Lindach

Mit echtem "Lindier Dialekt": Weinprinzessin Shivani I.

Die 19-Jährige mit nepalesischen Wurzeln liebt ihre Heimat Lindach. Als Weinprinzessin Shivani I. regierte sie zwei Jahre lang die Weinfreunde am Kreuzpfad.
Im Jahr 2019 wurde in Lindach ein Jubiläumsweinfest gefeiert. Zur 30. Ausgabe des Lindacher Straßenweinfestes hatte Weinprinzessin Shivani Knoblach zusammen mit den Mitgliedern der Festleitung alle Weinfreunde aus nah und fern in ihren Heimatort Lindach eingeladen.
Im Jahr 2019 wurde in Lindach ein Jubiläumsweinfest gefeiert. Zur 30. Ausgabe des Lindacher Straßenweinfestes hatte Weinprinzessin Shivani Knoblach zusammen mit den Mitgliedern der Festleitung alle Weinfreunde aus nah und fern in ihren Heimatort Lindach eingeladen. Foto: Kurt Albert

"Wo ich herkomme? Na aus Lindi!", war in den vergangenen zwei Jahren Land auf Land ab bei Weinfesten und anderen gesellschaftlich bedeutenden Veranstaltungen zu hören, wenn Shivani Knoblach mit strahlendem Lächeln im Dirndl stolz die Weinkrone des Weinortes Lindach auf ihrem Haupt trug.

Für viele ihrer Gesprächspartner sei allerdings "Lindi" dabei nicht die erwartete Antwort gewesen, wie sie rückblickend berichtete. Mit "Wo kommst du denn wirklich her?" setzte so manche Person mit großem Informationsbedürfnis zur Nachfrage an. "Einige haben auch nur überfordert geschaut und wussten gar nicht, wie sie mich anreden sollten", sagte Shivani in einem Videotelefonat mit dieser Zeitung. Sogar auf Englisch wurde sie mitunter angesprochen. "Ich habe immer kurz gewartet und dann natürlich auf Fränkisch geantwortet. Das war immer sehr witzig!", erinnerte sie sich.

Ihre "perfekte" urfränkische Aussprache hat des Öfteren vor allem bei Weinfreunden, die von weit her nach Franken gereist waren, für Verwunderung gesorgt. Seit inzwischen 14 Jahren ist das Adoptivkind mit nepalesischen Wurzeln jetzt schon in Lindach daheim. Den "echten Lindier Dialekt" hat sie längst verinnerlicht.

Die örtliche Bevölkerung , Festveranstalter und die Symbolfiguren aus dem Umkreis haben sie aber bereits nach kurzer Zeit mit der Krone erkannt. Während ihre Amtskolleginnen aus anderen Ortschaften hin und wieder mal verwechselt oder nicht zugeordnet werden konnten, war die Verbindung von Shivani und Lindach immer sofort präsent.

Zwei Jahre Prinzessin

Zwei Jahre repräsentierte sie nun ehrenamtlich den Weinort Lindach und seine Winzer und Weinbauern - und das absolut einzigartig und mit dem größtmöglichen Wiedererkennungswert. Ihre Amtszeit befindet sich nun eigentlich unmittelbar vor dem Ende - allerdings musste die für 18. April geplante Inthronisierung ihrer Nachfolgerin im Zuge des Veranstaltungsverbots der Corona-Krise auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Shivani Knoblach war sechs Jahre alt, als sie vom Ehepaar Knoblach in Lindach aufgenommen wurde. Sie erinnert sich noch gut daran, dass sie gleich kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland mit ihrer Adoptiv-Familie ein großes Fest besuchte. Ein "Bratwurschtbrötla" war die erste original-fränkische Mahlzeit, die sie hier zu sich genommen hat, weiß sie zu berichten. Es wurde zu ihrem Lieblingsessen und bis heute von keinem anderen Gericht abgelöst. Dazu trinkt die scheidende Weinhoheit, die während ihrer Amtszeit zu einer echten Expertin rund um den Frankenwein gereift ist, am liebsten einen Schoppen frischen Müller-Thurgau oder einen fruchtigen Rotling.

