LOURDES

Mit dem Pilgerzug nach Lourdes

Geistlicher Begleiter Pfarrer Robert Borawski (3. von rechts) betet gemeinsam mit Pflegekräften und Patienten den Engel des Herrn. Foto: Markus Hauck

Krankenpfleger Andreas Schreiber schraubt den Verschluss an der Trachealkanüle seines Patienten auf und führt den Schlauch zum Absaugen von Sekret in die Luftröhre ein. „Was wir schon beim Papst gemacht haben, können wir auch im Zug, oder?“, sagt er zu dem gelähmten Mann im Rollstuhl, der ebenfalls auf den Namen Andreas hört und über eine Magensonde mit Nahrung versorgt wird.

Nicht die erste Wallfahrt

Viele der Kranken und der Malteser, die sie auf der Pilgerfahrt der Generationen des Bistums Würzburg bis Sonntag, 11. Juni, betreuen, sind schon zum wiederholten Mal mit dem Pilgerzug nach Lourdes unterwegs.

Mehr als 30 examinierte Pflegekräfte, Rettungssanitäter und -assistenten sowie drei Ärzte betreuen im Zug und im südfranzösischen Lourdes ehrenamtlich 34 kranke und alte Menschen, die ohne Hilfe nicht an der Reise teilnehmen könnten. „Viele von uns sind schon seit vielen Jahren dabei. Und es begeistern sich auch immer wieder junge Leute“, erzählt Krankenpfleger Bernhard Reinhart aus Holzhausen, der Malteser-Verantwortliche für die drei Krankenwaggons des Pilgerzugs.

Hoffen auf Stärkung

Gerade bekommt Holger Stegmann (45) eine Trinkflasche mit Apfelschorle gereicht. Schon an die zehn Mal ist er mit den Maltesern im Zug nach Lourdes gepilgert. Seit einem schweren Unfall vor 28 Jahren ist er ein Pflegefall. Er ist auf den Rollstuhl angewiesen und kann nicht mehr sprechen. Aber wenn er ein bekanntes Gesicht sieht, lächelt er. Hier im Krankenabteil des Pilgerzugs lächelt er oft. „Wir fahren gerne nach Lourdes. Wir beten um Besserung und kommen jedes Mal bestärkt nach Mömlingen zurück“, sagt Gerlinde Stegmann (67), Holgers Mutter.

Krankenzug die beste Lösung

Die Anreise mit dem Krankenzug sei gerade für Menschen mit schwerer Behinderung die einzige Möglichkeit, nach Lourdes zu pilgern, erklärt Allgemeinmediziner Dr. Gerhard Müller aus Obbach. Im deutlich schnelleren ICE oder dem französischen Gegenstück TGV sei für Rollstühle kaum ein Durchkommen im Mittelgang, und auch das Flugzeug scheide wegen der Kreislaufbelastung für Herzkranke kategorisch als Alternative aus. Außerdem böten die speziellen Waggons genügend Platz, damit die Ärzte und Pflegekräfte die Kranken versorgen und alles dafür erforderliche Material mit sich führen können.

Im mittleren von drei Waggons, für die die Malteser verantwortlich sind, finden sich unter anderem ein paar Tische und Bänke, an denen die Helfer sich verpflegen, ein Tisch für Mappen und Einteilungspläne sowie ein Regal, in dem Rollstühle und Rollatoren der Patienten verstaut sind.

St. Josef gut vertreten

Daniel Doser (18) aus Saal an der Saale und Anna Wohlfart (20) aus Schweinfurt gehören zu den insgesamt fünf Krankenpflegeschülern im Malteser-Team, die sich um die kranken Lourdespilger kümmern. Die beiden absolvieren eine Krankenpflegeausbildung im kirchlich getragenen Schweinfurter Sankt Josef-Krankenhaus. „

Wir sind völlig problemlos für die Pilgerfahrt freigestellt worden“, sagt Doser. Vom St. Josef-Krankenhaus ist noch jemand dabei: Dr. Georg Lippert mit dabei, ehemaliger Leitender Oberarzt und jetzt in Rente.

Als gläubiger Mensch freue er sich auf den Wallfahrtsort Lourdes, so Doser. „Und ein bisschen Abenteuer ist es ja auch.“ Wohlfart setzt mit ihrem Einsatz auch die Familientradition fort. „Meine Mutter und meine kürzlich verstorbene Großmutter sind mit Leidenschaft nach Lourdes gefahren.“

Vanessa Pfeuffer (19) und Julia Klose (28) kommen beide aus Bad Neustadt und absolvieren ihre Krankenpflegeausbildung im Bezirkskrankenhaus in Werneck. „Was wirklich super ist: Bei der Pilgerfahrt bleibt einfach auch einmal Zeit für einen Plausch mit den Patienten“, berichten sie von ihren bisherigen Erfahrungen. Maria Kohlhepp (85) kommt ursprünglich aus Rettersbach (Landkreis Main-Spessart) und lebt inzwischen im Raum Stuttgart. Seit 2004 pilgert sie regelmäßig nach Lourdes. Wegen ihrer Probleme mit Hüfte und Wirbelsäule sitzt sie seit zwei Jahren im Rollstuhl. „Hier im Zug werde ich bestens versorgt. Und in Lourdes freue ich mich immer auf die Erscheinungsgrotte. Die Atmosphäre der Stille und des Gebets dort ist ein einmaliges Erlebnis.“

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