Schweinfurt

Missbrauchs-Prozess: Warum bemerkte die Mutter nichts?

Ein besonders schwerer Fall von Kindesmissbrauch wird derzeit vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts Schweinfurt verhandelt. Foto: SymbolSilvia Marks, dpa

Die sexuellen Übergriffe soll der gelernte Kraftfahrer aus dem Landkreis Schweinfurt vom Herbst 2015 bis Sommer 2018 verübt haben. Die Staatsanwaltschaft Schweinfurt wirft dem Mann schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes in vier Fällen, ferner Vergewaltigung, schwere und besonders schwere Vergewaltigung in jeweils einem Fall,sowie sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen in fünf Fällen vor. Ans Tageslicht gekommen sind die schwerwiegenden Vorwürfe, nachdem sich die Stieftochter ihrem Freund anvertraut hatte. Der Angeklagte, seit 23. August 2018 in Untersuchungshaft, schweigt bislang vor dem Landgericht Schweinfurt zu den Vorwürfen.

Statt Disneyland gefesselt in einer Hütte?

Laut Anklage habe der 58-Jährige Ende 2015 mit der damals Elfjährigen ein Wochenende in einem Hotel in Thüringen verbracht, angeblich um mit ihr schulische und familiäre Probleme zu besprechen. Dabei habe er dem Mädchen Alkohol gegeben und es sexuell missbraucht, als das Kind angetrunken im Bett lag. Im Januar 2016 soll er mit der Stieftochter unter dem Vorwand, einen Ausflug für die Familie ins Disneyland bei Paris vorzubereiten, zu einer abgelegenen Hütte gefahren, sie dort mit Handschellen gefesselt, ihr den Mund zugehalten und gedroht haben, es werde etwas passieren, wenn sie schreie. Vorher habe er eine Gasdruckpistole auf den Nachttisch gelegt.

Brutal hat der Mann, wenn die Anklage zutrifft, seine Stieftochter auch auf einem Parkplatz in einem Lkw mehrfach vergewaltigt, wieder unter Einsatz von Handschellen sowie einer Gasflasche. Hinzu kommen weitere solche Übergriffe, wenn er sie tagsüber in seiner Mittagspause von der Schule abholte. Bevor er sie zu Hause ablieferte, soll er mit ihr den Geschlechtsverkehr ausgeübt haben.

Vorausgesetzt, die Anklage trifft zu: Warum konnte der Stiefvater das Kind so lange, über einen Zeitraum von knapp vier Jahren, schwer sexuell missbrauchen, ohne dass dies aufgefallen ist? Die Mutter wusste, dass ihre Tochter öfters mit ihrem Stiefvater auch mehrere Tage alleine unterwegs war und hegte keinen Verdacht, sagt sie als Zeugin. Auch, als sie erste Hinweise hatte, dass ihr Mann das Kind zumindest begrapscht haben könnte, habe sie noch Zweifel gehabt. Er habe ihr etwa gesagt, die Tochter wolle "uns nur eins auswischen". Auch den Freund, den sie hatte, habe er schlecht geredet und behauptet, dieser habe mit Drogen zu tun.

Ominöse rumänische Mafia

Ab wann hat sie den Missbrauch für möglich gehalten, fragt die Kammervorsitzende. "Als ich erfuhr, dass er vorher schon mit vier Frauen verheiratet war und sieben Kinder hat, ich wusste nur von einer Frau", sagt die Mutter des mutmaßlichen Opfers. Außerdem habe sie von seiner Affäre mit einer Frau während ihrer Ehe erfahren, mit der er ein Kind gezeugt habe. "Ich habe mich gefragt, wen ich da geheiratet habe", so die Zeugin. Dies alles habe sie erst im vergangenen Jahr erfahren. Mit der Tochter habe sie damals wenig Kontakt gehabt, diese habe zu dieser Zeit bei ihrem leiblichen Vater gelebt.          

Wegen schwerer Vergewaltigung und vielfachen sexuellen Missbrauchs seiner Stieftochter muss sich zurzeit ein 58-Jähriger... Foto: Patty Varasano

Auch von einer ominösen rumänischen Mafia ist in diesem Verfahren die Rede. Der Angeklagte habe diese ins Spiel gebracht, wenn er etwa ordinäre Drohungen gegen ihren Sohn aus erster Ehe, den er nicht habe ausstehen können, ausgestoßen habe, sagt seine Ehefrau. Was es mit dieser "Mafia" auf sich haben könnte und wen sie warum hätte bedrohen können, wird nicht deutlich. Der Angeklagte macht keine Angaben zu den Anklagevorwürfen und den Hintergründen.

Für das Verfahren sind noch drei weitere Verhandlungstage angesetzt. Sollte der Stiefvater im Sinne der Anklage verurteilt werden, drohen ihm viele Jahre Haft.

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