Spürbare Heimatliebe

Shivani fühlt sich als echte "Lindierin". Ihre Heimatliebe war spürbar, wenn man sie auf der großen Weinfestbühne sah und über "ihr" Lindach reden hörte. Mit ihrer Begabung und ihren Fähigkeiten ist sie bei der Bevölkerung im Ort voll anerkannt – das zeigt sich auch daran, dass die damals 17-Jährige von einigen Persönlichkeiten aus dem Ort für das Amt der Weinprinzessin bei Winzervereinsvorstand Hubert Dotzel vorgeschlagen wurde. Die Unterstützung der Familie war ihr nach der offiziellen Anfrage des Winzervereins sofort sicher. "Meine Eltern stehen zu einhundert Prozent hinter mir", sagte Shivani glücklich. Diese sind seit vielen Jahren im Dorfleben sehr engagiert. Ihr Vater übernahm vor seiner Tätigkeit als Kämmerer in der Gemeinde Kolitzheim auch Verantwortung für den Ort als Mitglied des Gemeinderats.

Die 19-Jährige ist sehr dankbar für alles, was sie hier erlebt. "Ich habe großes Glück, in Deutschland ein so gutes Leben führen zu können", sagte sie. Die Chance wolle sie stets beim Schopf packen, sich nicht ausruhen auf dem Wohlstand, den sie hier im Vergleich zu ihrem Geburtsland vorfindet. Nicht verwunderlich also, dass sie das Amt der Weinprinzessin stets mit Freude und Stolz schier unermüdlich ausfüllte. Es waren über 120 Termine, die die 19-Jährige in den zwei Jahren im Dienste der Lindacher Weinkrone absolvierte.

Die Highlights

Als Highlights ihrer zweijährigen Regentschaft am Kreuzpfad nannte sie zunächst die eigenen Feste im Dorf. Hier hatte sie Glück, denn sowohl die Weinbergs- und Blütenwanderungen als auch die beiden Straßenweinfeste waren Besuchermagneten schlecht hin. Weiterhin zählte sie als besonderes Ereignis den Besuch des Landtages in München auf, wo ein Treffen aller Produkt-Königinnen und -Prinzessinnen aus ganz Bayern stattfand. Ebenso blickte sie freudig auf die großen Veranstaltungen wie die Weingala oder die Wahlen der fränkischen Weinkönigin, bei denen sie teilnehmen durfte, zurück. "Am allerschönsten waren für mich die vielen tollen kleinen Weinfeste in der Region, wo ich privat noch gar nicht dort gewesen war und vielleicht ohne das Amt nie hingekommen wäre", bemerkte sie. Natürlich sei aber auch das 70. Weinfest in Volkach, wo sie beim Empfang den Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder traf, ein echter Glanzpunkt gewesen, so Shivani weiter.

Zum Weinbau hatte sie bereits in der Kindheit einen engen Bezug. Ihr Opa Herbert bewirtschaftet den "klennsten Wengert in Lindi", hatte sie bereits bei ihrer Inthronisierung mit einem Lächeln betont. Neben den tollen Erlebnissen bei der Lese, die immer mit der traditionellen gemeinsamen Brotzeit abgeschlossen wurde, hatte sie hier auch in fachlicher Hinsicht im Weinberg über die Jahre wertvolle Erfahrungen sammeln können.

Mit den Weinprinzessinen der Region hat Shivani (3. von rechts) viele Freundschaften geschlossen.
Mit den Weinprinzessinen der Region hat Shivani (3. von rechts) viele Freundschaften geschlossen. Foto: Silvia Gralla

Shivani sagt Danke

Nachdem nun die Weitergabe der Krone an die Nachfolgerin ansteht, möchte Shivani Danke sagen. Ganz besonders an ihre Familie, auf die stets Verlass sei und die das Ganze – auch durch die finanzielle Unterstützung - überhaupt erst möglich gemacht hatten. Ebenso hätten Freunde und die vielen fleißigen ehrenamtlichen Helfer der Vereine ein großes Dankeschön verdient. Schließlich sagte sie auch ihrem Onkel Gerd Endres einen herzlichen Dank, der sie als "Chauffeur" oft bis vor die Tür gefahren und viele Termine organisiert hatte. Zu guter Letzt geht noch ein großer Dank an die Adresse der Weinprinzessinnen und Symbolfiguren der Region, "die viele Termine unvergesslich gemacht haben und mit denen viele Freundschaften entstanden sind".

