Gerolzhofen

Mercedes schließt seine Niederlassung in Gerolzhofen

Die Mercedes-Niederlassung Gerolzhofen wird zum 1. April geschlossen. Genau 100 Jahre nach Gründung der Firma Pfister zwingen die Umwälzungen am Automarkt zu diesem Schritt.
Zum 1. April ist Schluss: Die Mercedes-Niederlassung in der Adam-Stegerwald-Straße in Gerolzhofen wird aufgelöst. Foto: Klaus Vogt

Eine Ära geht zu Ende. Die Mercedes-Niederlassung in der Adam-Stegerwald-Straße in Gerolzhofen wird zum 1. April geschlossen. Damit verlässt nun auch der letzte noch verbliebene Automobil-Vertragshändler die Stadt. Die derzeit 32 Beschäftigten aus der Niederlassung der Emil Frey Autocenter Mainfranken GmbH können in andere Standorte der Firmengruppe in Schweinfurt und Würzburg wechseln.

Detlef Barthelmes ist Geschäftsführer bei der Emil-Frey-Gruppe und verantwortet die Mercedes-Benz-Aktivitäten des Schweizer Unternehmens auf dem deutschen Markt. Er ist somit auch zuständig für die bislang vier Niederlassungen des Autocenters Mainfranken, zwei in Würzburg und je eine in Schweinfurt und in Gerolzhofen. Dass seine Firma nun den Standort Gerolzhofen schließen müsse, sei sehr schwer gefallen, sagt Barthelmes im Gespräch mit dieser Redaktion. Letztlich sei die Entscheidung aber ohne Alternative, betont der ehemalige Daimler-Manager. "Wir erleben eine große Veränderung in unserer Branche", sagt Barthelmes. Und darauf müsse man reagieren.

Standorte bündeln

Da sei zum einen die Mehrung der Fahrzeugtypen beim Hersteller Mercedes. Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge würden die Angebotspalette künftig deutlich erweitern. Dies sei für die Belegschaft in den Werkstätten eine große Herausforderung, weil man für diese neue Modelle auch neue Spezialisten bei Wartung und Reparatur brauche. "Bei den kleineren Standorten wird es zunehmend schwierig, hier alles und ständig vorzuhalten", insbesondere in der Urlaubszeit oder wenn Kollegen erkranken, erklärt Barthelmes. Das immer größer werdende Portfolio an Automodellen und die große Bandbreite an Spezialkenntnissen mache es nötig, Standorte zu bündeln, um dort dann das Spezialwissen in ausreichendem Umfang vorzuhalten.

Kosten für Corporate Design

Hinzu komme, dass Mercedes seinen Vertragshändlern einiges abverlange, was das äußere Erscheinungsbild und die Ausstattung der Niederlassungen betrifft. So müssten beispielsweise künftig vor Ort gleich mehrere E-Ladesäulen vorgehalten werden. Und die Niederlassungen müssten von ihrer optischen Anmutung her dem neuen Corporate Design von Mercedes entsprechen. Dies würde gerade in Gerolzhofen hohe Investitionen nötig machen, sagt Barthelmes. Investitionen, die sich nicht rechnen.

Zu dem weitläufigen Firmengelände gehört auch der Jahres- und Gebrauchtwagen-Park. Für das Grundstück gibt es bereits mehrere Interessenten.  Foto: Klaus Vogt

Aus diesen Gründen habe man beschlossen, Mercedes in Gerolzhofen zum 1. April komplett zu schließen. Nur für Kunden, die an ihrem Mercedes die Winter- auf Sommerreifen wechseln lassen wollen, gibt es nach individueller Absprache noch bis Mitte April die Möglichkeit, dies in Gerolzhofen machen zu lassen.

Das Personal wechselt

Den 32 Beschäftigten aus Werkstatt, Verkauf, Teile und Verwaltung wurden neue Stellen an anderen Standorten angeboten. Ein Drittel des Personals wird nach Würzburg wechseln, zwei Drittel nach Schweinfurt. "Alle haben unser Angebot angenommen", berichtet Detlef Barthelmes. "Dies war uns sehr wichtig, denn wir brauchen alle Mitarbeiter." An ihren neuen Arbeitsplätzen würden die Kolleginnen und Kollegen aus Gerolzhofen in gleicher Funktion wie bisher eingesetzt. 

"Natürlich gibt es den Abschiedsschmerz und ich verstehe dies auch", sagt Barthelmes. Schließlich hätten viele der Beschäftigten schon seit Jahren gemeinsam in ihren Teams gearbeitet. Als kleiner Ausgleich werde das Emil Frey Autocenter Wechselprämien zahlen und es gebe eine Einmal-Zahlung, um die zusätzlichen Entfernungskilometer auf dem Weg zur Arbeit auszugleichen.

Sonderangebote für Kunden

Die Kunden der Gerolzhöfer Mercedes-Niederlassung werden über die Schließung informiert. "Wir werden ihnen die Situation erklären." Mit Rabatten und speziellen Gratis-Angeboten will man den Kunden die Umgewöhnung auf die neuen Standorte erleichtern. "Unsere Kunden treffen beispielsweise in Schweinfurt in der Helsinkistraße wieder auf die ihnen aus Gerolzhofen bekannten Personen. Die Ansprechpartner bleiben gleich. Dies ist wichtig für uns", erklärt der Geschäftsführer. 

