Schweinfurt

Missbrauch von Zwölfjähriger: 30 Monate Haft für Gardetrainer

Zu zweieinhalb Jahren Haft wegen schweren sexuellen Missbrauchs wurde ein 32-Jähriger vor dem Jugendschöffengericht in Schweinfurt verurteilt. Foto: Patty Varasano

Zweieinhalb Jahre Haft wegen schweren sexuellen Missbrauchs in einem Fall und sexuellen Missbrauchs in vier Fällen – so lautete das Urteil des Jugendschöffengerichts Schweinfurt gegen einen 32-Jährigen, der seit Mitte Mai in Untersuchungshaft sitzt.

Der frühere Gardetrainer bei einer Faschingsgesellschaft in der Region Main-Rhön hatte eine sexuelle Beziehung zu einer Zwölfjährigen, die er trainierte. Die Beziehung begann am Faschingsdienstag und endete abrupt Mitte Mai: Als die Beziehung in der Schule des Mädchens publik wurde, erstattete der Rektor sofort Anzeige. Der 32-Jährige wurde noch am gleichen Tag verhaftet, bei der Wohnungsdurchsuchung stellte die Polizei unter anderem sein Handy sicher. Der Chatverlauf zwischen dem Mann und dem Mädchen - im Ausdruck fingerdick - war eindeutig.

Geständnis vor Gericht: "Der größte Fehler meines Lebens"

Angeklagt war zum einen das Versenden von Bildern pornografischen Inhalts an das Mädchen sowie ein Vorfall am 28. April bei einem gemeinsamen Picknick, bei dem der Mann sexuelle Handlungen im Intimbereich der Zwölfjährigen vornahm.

Vor Gericht war der 32-Jährige geständig und ersparte dem Opfer damit eine Aussage. Bedauern äußerte er erst in seinem Schlusswort, als er davon sprach, "den größten Fehler meines Lebens" begangen zu haben. Breiten Raum in der Verhandlung nahmen die Suche nach dem Motiv ein und die Frage, warum der Trainer "die Alarmglocken", wie es Richter Michael Roth nannte, nicht vernahm.

Eine Beziehung, die sich über Monate entwickelte und nicht gestoppt wurde

Der psychiatrische Gutachter beurteilte den nicht vorbestraften Angeklagten nicht als pädophil. Das Mädchen hatte offenbar private Sorgen und wollte Tanzmariechen sein: "Ich wollte ihr nur helfen", dieser Satz fiel im Prozess mehrfach. Natürlich sei das Verhalten seines Mandanten "ein absolutes No-Go", so der Verteidiger. "Aber man muss konstatieren", nahm er Bezug auf den teilweise vorgelesenen Chat und die Schilderungen der Treffen, "die beiden waren schlicht verliebt".

Die Beziehung entwickelte sich langsam, die Zwölfjährige und ihr Trainer trafen sich mehrmals im Schwimmbad, zum Radfahren oder Picknicken. Laut Aussage des Angeklagten soll es das Mädchen gewesen sein, das den Kontakt suchte. Er habe nicht Nein sagen können, sie "nicht enttäuschen" wollen. Die Mutter ging davon aus, dass ihre Tochter mit dem Trainer Sport trieb, um als Tanzmariechen Erfolg zu haben.

"Es ist verboten mit Kindern Sex zu haben"

Als das Verhältnis herauskam, schrieb der Angeklagte dem Mädchen, sie solle den Chatverlauf löschen und vor allem die sexuellen Handlungen vom 28. April nicht erwähnen. Bei der polizeilichen Vernehmung war dem Mädchen offenbar die Tragweite der sexuellen Beziehung nicht bewusst. Sie sah den Angeklagten als ihren ersten Freund an, der Dinge tat, von denen sie manche gut fand, andere nicht. 

Die Staatsanwaltschaft forderte zwei Jahre und zehn Monate Haft, der Verteidiger sprach von "minderschwerem Fall" und plädierte auf zwei Jahre auf Bewährung. Der Anwalt der Nebenklägerin verwies darauf, der geschilderte emotionale Aspekt sei irrelevant: "Es ist verboten mit Kindern Sex zu haben."

Das Schöffengericht konstatierte schließlich zwar eine Beziehung und keine reine Befriedigung sexueller Bedürfnisse des Angeklagten. Es handle sich aber eindeutig um schweren sexuellen Missbrauchs, insbesondere wegen des großen Altersunterschieds. "Sie waren für das Verhalten empfänglich und hatten Schwierigkeiten sich abzugrenzen", so der Richter zum Angeklagten.

Das Urteil ist bereits rechtskräftig, da alle Parteien im Gericht auf Rechtsmittel verzichteten.

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