Schweinfurt

Mit Pauken und Trompeten

Hermann Bäumer hinterlässt mit dem Bundesjugendorchester einen großartigen Eindruck
Ein anspruchsvolles Programm präsentierte Hermann Bäumer mit dem Bundesjugendorchester im Schweinfurter Theater.
Ein anspruchsvolles Programm präsentierte Hermann Bäumer mit dem Bundesjugendorchester im Schweinfurter Theater. Foto: Felix Broede

Die Grundmauern des Theaters standen noch, als sich die 115 jungen Musikerinnen und Musiker zum Schlussapplaus erhoben und diesen mit strahlenden und erhitzten Gesichtern entgegennahmen. Es gab viel zu applaudieren. Das junge Ensemble hatte ein mitreißendes Konzert gespielt, hatte viel Herzblut und musikalisches Können in die Waagschale gelegt. Vor fünfzig Jahren wurde das Bundesjugendorchester gegründet. Die ersten vier Konzerte in diesem Jubiläumsjahr fanden unter der Stabführung von Kirill Petrenko statt, in Schweinfurt übernahm für die folgenden Konzerte der Wintertournee Hermann Bäumer die Leitung.

Das anspruchsvolle Programm zeugte von einem eindeutigen Bekenntnis zur Musik des 20. Jahrhunderts. Mit Leonard Bernsteins Symphonischen Tänzen aus "West Side Story" stürmten die jungen Instrumentalisten in den Konzertabend. Schwungvoll und mit einer ordentlichen Portion an Farbigkeit eröffneten sie den Abend. Fingerschnippend und laut "Mambo" rufend legten sie den letzten Rest von Nervosität ab. Jazziger Swing gab Feuer und Bombast, zärtlich gefolgt von dem Soloquartett im Adagio "Somewhere". Im gleichen Alter wie die "Jets" und die "Sharks", der beiden aufeinandertreffenden Banden, gelang eine ausgesprochen farbige und rhythmusstarke Interpretation der Sätze "Cool" und "Rumble". Hermann Bäumer musste da nur zum rechten Zeitpunkt den Anstoß geben, und schon begann die Maschinerie zu laufen, der Wechsel von aufschäumendem Furor und handzahmer Zartheit saß.

Streicher und Bläser verschmolzen mit dem Schlagwerk zu einem Gesamt(kunst)werk

Solist Wieland Welzel war fünf Jahre Mitglied im Bundesjugendorchester.
Solist Wieland Welzel war fünf Jahre Mitglied im Bundesjugendorchester. Foto: Wieland Welzel

Wieland Welzel, der Solist des Konzertes für Pauken und Orchester von William Kraft, war selbst fünf Jahre Mitglied im Bundesjugendorchester, bevor er 1997 Pauker bei den Berliner Philharmonikern wurde. Mit bloßen Händen begann er auf den fünf Pauken, ehe er Zwiesprache mit den übrigen Schlagzeugern hielt. Gerade dieser Dialog trug das dreisätzige Werk, der Fokus lag auf den vielfältigen perkussiven Ausdrucksmöglichkeiten. Ob die singende Säge vom Streicherbogen in Schwingung versetzt wurde oder der große Gong die Luft vibrieren ließ oder mehrere Glockenspiele und Röhrenglocken wie eine Spieluhr zu dem selbstbewussten Schlag der Pauke sangen - die Streicher und Bläser verschmolzen mit dem Schlagwerk zu einem Aufsehen erregenden Gesamt(kunst)werk. Mit dem Klassiker der Moderne, Strawinskys "Sacre du Printemps", setzte das Ensemble den Schlussstein in ein von delikaten Rhythmen reiches Konzert. Präzise und voller Klangfülle ließen es die Rauschhaftigkeit des Frühlingsopfers zu Klang werden, ließ es sich von Bäumer durch die mystischen Bilder des heidnischen Russland tragen. Großartig war hierbei vor allem auch die Eingangspassage der wunderbaren Holzbläser.

Vorne links am Dirigentenpult saß Konrad, das Maskottchen des Bundesjugendorchesters, und schien zufrieden zu lächeln ob der famosen Leistung. Die jungen Musiker durften stolz sein auf ihre Leistung, hatten sie doch mit großem Einsatz ein schwieriges Programm mehr als überzeugend dargeboten. Eine Zugabe musste sein. Mit der Zwischenmusik aus Schostakowitschs Oper Lady Macbeth von Mzensk endete ein überwältigender Konzertabend, der nicht zuletzt wegen der begeisternden Frische und des enormen Klangpotentials gefiel.

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