Bei ihrem ersten Lindacher Weinfest als Weinprinzessin im Jahr 2018 begeisterte Shivani Knoblach die Ehrengäste beim Empfang im Hof ihres Familienanwesens mit einem Geigensolo. Nach dem ihre Regentschaft als Weinhoheit bald zu Ende ist, will sie in ihrer Freizeit wieder mehr musizieren.
Bei ihrem ersten Lindacher Weinfest als Weinprinzessin im Jahr 2018 begeisterte Shivani Knoblach die Ehrengäste beim Empfang im Hof ihres Familienanwesens mit einem Geigensolo. Nach dem ihre Regentschaft als Weinhoheit bald zu Ende ist, will sie in ihrer Freizeit wieder mehr musizieren. Foto: Manfred Schäfer

Und was kommt jetzt nach dem Amt der Weinprinzessin? Beruflich hat Shivani seit einigen Wochen die Ausbildung zur Orthopädieschuhmacherin erfolgreich abgeschlossen und wurde von ihrem Lehrbetrieb in Schweinfurt übernommen. Privat hat sie sich vorgenommen, wieder öfter Geige zu spielen, wenn ihr jetzt wieder mehr Freizeit zur Verfügung bleibt. Und natürlich: Weinfeste besuchen - so sie denn stattfinden. Im Hinblick auf das Versammlungsverbot im Zuge der Corona-Pandemie ist das derzeit noch mehr als fraglich - zumal viele Veranstalter auch langfristige Planungen vornehmen müssen.

"Hoffen wir einfach das Beste - für die Winzerinnen und Winzer und alle Weinfreunde!", sagte die stets zuversichtliche Weinhoheit abschließend.

Zwei Jahre hat Shivani Knoblach das Amt der Lindacher Weinprinzessin bekleidet. Nun neigt sich die Zeit ihrer Regentschaft dem Ende zu. Die 19-Jährige, die als Adoptivkind im Alter von sechs Jahren aus Nepal nach Lindach gekommen war, versprühte stets Lebensfreude und war eine mehr als würdige Repräsentantin des Weines vom Kreuzpfad.
Zwei Jahre hat Shivani Knoblach das Amt der Lindacher Weinprinzessin bekleidet. Nun neigt sich die Zeit ihrer Regentschaft dem Ende zu. Die 19-Jährige, die als Adoptivkind im Alter von sechs Jahren aus Nepal nach Lindach gekommen war, versprühte stets Lebensfreude und war eine mehr als würdige Repräsentantin des Weines vom Kreuzpfad. Foto: Dominik Dorsch
Mit vielen Weinprinzessinnen und Symbolfiguren aus ganz Weinfranken war Shivani Knoblach (vorne Mitte) während ihrer Amtszeit als Repräsentantin des Lindacher Weines fleißig unterwegs. Hier beispielsweise ein Bild vom 71. Fränkischen Weinfest in Volkach, was natürlich jedes Jahr im Weinfestkalender ein ganz besonderes Highlight darstellt.
Mit vielen Weinprinzessinnen und Symbolfiguren aus ganz Weinfranken war Shivani Knoblach (vorne Mitte) während ihrer Amtszeit als Repräsentantin des Lindacher Weines fleißig unterwegs. Hier beispielsweise ein Bild vom 71. Fränkischen Weinfest in Volkach, was natürlich jedes Jahr im Weinfestkalender ein ganz besonderes Highlight darstellt. Foto: Silvia Gralla
Auch bei vielen Gala-Veranstaltungen war Shivani Knoblach als Lindacher Weinhoheit vertreten. Dieses Bild zeigt sie gemeinsam mit der Zeilitzheimer Weinprinzessin Jasmin Erhard (links) vor der Kulturhalle in Grafenrheinfeld bei der Wahl der Fränkischen Weinkönigin im Jahr 2019.
Auch bei vielen Gala-Veranstaltungen war Shivani Knoblach als Lindacher Weinhoheit vertreten. Dieses Bild zeigt sie gemeinsam mit der Zeilitzheimer Weinprinzessin Jasmin Erhard (links) vor der Kulturhalle in Grafenrheinfeld bei der Wahl der Fränkischen Weinkönigin im Jahr 2019. Foto: Knoblach
Bei ihrem 'Heimspiel'-Weinfest in Lindach freute sich die örtliche Weinhoheit Shivani Knoblach über die Anwesenheit zahlreicher Weinprinzessinnen und Symbolfiguren aus der Region. Auch der Besucherzuspruch war bei der 30. Ausgabe des Festes im vergangenen Jahr zur Freude aller Beteiligter riesengroß.
Bei ihrem "Heimspiel"-Weinfest in Lindach freute sich die örtliche Weinhoheit Shivani Knoblach über die Anwesenheit zahlreicher Weinprinzessinnen und Symbolfiguren aus der Region. Auch der Besucherzuspruch war bei der 30. Ausgabe des Festes im vergangenen Jahr zur Freude aller Beteiligter riesengroß. Foto: Manfred Schäfer

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