Schweinfurt

Messerattacke: 20-Jähriger bleibt im Knast

In aller Öffentlichkeit stach ein 20-Jähriger in Bad Neustadt im Oktober 2019 mit einem Messer auf seinen Schwager ein. Soll es dafür noch Bewährung geben?
Für die rücksichtslose Messerattacke gegen seinen Schwager (Symbolfoto) muss ein 20-Jähriger aus Bad Neustadt/Saale ins Gefängnis, urteilte das Jugendschöffengericht Schweinfurt.
Für die rücksichtslose Messerattacke gegen seinen Schwager (Symbolfoto) muss ein 20-Jähriger aus Bad Neustadt/Saale ins Gefängnis, urteilte das Jugendschöffengericht Schweinfurt. Foto: Christopher Schulz

Am späten Mittwochnachmittag verkündet das Jugendschöffengericht sein Urteil: Wegen gefährlicher und einfacher Körperverletzung verurteilt es den 20-jährigen Friseur zu zwei Jahren und acht Monaten Gefängnis. Der junge Mann muss demnach die Strafhaft antreten. Er bleibt also hinter  Gittern. Seit der brutalen Messerattacke gegen seinen Schwager am 16. Oktober letzten Jahres, die maßgeblich zu diesem Urteil geführt hat, sitzt er in Untersuchungshaft. Der Schuldspruch entspricht exakt dem Antrag des Staatsanwalts. Die Verteidigung hatte auf eine Bewährungsstrafe plädiert.

"Quer durchs Gesicht gezogen" 

Das Gericht sah es nach umfangreicher Beweisaufnahme als erwiesen an, dass der Angeklagte vor einem halben Jahr mit seinem Schwager zunächst eine heftige verbale Auseinandersetzung am Busbahnhof hatte, dann ein etwa 20 Zentimeter langes Messer aus dem Seitenfach des Autos holte, zum Konkurrenten zurück lief und diesem "das Messer einmal quer durchs Gesicht gezogen hat". Die Folge: drei Schnittverletzungen unterschiedlicher Länge, die glücklicherweise so verheilt seien, dass sie nicht entstellend wirken. Eine weitere Stichverletzung hatte das Opfer am rechten Oberarm.      

"Eine beachtliche Vorgehensweise", so der Vorsitzende Richter. Vier Monate davor hatte der 20-Jährige einem anderen Mann ebenfalls in aller Öffentlichkeit einen Faustschlag an den Hals verpasst, weil dieser ihm den Mittelfinger gezeigt habe. Dabei blockierte sein Wagen mitten auf der Straße sogar den Öffentlichen Nahverkehr. Und: Zu drei Wochen Jugendarrest und 80 Arbeitsstunden wurde der 20-Jährige im Frühjahr 2019 verurteilt, weil er einem Dritten im Streit einen Messerschnitt an der Nase zugefügt hatte. Auch das eine gefährliche Körperverletzung mit einem Messer, im Gesicht.  

Bewährung ist da nicht drin

Angesichts dieser Vorgeschichte und Unbelehrbarkeit sei beim besten Willen keine Strafaussetzung zur Bewährung drin, so der Vorsitzende in seiner Urteilsbegründung. Angewendet wurde auch nicht Jugend- sondern Erwachsenenstrafrecht. Jugendtypisches Verhalten konnte das Gericht bei dem 20-Jährigen nicht erkennen. Auch die Jugendgerichtshilfe hatte schädliche Neigungen bei dem Mann und eine Schwere der Schuld als gegeben angesehen. 

Hintergrund der Auseinandersetzung mit dem Schwager war laut Verteidigerin, dass die syrische Familie des Angeklagten damals die deutsche Lebenspartnerin des Angeklagten nicht akzeptieren wollte. Daraus seien etliche Konflikte entstanden – auch die zunächst verbale und dann tätliche Auseinandersetzung am Busbahnhof. Inzwischen seien diese Differenzen ausgeräumt, selbst der Schwager als Geschädigter würde keine Bestrafung des 20-Jährigen mehr wollen. Allerdings sind Messerschnitte ins Gesicht ein Offizialdelikt. Die Staatsanwaltschaft muss ermitteln, und das Gericht hat ein Urteil gefällt. Dagegen kann der Verurteilte in Berufung gehen oder Revision einlegen.

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