GEROLZHOFEN

Ministerin Huml besucht das Ärztehaus

Sichtbar interessiert: Bürgermeister Thorsten Wozniak, Innenstaatssekretär Gerhard Eck und Gesundheitsministerin Melanie Huml (von links) lauschen bei ihrem Rundgang durch das Ärztezentrum Gerolzhofen den Ausführungen von Dr. Tobias Weigand.
Sichtbar interessiert: Bürgermeister Thorsten Wozniak, Innenstaatssekretär Gerhard Eck und Gesundheitsministerin Melanie Huml (von links) lauschen bei ihrem Rundgang durch das Ärztezentrum Gerolzhofen den Ausführungen von Dr. Tobias Weigand. Foto: Norbert Finster

Alles wirkt schnörkellos einfach. Keine Teppiche, keine Vorhänge, kaum sonstiger Zierrat. Die Behandlungszimmer sind höchst funktional, bestehen aus verschiebbaren Modulen. Trotzdem haben Farbgebung und Architektur des neuen Ärztezentrums in Gerolzhofen etwas Anheimelndes.

Dieses Ärztehaus besuchte die Ministerin im Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, Melanie Huml, begleitet von Innenstaatssekretär Gerhard Eck und Bürgermeister Thorsten Wozniak. Die Ministerin machte damit ein Versprechen wahr. Bei der Eröffnung des Zentrums Mitte September konnte sie nicht kommen und holte das jetzt nach.

Schon am Eingang ist alles etwas anders als in einer konventionellen Arztpraxis. Hier trifft der Patient aus Arzthelferinnen, die sich ihm gänzlich widmen können, das heißt nicht ständig von Telefonanrufen unterbrochen werden. Denn an der Empfangstheke gibt es kein Telefon. An den Fernsprechapparaten sitzen andere Arzthelferinnen an anderer Stelle.

Das Wartezimmer mit 54 Plätzen ist schon wieder zu klein, sagt Dr. Tobias Weigand, der die Ministerin nebst Anhang durch die Räume führt. Gerade in den vergangenen Tagen schwappte die Grippewelle auch ins Ärztezentrum. Bis zu 70 Patienten waren gleichzeitig da.

Gegenseitige Vertretung

Drei Ärzte – neben Tobias Weigand noch Holger Blum und Susanne Schmitt – teilen sich zweieinhalb Stellen. Mit im Haus untergebracht sind auch zwei Psychotherapeuten. Weitere Ärzte anderer Fachrichtungen könnten sofort dazukommen. „Die Module in den Behandlungszimmern können wir in Minutenschnelle verschieben“, sagt Weigand.

Dadurch, dass drei Ärzte im Haus sind, kann zur Not auch mal einer krank werden, hebt Weigand den Vorteil gegenüber dem Einzelkämpfer in einer Praxis hervor. Mehr als sechs oder sieben Ärzte möchte er aber auch nicht haben, denn dann würde alles wieder zu groß und unüberschaubar, erklärt Weigand der Ministerin.

Die will wissen, ob hier jeder Patient immer den gleichen Arzt hat oder ob die Mediziner ständig durchwechseln. „Wenn es irgendwie geht, wird ein Patient vom gleichen Arzt behandelt“, so Weigand.

Wartezeiten gibt es aber trotz aller rationellen Modernität immer noch. Sie werden nie abzustellen sein. „Der Patient muss hier von seiner Vorstellung Abschied nehmen, dass beim Hausarzt immer alles sofort geht“, meint Weigand.

Die Ministerin erlebt die Praxis im laufenden Betrieb. Ein Farbsystem an den Behandlungszimmern zeigt, wer gerade drin ist – Arzt, Patient oder eine der sieben Sprechstundenhilfen.

Und dann kommt Tobias Weigand auf das große Problem zu sprechen. Kaum ein fertiger Mediziner wird Hausarzt und erst recht nicht auf dem Land. Melanie Huml, selbst vollapprobierte Ärztin, stellt sogleich ein Rezept aus: Ihr Ministerium startet in einigen Teilen Bayerns den Versuch, für Famulanten (das sind werdende Ärzte, die ein Praktikum absolvieren) kostenlos Wohnraum bereitzustellen, wenn sie aufs Land gehen. Unterfranken gehört freilich vorerst nicht zum Versuchsgebiet.

Humls Fazit am Ende des Rundgangs, für den sie sich fast eine Stunde Zeit genommen hatte: „Glückwunsch an die Gerolzhöfer, dass sie das hier haben.“

Vorteile des Landlebens

In der Tat ist es eine Ausnahme, dass junge Hausärzte wie Holger Blum und Tobias Weigand in ein eigenes Ärztehaus in einer Kleinstadt investieren. Warum sie das tun? „Das Land stört uns nicht. Hier bin ich nicht wie in der Großstadt der 24. Arzt, der das Gleiche macht“, sagt Tobias Weigand, der selbst vom Land, nämlich aus Gaibach stammt. Auf dem Land sei eine Alleinstellung vielleichter zu erreichen. Klar sei aber, dass hier die gleiche Qualität der Behandlung erwartet wird wie in der Stadt.

Kollegin Susanne Schmitt hat auch einen privaten Grund fürs Land: Sie möchte ihre Kinder lieben auf dem Land aufwachsen lassen.

Jung zieht Jung an, meint Bürgermeister Thorsten Wozniak. Auch ein Ärztezentrum sei neben der Schule, dem Krankenhaus und anderen Faktoren ein Argument für junge Familien, sich in einer Kleinstadt anzusiedeln.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Gerolzhofen
  • Norbert Finster
  • Arzthelfer
  • Gerhard Eck
  • Hausärzte
  • Landleben
  • Thorsten Wozniak
  • Vorhänge
  • Ärztehäuser
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!