Schweinfurt

Mit dem Messer ins Gesicht geschnitten

Ein 20-Jähriger soll seinem Schwager im Streit etliche Messerschnitte und Stiche zugefügt haben. Und: Er hat wohl einen Verkehrsunfall angezeigt, den es gar nicht gab.
In Fußfesseln (Symbolbild) saß ein 20-Jähriger vor dem Jugendschöffengericht Schweinfurt, der Mitte Oktober letzten Jahres seinem Schwager im Streit etliche Messerschnitte und -stiche im Gesicht und am Oberkörper zugefügt haben soll.
In Fußfesseln (Symbolbild) saß ein 20-Jähriger vor dem Jugendschöffengericht Schweinfurt, der Mitte Oktober letzten Jahres seinem Schwager im Streit etliche Messerschnitte und -stiche im Gesicht und am Oberkörper zugefügt haben soll. Foto: Nicolas Armer/dpa

Am 16. Oktober letzten Jahres ist der Streit mit dem Schwager auf dem Parkplatz des Finanzamts Bad Neustadt blutig geworden. Der 20-Jährige hatte sich provoziert gefühlt, weil ihn der Schwager zuvor beim Einkaufen an der Schulter angerempelt hatte und weiter gelaufen war. Also holte er ein mindestens 20 Zentimeter langes Messer aus seinem Auto, schnitt dem Schwager ins Gesicht und brachte ihm mehrere Stiche und Schnitte im Oberkörper bei.

Messerattacke als Notwehr?

Das haben etliche Zeugen gesehen. Vor dem Jugendschöffengericht Schweinfurt räumt der Angeklagte am Mittwoch die blutige Attacke ein, stellt sie aber eher als Notwehr dar. Er sei von diesem zuvor mit der Faust ins Gesicht geschlagen worden. Was er nach wie vor abstreitet, ist der Vorwurf des Staatsanwalts, er habe fälschlicherweise in einer Anzeige behauptet, er sei auf dem Rückweg von einer Grillfeier beim Telefonieren mit dem Handy von einem unbekannten Autofahrer angefahren und am Knie verletzt worden. Der Fahrer habe Unfallflucht begangen, er habe den Wagen oder das Kennzeichen nicht erkennen können.

Die Polizei hat dagegen ermittelt, dass die Unfallstory nicht stimmen könne. Der 20-Jährige hat, wie eine Zeugin bestätigt, vielmehr beim Telefonieren am Rande der Grillerei eine Kellertreppe übersehen, ist zehn Stufen hinab gestürzt sei hat sich dabei die Verletzung zugezogen. Hier lautet die Anklage "falsche Verdächtigung". Dann wird dem 20-Jährigen eine weitere Körperverletzung vorgeworfen. Am 4. Juni 2019 soll er einen Mann durch einen Faustschlag am Hals verletzt haben. Grund: Dieser habe ihm den Mittelfinger gezeigt. Das räumt der Angeklagte ein.

Zeugen haben zu erscheinen

Zwei Polizisten hatten den Angeklagten aus der U-Haft in Hand- und Fußfesseln vorgeführt. Was den Hauptanklagepunkt betrifft, die "schwere Körperverletzung" des Schwagers durch mehrere Messerschnitte und -stiche in Gesicht und Oberkörper, wäre dessen Aussage wichtig gewesen. Neun Zeugen sind an diesem Tag schon gehört worden, zwei wichtige aber glänzten durch Abwesenheit: der Schwager, das Opfer der Messerattacke, und auch seine Frau, die Schwester des Angeklagten, die ebenfalls als Zeugin in Betracht käme. Die beiden sollen nach Nordrhein-Westfalen verzogen sein, erfährt der Vorsitzende Richter von der Polizei, welche die beiden vorführen bringen sollte.

Aus dem Publikum heißt es, das Opfer der Messerattacke sei an der Strafverfolgung des Angeklagten nun nicht mehr interessiert, und dessen Schwester wolle von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen. Dass die beiden deshalb nach eigenem Ermessen beschlossen haben, die Vorladung des Gerichts zur Zeugenaussage zu ignorieren, will der Vorsitzende nicht hinnehmen. Ob der Schwager auch ein Zeugnisverweigerungsrecht hat, sei noch zu prüfen.

So wird ein weiterer Termin für die Hauptverhandlung nötig: der Mittwoch, 18. März, 14 Uhr.

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