Nach der Schließung der Niederlassung soll das weitläufige ehemalige Pfister-Firmengelände verkauft werden, sagt Detlef Barthelmes. Es gebe schon mehrere Interessenten. Nach Informationen dieser Redaktion bewerben sich auch zwei Unternehmen um die Flächen, die mit ihren Standorten direkt an Mercedes angrenzen. Soviel er wisse, so Barthelmes, sei das Grundstück allerdings noch nicht veräußert.  

Bürgermeister ist enttäuscht

Für den Gerolzhöfer Bürgermeister Thorsten Wozniak sind die Entwicklungen in der Adam-Stegerwald-Straße "sehr bedauerliche Nachrichten". Mercedes habe in Gerolzhofen eine lange Tradition, sowohl die Werkstatt wie auch der Autohandel hätten den Wirtschaftsstandort Gerolzhofen bereichert. "Deshalb ist es sehr schade, dass der Standort Gerolzhofen nicht fortgeführt werden soll." Wichtig sei es natürlich, dass es sozialverträgliche Lösungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt.

Hier fing alles an: 1920 gründete Nikolaus Pfister sen. in der Gerolzhöfer Schuhstraße seinen Handel mit Werkstatt für Automobile, Motorräder, Fahrräder und Nähmaschinen. Foto: Stadtarchiv

Das Ende zum 100.Geburtstag

Mit dem Ende von Daimler-Benz in Gerolzhofen wird auch ein Kapitel städtischer Wirtschaftsgeschichte geschlossen. Und dies, wie es ein eher tragischer Zufall will, ausgerechnet zum 100. Geburtstag der Firma Pfister. Denn bereits anno 1920 gründete der Automobil-Pionier Nikolaus Pfister die erste Kfz-Niederlassung als "mechanische Werkstätte" in der Gerolzhöfer Stadtgeschichte in der Schuhstraße. 1922 wurde dann eine Tankstelle integriert und gleichzeitig rief Pfister eine Fahrschule ins Leben – eine der ersten überhaupt in ganz Unterfranken. Im Jahr 1927 erfolgt der Umzug des aufstrebenden Betriebs in die Dreimühlenstraße.

Der Sohn des Firmengründers, Nikolaus Pfister jun., kam mit schwersten Verwundungen aus dem Zweiten Weltkrieg nach Hause. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Rita, die er 1946 geheiratet hatte, baute er das Unternehmen mit Fahrschule und Mercedes-Niederlassung kontinuierlich weiter auf. 1977 übernahm einer der Söhne, Karlheinz Pfister, dann die Geschäftsleitung.

Moderner Stützpunkt

1982 errichtete die Firma Pfister in der Adam-Stegerwald-Straße den damals nach modernsten Gesichtspunkten ausgestatteten Mercedes-Benz-Stützpunkt, dem 1993 an der Westseite ein großzügig angelegter Jahres- und Gebrauchtwagen-Park angegliedert wird.

Das Ende von Mercedes Pfister im Jahr 2008: Von seiner Erkrankung bereits schwer gezeichnet, übergibt Karlheinz Pfister (Mitte), seine Firma an die Anota GmbH. Mit im Bild (von links) Betriebsleiter Winfried Hermann, Sigrid Pfister, sowie Joachim Schlereth (Prokurist der Anota-GmbH mit Sitz in Berlin) und Lars Hansen von der Daimler-Benz Niederlassung Mainfranken. Foto: Archivfoto Norbert Vollmann

Von einer schweren Erkrankung gezeichnet, war Karlheinz Pfister gezwungen, seine Firma mit damals 53 Beschäftigten zum 1. Juli 2008 an die Anota Fahrzeug Service- und Vertriebsgesellschaft mbH, einer 100-prozentigen Tochter des Daimler-Konzerns, zu verkaufen. Zum 1. August 2016 übernahm schließlich die schweizerische Emil-Frey-Gruppe die Niederlassung in Gerolzhofen und führte sie fortan gemeinsam mit den Standorten in Würzburg und Schweinfurt als Emil Frey Autocenter Mainfranken. Die Emil-Frey-Gruppe Deutschland unterhält bundesweit 91 Standorte, agiert als Automobilhändler für 24 verschiedene Marken (darunter Mercedes) und ist Importeur der Fahrzeugmarken Subaru und Mitsubishi. 

Gerolzhöfer Automobil-Geschichte

Mit dem Ende des Mercedes-Stützpunkts in der Adam-Stegerwald-Straße verlässt nun der letzte Automobil-Vertragshändler die Stadt. Seit den fünfziger und sechziger Jahren hatte es in Gerolzhofen eine durchaus große Auswahl an verschiedenen Marken gegeben. Die Firma Kümmeth & Ziegler war als Opel-Händler in der Rügshöfer Straße ansässig, das Unternehmen Max Engert & Söhne vertrat VW und Audi ebenfalls in der Rügshöfer Straße.

Am westlichen Stadtrand waren drei Auto-Firmen ansässig: Die Firma Herbert Vetter in der Nikolaus-Fey-Straße vertrat Mitsubishi und Peugeot, Helmut Wächter eröffnete seine BMW-Niederlassung am Lohmühlenweg (später BMW Rhein) und Hans Zeller hatte eine Ford-Vertretung in der Frankenwinheimer Straße. Der Betrieb Wachtel/Schlotter an der Schallfelder Straße am südlichen Stadtrand hatte sich ebenfalls auf Ford spezialisiert, ohne allerdings eine offizielle Vertragswerkstatt zu sein.

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