehnt. Von Krieg, Pest und Teuerungen werden die Bewohner Spiesheims immer wieder schwer heimgesucht.

Im Bauernkrieg stehen sie auf der Seite der Aufständischen. Michel Franckh verwaltet nach der Übergabe der Burg Zabelstein die Buchsen, also die Waffen. Die Chronik: verzeichnet auch die Beteiligung von Bauern aus Oberspiesheim bei der Einnahme des Ebracher Hofes in Sulzheim 1525.

Rund 60 Grundholden von Spiesheim sind dem Kloster Ebrach untertan. Wie von ihnen Ober- beziehungsweise Unterspiesheim zuzuordnen sind, ist nicht feststellbar. Nach einem Vertrag sind sie der Abtei mit Erbhuldigung, Gebot, Verbot und aller Dienstbarkeit zugetan.

Nur noch eine Handvoll Menschen

Nach den Schwedenkriegen im 17. Jahrhuundert zählte das Dorf kaum „eine Handvoll Menschen“, wie es in der Chronik heißt. Während des Krieges ziehen die Oberspiesheimer nach Schweinfurt, um den Übeln des Krieges zu entkommen. Im Jahr 1718 schließt der Würzburger Bischof mit Ebrach einen Vertrag über Kirchweihfrevel und Zehntgefälle von Oberspiesheim ab. Um 1800 wird Oberspiesheim als ein schönes ebrachisches Dorf beschrieben. Es besteht aus 43 Häuser und hat 216 Einwohnern. 1803 endet mit der Säkularisation die Herrschaft der Abtei Ebrach. Oberspiesheim kommt letztendlich zu Bayern.

Im ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 fallen acht Männer auf den Schlachtfeldern. Der zweite Weltkrieg fordert von 1939 bis 1945 19 Todesopfer und zwei Vermisste. Der Kriegerhain mit Gedenkstein gilt als Mahnmal für den Frieden.

Wohl in keiner Zeitepoche verändert sich das Dorf so in seiner Gesamtstruktur wie in den vergangenen 75 Jahren. Die Dorfschule in der Ortsmitte wird 1970 zum Kindergarten, der 1991 vergrößert und um ein Gemeindezentrum erweitert wird. Die Grundschüler werden seither mit dem Schulbus in die Nachbarorte Herlheim beziehungsweise Zeilitzheim gefahren, die Mittelschüler nach Gerolzhofen. Die Gemeinde verliert 1978 ihre Selbstständigkeit. Sie wird nach Kolitzheim eingemeindet, wo zwei Gemeinderäte die örtlichen Belange vertreten.

Der Wandel der Verhältnisse spiegelt sich wie anderswo auch hier im Rückgang der bäuerlichen Betriebe. Im Jahr 1930 fährt nur ein einziger Mann zur Arbeit nach Schweinfurt. Von den ehemals 36 hauptberuflichen Landwirten bleiben heute gerade noch fünf Landwirte im Haupterwerb und elf im Nebenerwerb übrig. Kuh-, Ochsen- und Pferdegespanne sind aus den Gassen verschwunden, die Technik beherrscht das Feld mit Schleppern und Mähdreschern.

Sein Gesicht hat auch das bis nach dem letzten Krieg vom bäuerlichen Wesen geprägte Dorf verändert. Über Jahrhunderte hin ist die Zahl der Haushalte und Bauernhöfe fast gleich. Zu den 36 Behausungen im Jahr 1340 kommen bis 1800 lediglich sieben in den nächsten 100 Jahren weitere sieben dazu. 1950 konnten in Oberspiesheim 53 Wohnhäuser gezählt werden. Inzwischen stehen hier dank geräumiger Siedlungsgebiete 173 Wohnhäuser. Dementsprechend hat sich die Einwohnerzahl von 329 im Jahre 1978 auf jetzt 529 erhöht.

Im Bild der Lindenplatz in Oberspiesheim. Hier steht rechts ein Gedenkstein, der an die 1200 Jahr Feier 1991 erinnert. Foto: Leo Stöckinger

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