Werneck

Mit Hobbits, Elben und Orks ins musikalische Land Mittelerde

Mit der Sinfonie "Der Herr der Ringe" beeindruckte die Bläserphilharmonie Werneck bei den Dreikönigsfestkonzerten, hier Solo-Saxophonistin Leonie Wabra beim dritten Satz "Gollum". Foto: Silvia Eidel

Wenn der Zauberer Gandalf mit seinem Pferd Schattenfell in schnellem Tempo über Xylophone, Hölzer und Schlagzeuge galoppiert, dann zaubert diese Musik Bilder herbei. Bilder von Tolkiens Buch und dem Film "Der Herr der Ringe", Bilder von Hobbits, Elben und Orks, von traumhaften Landschaften und widerwärtigen Geschöpfen. Die Bläserphilharmonie Werneck zog an ihren beiden Dreikönigsfestkonzerten über 1000 Zuhörer hinein in dieses phantastische Land Mittelerde.

Höchstes Blasmusikniveau genossen an zwei Abenden die Gäste in der gefüllten Wernecker Schulturnhalle, als die 65 meist jungen Musiker unter der Leitung von Tanja Berthold die äußerst schwierige, fünfsätzige Sinfonie "Der Herr der Ringe" von Johan de Meij intonierten. Jeder Satz folgte dabei einer Person oder Episode aus der Tolkien-Trilogie.

Frodo eine Stimme gegeben

In Szene setzten die Wernecker das Werk – wohlgemerkt nicht die Filmmusik – zusätzlich durch eine intensive, wechselnde Beleuchtung des Orchesters, durch großformatig an die Wand geworfene Bilder aus dem Film und durch kurze Lesungen aus den Kapiteln der Tolkien-Literatur. Posaunist Manfred Weth erwies sich dabei als begeisterter und begeisternder Vorleser, der Gandalf, Gollum oder Frodo eine Stimme gab.

Musikalisch nachgezeichnet wurden die Figuren von bestens aufgelegten und geschulten Bläserphilharmoniker. Sie meisterten, souverän geführt von ihrer Dirigentin, dieses schwierige Werk. Da wurde Gandalf der Graue, der Weise, als noble Erscheinung im erhabenen Motiv charakterisiert. Da gelangen einfühlsame Impressionen des Elbenwaldes Lothlórien mit seinen mächtigen Bäumen, Pflanzen und seltenen Vögeln.

Winselndes Sopran-Saxophon

Das Wesen des widerwärtigen Gollum ließ Sopran-Saxophonistin Leonie Wabra in einem beeindruckenden Solo-Part greifbar werden: Murmelnd, zischend, glucksend, winselnd, unterwürfig und bösartig schuf ihr Instrument diesen ehemalige Hobbit Sméagol.

Dramatisch wurde es im vierten Satz bei der mühevollen Wanderung der Gefährten durch die Dunkelheit der Minen von Moria. Monotoner Rhythmus von tiefem Blech, Klavier und Schlagzeug zeigte die Angst vor den Verfolgern, den Orks. Gnadenlos und unbarmherzig wurde Gandalfs verlorener Kampf mit dem Ungeheuer geschildert. Am Ende beherrschte die Trauer der Gefährten über den Verlust ihres Freundes den melancholischen Schluss.

Optimistisches Finale

Dagegen gewann im Finalsatz das optimistische, friedvolle Wesen der Hobbits die Oberhand. Die Wernecker Bläserphilharmoniker ließen es als fröhlichen Volkstanz aufleben. Die strahlende Hymne endete verhalten, harmonisch und gefühlvoll, unter deren Klängen Frodo und Gandalf mit dem Schiff aus Mittelerde hinausglitten.

So prächtig wie die Fanfare aus "La Péri" die Gäste eingangs im neuen Jahr begrüßt hatte, so eindrucksvoll wirkte nach der Pause Mario Bürkis "Terra Pacem" – Frieden auf Erden. Der Wunsch nach Frieden, ausgedrückt in melancholischen Themen, wurde dabei immer wieder unterbrochen von Aggression, von schnellen, kurzen und harten Passagen. "Die ewige Spirale zwischen Krieg und Frieden", wie es Orchesterleiterin Tanja Berthold ausdrückte. Sie hatte auch die Moderation des Abends übernommen.

Souverän führte Orchesterleiterin Tanja Berthold die Wernecker Bläserphilharmonie durch die beiden Dreikönigsfestkonzerte. Foto: Silvia Eidel

Leicht und lebhaft, frisch und fröhlich bildete die dreisätzige "Theatermusik" von Philip Sparke einen Gegenpol dazu. Aber das Thema Frieden blieb: zunächst in Robert Spittals getragener, fast heiliger Hymne "Pacem". Später im Jahr soll sich das Thema wie ein roter Faden durch die vielen Veranstaltungen des Musikvereins Werneck ziehen, verriet Tanja Berthold. Denn schließlich herrscht seit 75 Jahren Frieden in Deutschland.

Allzu melancholisch sollte der Abend aber nicht enden: feurige lateinamerikanische Musik, "Conga del Fuego Nuevo", sowie zwei spritzige Zugaben begleiteten das Publikum ins neue Jahr. Nicht ohne den anfänglichen Hinweis von Vereinsvorsitzender Christina Engelmaier und Kassier Björn Knorn, dass die Wernecker Erwachsenenbläserklasse "Klangtastisch" ihr fünfjähriges Bestehen am 21. März mit einem Frühjahrskonzert begeht.

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