GRAFENRHEINFELD

Mit Zange, Hammer, Bierkrug und Säge

Fränkischer Dreikampf Teil 3: die Rafelder Bierrutsche. Foto: Uwe Eichler

„Gefährlich ist's, den bayerischen Leu zu wecken, schmerzhaft ist ein hohler Zahn. Doch der Schrecklichste der Schrecken, das ist ein Bierfass ohne Hahn.“

Staatskanzleichef Marcel Huber mag am Freitag die Festzelt-Weisheit in den Sinn gekommen sein, beim Bierfassanstich auf dem vierten Fränkischen Oktoberfest in der Rafelder Kulturhalle. „Der schwarze Hahn ist abgeschlagen“, stellte die auf der Bühne anwesende CSU-Prominenz trocken fest, nachdem der Kopf unter den Hammerschlägen des Staatsministers für Bundesangelegenheiten weggeflogen war.

Am Ende hieß es aber doch „Ozapft is“: Beherzt griff Christian Keller als Ortsverbandsvorsitzender zur Zange, um am Zapfen den wild strömenden Bierzufluss zu regulieren. Übergelaufen und verschüttet war schon mal nichts.

Das echte Oktoberfest begann zwar erst einen Tag später, auch nicht in Franken, sondern auf der Münchner Theresienwiese: aber es ist ja auch noch nicht Oktober. Der Rafelder Ableger von Ortsverband und Frauenunion war mal Ableger des Wahlkampfs 2012.

Über 300 Gäste sind zum Schunkeln und Feiern gekommen, nicht wenige mit Dirndl und kariertem Trachtenhemd. Allerdings ist derzeit Flüchtlingskrise, was die Feierlaune trübt: Anja Weisgerber nutzt die Gelegenheit, um über den Stand ihrer mehrtägigen Krisendiplomatie zu berichten.

Das „Vorpreschen“ des Bundesinnenministeriums, kurzfristig tausende weitere Flüchtlinge in den Askren Manors unterzubringen, habe gestoppt werden können, sagt Weisgerber. Nichts sei gegen die Kommunen entschieden. Gegen eine „Nacht- und Nebelaktion“ der Behörden habe man aufs Schärfste protestiert. Geprüft würden nun über 70 Liegenschaften im ganzen Bundesgebiet: „Wir helfen, aber wir brauchen auch Gerechtigkeit.“ Man werde „wie die Löwen“ kämpfen, um eine Überforderung der Region zu vermeiden.

Bei den Flüchtlingen vom Westbalkan sende man „Signale“ aus, dass sie keine Bleibeperspektive hätten, so die Schwebheimerin: unter anderem durch einen Vorrang vor Sachleistungen vor Geldzahlungen.

„Die Albertos“ spielen zur Schunkelrunde das Frankenlied, dann betritt Oberbayer Marcel Huber die Bühne. Und stellt erfreut fest, dass zusammen mit Innenstaatssekretär Gerhard Eck in der ersten Reihe „über zehn Prozent“ des Bayerischen Kabinetts anwesend seien. Sechs Millionen Besucher würden beim Original-Oktoberfest erwartet – bei Preisen, die nicht ganz so günstig seien wie der Wurstsalat, der Gerupfte, die Schäufele oder das Festbier in der Halle. Man sei eben „das begehrteste Land der Welt.“ Allerdings eben auch beim Flüchtlingsandrang.

Über 20 000 Flüchtlinge an einem Wochenende, das sei nicht mehr zu bewerkstelligen: „Uns allen steht das Wasser bis zum Hals“, sagt Huber. Abschiebung sei nicht lustig, aber die Essenz, um Platz zu machen für die, die unter Lebensgefahr aus ihrem Land geflohen seien. Menschen etwa aus Aleppo und Homs, denen „echtes Glück“ in den Augen geschrieben stünde.

Zwischendurch bekommt der Minister ein Wasser angeboten: „Nein, mei Bier steht da unten.“ Rasch wird das wahre Labsal des Bayern heraufgereicht. Ein Tusch der Albertos, gefolgt von einem „Prosit der Gemütlichkeit“. Huber, der die CSU in der Rolle des frühen Mahners beim Asyl sieht, streift noch den G7-Gipfel in Elmau: „Keine einzige Scheibe ist zu Bruch gegangen.“ Dank ausreichend Polizeipräsenz gegen gewaltbereite Demonstranten, wie im Freistaat üblich, anders etwa als bei den Maifeierlichkeiten in Berlin. Zeit für den Bieranstich: „Gott mit dir, du Land der Bayern.“

Zu vorgerückter Stunde naht dann der Fränkische Dreikampf: Acht CSU-Mann- und Frauschaften treten gegeneinander an, die JU Land und die CSU/JU Stadt ebenso wie mehrere Ortsverbände, von Geldersheim bis Donnersdorf, und die Gruppe „Chippendales“. Es wird um die Wette gesägt und genagelt und dann auf der Rafelder Bierrutsche ein Maßkrug möglichst nahe an einen Wasserbottich heranbugsiert.

Jedes Team hat einen Paten, der einen Preis spendiert: Sei es eine Brotzeit (bei Geldersheims Vizebürgermeisterin Annemarie Schuler oder CSU-Stadtchef Stefan Funk), eine Berlinfahrt (Anja Weisgerber), ein Kinoabend mit Martina Gießübel, eine Bierprobe bei Rathauschefin Edeltraud Baumgartl in Werneck, Blumen von CSU-Gärtner Bernhard Wolf oder ein Rosenabend im Garten der Vizelandrätin Christine Bender.

Die Galderschummer gehen als Sieger nach Punkten vom Platz, Gerhard Eck spendiert ihnen einen original Oktoberfestbesuch. Dann wird vor der Bühne getanzt bis spät in die Nacht – zu bierzelterprobten Klängen von Andreas Gabalier bis hin zu „Mendocino“.

Auf der Rafelder Wiesn: Staatsminister Marcel Huber mit der Schweinfurter Frauenunions-Chefin Martina Gießübel (links) und MdB Anja Weisgerber Foto: Uwe Eichler
Fränkischer Dreikampf Teil 1: um die Wette Baumstamm sägen. Foto: Uwe Eichler
Fränkischer Dreikampf Teil2: um die WetteNägel einhämmern. Foto: Uwe Eichler

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