HANDTHAL

Messwerte zeigen: Klimawandel setzt dem Steigerwald zu

Im Steigerwald wird es immer wärmer und trockener - der Klimawandel lässt grüßen. Diese Erkenntnis ist jetzt auch wissenschaftlich unterfüttert.
Die Entwicklung zu Hitze und Regenarmut kulminierte (vorerst) im Hitzejahr 2015. Die Messwerte von der Waldklimastation Schmerb bei Ebrach belegen das. Diese Station ist eine von 17, die die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Freising-Weihenstephan 1991 in ganz Bayern aufgestellt hat und seitdem von dort Daten abruft.

Die Betreuer dieser Stationen kamen jetzt im Steigerwaldzentrum Handthal (Kreis Schweinfurt) zusammen, um ihre Aufzeichnungen zu vergleichen. Weit überdurchschnittlich warm war es 2015 in ganz Bayern, doch bei den Niederschlägen gab es groß Unterschiede.

Während in einigen alpinen Regionen die Niederschlagsmengen fast normal waren, litten der Steigerwald und überhaupt die immer schon niederschlagsarme fränkischer Platte unter extremer Trockenheit.

Der Vergleich des Sommers 2015 mit dem letzten großen Hitzejahr 2003 zeigt, dass es nochmals wärmer geworden ist. In den Monaten Juni, Juli und August lag die Durchschnittstemperatur an der Waldklimastation Schmerb bei 18,6 Grad (2003 waren es 18,2 Grad). Das langjährige Mittel bringt es auf nur 15,9 Grad.
An der Klimastation des Steigerwaldzentrums: von links Christian Kölling Abteilungsleiter Boden und Klima an der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Kurt Amereller LWF-Vizepräsident, Stephan Thierfelder, Abteilungsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Schweinfurt und Dr. Andreas Knorr, Leiter des AELF Bamberg.
An der Klimastation des Steigerwaldzentrums: von links Christian Kölling Abteilungsleiter Boden und Klima an der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Kurt Amereller LWF-Vizepräsident, Stephan Thierfelder, Abteilungsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Schweinfurt und Dr. Andreas Knorr, Leiter des AELF Bamberg. Foto: Norbert Finster
Der Hitzerekord in Schmerb lag 2015 bei 37,1 Grad. Das war am 7. August, dem Tag, an dem in Kitzingen der Deutschland-Rekord mit 40,3 Grad gemessen wurde. Der Unterschied beruht zum einen auf der Tatsache, dass es im Wald immer etwas kühler ist, zum zweiten, dass die Schmerber Station auf 410 Meter Seehöhe liegt, Kitzingen nur auf 205.

Weitere Auffälligkeit: Im Hitzejahr 2003 gab es noch viele Zeiträume, wo die Temperaturen deutlich unter dem Jahresmittel lagen. 2015 gibt es solche kaum noch und wenn, dann nur minimal (siehe Grafiken). Die Bodenfeuchte rutschte ab Ende Juli bis Ende September in die unterste Kategorie „mangelhaft“. Beim Niederschlag zeigen die Vergleichslinien 2003/2015 fast parallelen Verlauf. In den Monaten August und September gingen die Kurven jeweils gegen fast null.

Weil es im Steigerwald seit Mai mit Ausnahme von punktuellen Hitzegewittern nicht mehr nennenswert geregnet hat, rollten einige Baumarten, besonders die Buche, ihre Blätter ein oder warfen sie bereits Ende August ab. as sind nun die Folgen dieser Klimaextreme für die Forstwirtschaft? „Forstbetriebsleiter Ulrich Mergner hat eine große waldbauliche Aufgabe, nämlich ein großes Umbauprojekt vor sich“, sagt Dr. Andreas Knorr, Leiter des Amts für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten (AELF) Bamberg.

Der Steigerwald sei an vielen Stellen zu stark Richtung Buchenmonokultur ausgerichtet und brauche eine größere Vielfalt. Denn es sei zu erkennen, dass die Buche besonders stark unter der Klimaveränderung leidet. „Unser Klima ist jetzt vergleichbar mit dem von Burgund. Dort gibt es keine reinen Buchenbestände mehr“, sagt Dr. Christian Kölling, Abteilungsleiter Boden und Klima bei der LWF. Und die Erwärmung werde weitergehen.

Auf die Frage unserer Redaktion, ob man sich gerade die Buche als größtes Hitzeopfer ausgesucht habe, um einen Nationalpark Steigerwald zu verhindern, sagt Kurt Amereller, Vizepräsident der LWF, bei den jährlich einmal stattfindenden Besprechungen der Betreuer von Waldklimastationen gehe es lediglich um eine Faktensammlung und das habe mit der Diskussion um einen Nationalpark nichts zu tun.

Die gesammelten Fakten lassen auch nicht den Schluss zu, dass die Buche in einem erwärmten Klima keine Chance mehr hat, heißt es bei der LWF. Aber je weiter sich der Klimawandel fortsetze, desto stärker verlasse diese Baumart die Nische der Sicherheit.

Nach Berechnungen der LWF habe der Baum nur noch eine reelle Chance von 64:36. Deswegen sollten reinen Buchenbeständen zur Risikominimierung andere Baumarten mit besserer Prognose wie zum Beispiel die Eiche beigemischt werden.

Man müsse mit dem Thema positiv umgehen, sagt Stephan Thierfelder, verantwortlich für den forstlichen Bereich beim AELF Schweinfurt. „Das bedeutet, welches Waldmodell hat Zukunft.“ Da könne die Landesanstalt mit ihren Daten sehr hilfreich sein, die repräsentativ für ganz Bayern seien.

Die Arbeit der Freisinger sei auch wichtig für die Politik. Nach Hinweisen aus der Wissenschaft sei es gelungen, die Schwefeleinträge in der Luft zu reduzieren. Nun sei der Stickstoff das Problem. Auch hierzu könne die LWF grundsätzliche Aussagen treffen, berichtet Kurt Amereller.

Und: „Wir können nicht mehr leugnen, dass es den Klimawandel gibt und dass der Mensch der Verursacher ist.“ Den Bäumen sei die Ursache allerdings egal. Aus der Sicht des Menschen bedeute das aber, wenn die Veränderung menschengemacht sei, müsse auch die Reaktion darauf menschengemacht sein.
 

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