Schweinfurt

Menschennähe ist Gottesnähe

Roland Breitenbach beschreibt in seinen autobiographischen Notizen, was ihn treibt und hält. Mitmenschlichkeit ist nicht das Einzige.
Roland Breitenbach hält einen Teil seines Lebens in der Hand. In seinen autobiografischen Notizen "Unterwegs in Sachen Gottes" wirft er einen authentischen Blick auf sein Wirken. Foto: Ursula Lux

Es ist noch kein Jahr her, dass Roland Breitenbach sein letztes Buch, "Ich und der Vater sind eins, eine Autobiografie Jesu" veröffentlichte und schon kommt sein nächstes Buch auf den Markt.

Der Benno-Verlag fragte nach, warum er denn nicht seine eigene Autobiografie schreiben wolle. Breitenbach sagte spontan zu und machte sich ans Werk. Allerdings bestand er auf "autobiografische Notizen", denn "ich wollte nicht alles schreiben". Wichtig war ihm, keine Namen zu nennen, außer denen, die ohnehin bekannt sind, wie die der Christenpreisträger. Auch positiv sollte das Werk werden, "aber ehrlich", betont der Pfarrer. Ärger habe er nur dann beschrieben, wenn's um ihn selbst ging und nicht um andere.

Thema Mitmenschlichkeit

Das Thema, welches sein Leben ebenso wie sein Buch durchzieht, ist die Mitmenschlichkeit. "Mitmenschlichkeit ist der wahre Gottesdienst, und Menschennähe ist Gottesnähe", sagt Breitenbach und betont: "Das sind Begriffe, die mir wichtig sind." Ein Leben lang verstand er es, Menschen für den Glauben zu begeistern, ihnen einen liebevollen Gott nahezubringen. Als Kirchenkritiker ist er für viele bis heute ein rotes Tuch und ein Unruhestifter in der Kirche. Sein neues Buch "Unterwegs in Sachen Gottes" gibt nicht nur Einblick in die Stationen seines Lebens, sondern vor allem in sein Herz und sein Geworden-Sein.

Schon früh erlebte er, "dass Menschen wichtiger sind als Regeln" und nahm sich vor, "ein Mensch für die Menschen" zu sein. "Beim Schreiben ist mir erst aufgefallen, was ich alles anders gemacht habe als die Kirchenoberen das wollten", erzählt er. Dafür erntete er nicht nur Beifall, sondern auch viel Kritik, und die war nicht immer sachlich, sondern ging oft genug unter die Gürtellinie. Dennoch sagt der streitbare Pfarrer: "Ich bin dankbar, was mir im Leben alles geschenkt wurde."

Breitenbach erzählt aus seinem Leben, seinen Begegnungen mit Menschen, ebenso berührenden wie witzigen, fröhlichenund leidvollen. Wichtig ist ihm da zu sein, wo die Menschen sind. Die Orte zu "heiligen", die für die Leute eine Bedeutung haben. Und so tauft er ein Kind eben an dem Bach, an dessen Ufern es entstanden ist. Er verheiratet Paare dort, wo sie ihre Liebe zueinander entdeckten, im Heißluftballon, auf dem Schiff oder dem Berg.

Gegen den Strich gebürstet

Breitenbach erzählt Geschichten aus seiner Gemeinde, von seinen Pilgerwegen und Reisen und von seinem "Erfindungsreich-Kirche-Sein". Denn auch seine Gemeinde bürstete er gegen den "Kirchenstrich". Wer mitarbeiten wollte, war eingeladen, wer Ideen einbrachte, wurde angehört, der Pfarrgemeinderat durch eine "Michaelswerkstatt" ersetzt, althergebrachte Formel durch eigene Worte. Getraut wurden die Menschen, die sich liebten, nicht nur die, bei denen die Kirchengesetze erfüllt waren. All dies ist im Buch nicht nur nachzulesen, sondern für den aufgeschlossenen Leser auch gut nachzuvollziehen und zu verstehen.

 

Der Pfarrer, der bekannt wurde durch seine Motorradgottesdienste, seine Bücher, den Ehe-TÜV, die Vergabe des Christenpreises und seine schonungslosen Büttenpredigten, um nur einiges zu nennen, gewährt in seiner Autobiografie Einsicht in sein Wieso und Warum. Bereichert wird das Büchlein durch private Fotos, Gebete und Texte aus dem Wirken des Priesters.

Roland Breitenbach, "Unterwegs in Sachen Gottes", Autobiografische Notizen, 14,95 Euro, Benno-Verlag Leipzig, ISBN 978-3-7462-5413-5

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